
01.03.2010 - Kreisklinik Bad ReichenhallFünf-jähriges Jubiläum und Erweiterung der PalliativstationDer Bedarf an Palliativmedizin ist großSeit Januar 2005 gibt es im Reichenhaller Krankenhaus eine Palliativstation, auf der unheilbar kranke Patienten begleitet und umsorgt werden. Als die Station damals eröffnet wurde, war sie die erste und einzige im Umkreis zwischen Eggenfelden und München. Zum fünften Geburtstag gab es nun zu den vier vorhandenen Betten zwei weitere dazu und außerdem neue Räume im fünften Stock der Klinik. Beim Tag der offenen Tür am heutigen Samstag, kann man sich von 10 und 14 Uhr über Palliativmedizin informieren und die Station besichtigen. Die Wände der neuen Palliativstation sind in einem warmen Apricot-Ton gestrichen, jedes Zimmer bietet einen weiten Blick auf die Berge, zwei verfügen sogar über einen kleinen Balkon. Zusätzlich gibt es Zimmer, in die sich die Patienten und ihre Angehörigen in Stille zurückziehen können, und Sitzgelegenheiten im Flur, die wie kleine Ruheoasen angeordnet sind. „Die Palliativstation ist ein Segen", betonte Landrat Georg Grabner bei der Einweihungsfeier am Donnerstag, und sie sei ihm deswegen seit vie¬len Jahren ein ganz besonderes Anliegen. „Aber schöne Räume und deren Ausstattung sind nur die eine Seite, die andere ist das Personal, das hier seinen Dienst tut und die Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Vergelt's Gott dafür." Dr. Peter Schüßler, Ärztlicher Direktor des Hauses, bezeichnete die Erweiterung der Palliativstation in seiner Ansprache als „einen wichtigen Meilenstein". Vor fünf Jahren habe man mit der Eröffnung Neuland betreten, aber es habe sich gelohnt, denn „die Patientenzahl hat jedes Jahr um 50 Prozent zugenommen", so der Mediziner. Und weil der Bedarf stetig steige, würden immer mehr Betten notwendig werden. Das Klinikum in Traunstein hat deshalb vor vier Monaten ebenfalls eine Palliativstation eröffnet. Der Vorteil: Die Beteiligten, Ärzte und Pflegepersonal, können sich jetzt austauschen und kooperieren. Die Behandlung von unheilbar kranken Menschen stellt besondere Ziele in den Mittelpunkt, es geht vor allem darum, Krankheitssymptome wie Schmerzen oder Angstzustände in den Griff zu bekommen. Immer gemäß dem Motto: „Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben hinzuzufügen". Das lateinische Wort „pallium", das sich ins. Deutsche mit „Mantel" übersetzen lässt, spiegle den Arbeitsansatz der Palliativmedizin wider, „nämlich den Patienten zu ummanteln, damit er sich geschützt und geborgen fühlt", wie es Dr. Schüßler zusammenfasste. Dafür brauche es ein komplettes, speziell ausgebildetes Team, das sich ohne Zeitdruck den Erkrankten widmen könne. Die künftige Herausforderung werde es sein, die Palliativstation nach außen und in den ambulanten Bereich zu öffnen. Denn die Erfahrung zeige: Die meisten Menschen möchten am Ende des Lebens zu Hause sein und dort sterben. „Das erfordert viel Kommunikation, Miteinander, Organisation und finanzielle Mittel", weiß der ärztliche Direktor. Dr. Birgit Krause-Michel, Leiterin der Palliativstation, stand die Freude über die räumliche und bettenmäßige Erweiterung ins Gesicht geschrieben. jetzt sind wir oben auf dem Olymp, so etwas haben nur wenige Krankenhäuser." Von Anfang an hat sie sich für die Einrichtung stark gemacht, immer mit dem Ziel, den Men sehen ein Lebensende ohne Schmerz und Angst und in Begleitung eines interdisziplinären Teams zu ermöglichen. In den letzten Jahren hätten sie und ihre Kollegen viel gelernt: über den Patienten, der autonom ist und eine Würde hat, und über sich selbst. Denn die Auseinandersetzung mit dem Tod sei immer auch eine Konfrontation mit der eige¬nen Sterblichkeit. Die ureigenste Aufgabe eines Mediziners ist für Krause-Michel das „Zuhören". „Das ist der wichtigste therapeutische Ansatz, denn tiefe Einsamkeit ist für Medikamente nicht erreichbar. Die meisten Patienten haben keine Angst vor Schmerzen, sondern vor dem Alleinsein." (Text: Thoma-Bregar) Zur Palliativstation und Fotos der neuen Räumlichkeiten
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