
Bad Reichenhall und seine Armen Franziskanerinnen von MallersdorfDie „Mallersdorfer Schwestern"Sie gehen aus der „Genossenschaft der Armen Franziskanerinnen" hervor. Das Mutterhaus Mallersdorf liegt in der Diözese Regensburg. 1855 gründete der damalige Dekan und Stadtpfarrer von Pirmasens in der Pfalz, Dr. Paul Josef Nardini, in seiner Pfarrei die „Genossenschaft der Armen Franziskanerinnen", die heute unter dem Namen „Mallersdorfer Schwestern" (nach dem Sitz des Mutterhauses) bekannt sind. Die Kongregation siedelte schon 1869 von Pirmasens nach Mallersdorf über. Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft, Arbeit bei Tag und bei Nacht für die Kranken und Alten und immer Zeit für ein Gebet, das zeichnete „unsere" Schwestern aus. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn ihre Arbeit kaum öffentlich gewürdigt wurde. Es ist schwer, ihre segensreiche Arbeit für unsere Stadt nachzuzeichnen. Trotz der mangelnden Quellen wird der Versuch unternommen, ein skizzenhaftes Bild ihres Wirkens aufzuzeigen. Die ersten Ordensschwestern in unserer Stadt waren die Englischen Fräulein, weiche 1852 nach Reichenhall kamen. Sie erwarben das sogenannte „Bäcker Stallingerhaus" und gründeten mit vier Schwestern die Mädchenvolksschule. Ebenfalls 1852 kauften sie vom Hofwirt Puchner den Südwestflügel des ehemaligen Klosters St. Zeno mit acht Tagwerk Grund für 5000 Gulden und eröffneten mit drei Zöglingen am 18.10.1852 das Institut der Englischen Fräulein. Heute unterrichtet dort nur noch eine Schwester. Die Bemühung der Stadt um die Mallersdorfer Schwestern Die ersten Kontakte zwischen der Stadt und den Mallersdorfer Schwestern reichen in das Jahr 1860 zurück. Die hohen Kosten für das Personal, der Rückgang der Einnahmen aus der Ökonomie und die wenigen Insassen der 1481 errichteten „Sankt-Johannisspital-Stiftung für Salzarbeiter und alte arme Leute aus Reichenhall" machten eine Weiterführung fast unmöglich. Aus diesem Grund machten sich die Stadtväter Gedanken, die Armen Franziskanerinnen aus Mallersdorf für die Führung des Spitals zu gewinnen. Die Generaloberin, Schwester Mater Regina Huber, schrieb am 14. März 1860 in einem Brief an den Dekan von Reichenhall, dass sie dazu bereit wäre, wenn für die Ökonomie ein Baumeister gefunden würde, der dem Spitalpfleger und dem Ma¬gistrat unterstellt wäre. Es dauerte jedoch noch 16 Jahre, bis endlich am 27. Juli 1876 ein Vertrag abgeschlossen wurde. Dieser bestand aus acht Paragraphen, unterzeichnet vom Mutterhaus durch of. Hundhammer, in Abwesenheit der Generaloberin von Schwester M. Agnes, für die Stadt als Verwalter der rechtskundige Bürgermeister Diemayr und als Mitverwalter K. Martin. Mit der Einstellung der Anstalt verließ 7963 nach 87 Jahren die letzte Schwester das Sankt-Johannis-Spital. Das Städtische Krankenhaus und die Mallersdorfer Schwestern Im Jahre 1819, vor nun 181 Jahren, gelang es dem Gerichts- und Salinenarzt Osterhammer ein „Krankenhaus für Handwerksgesellen und Dienstboten beiderlei Geschlechts" einzurichten. Dieses wurde 1824 in eine „Krankenanstalt" umgewandelt und stand dort, wo heute die LVA-Klinik Niederbayern - Oberpfalz steht. (Über die Entwicklung des Krankenhauses muss gesondert berichtet werden). Am 27.04.1865 beschloss der Magistrat der Stadt, sich wegen Übertragung der Krankenpflege an die Barmherzigen Schwestern vom Orden der Armen Franziskanerinnen in Pirmasens mit dem Superfiat dieses Ordens in Verbindung zu setzen. Am 01.01.1867 übernahmen drei Barmherzige Schwestern die Krankenpflege (also acht Jahre früher als im Spital). 1870 wurde eine vierte Schwester gegen eine Bezahlung von 40 Gulden an das Mutterhaus eingestellt. 1873 mussten für eine Nachtwache durch eine Krankenschwester von den Einheimischen einen Gulden 30 Kreuzer und von den Kurgästen zwei Gulden und für eine Tagwache einen Gulden an die Krankenkasse bezahlt werden. Das neue Krankenhaus entsteht Unter der Regierung seiner Majestät des Königs Ludwig 11 v. Bayern entstand in den Jahren 1878 bis 1880 das erste Krankenhaus an jetziger Stelle, das heute noch als Apotheke genutzt wird. Es wurde 1894/95 durch den Aufbau eines Stockwerks vergrößert. Um diese Zeit gab es ca. 3.400 ortsansässige Personen. 1880 wurden 4663 und 1895 bereits 9101 Kurgäste registriert. 1884 genehmigte die Generaloberin die Abstellung einer Schwester zur externen Krankenpflege und verlangte dafür eine Entschädigung von 100 Mark im Jahr. Die Kurzeit von Mai bis Oktober benötigte nun überall mehr Personal. So wurde 1888 die aushilfsweise Anstellung einer weiteren Schwester beantragt und auch für diese Saison genehmigt. 1890 wurde anstelle der bisherigen „Hausmagd" eine weitere Mallersdorfer Schwester angestellt. Die Begründung dafür war, dass sie auch Nachtwachen übernehmen könne und billiger als eine Magd sei. Ein Jahr später beschloss der Magistrat der Stadt, eine Anfrage zu richten, unter welcher Bedingung zwei bis drei Schwestern für die kommende Saison abgestellt werden können. 1892 übernahm die Stadt die Verpflegung und Beherbergung von zwei bis drei Schwestern für 120 Mark pro Schwester für externe Krankenpflege. Die Entschädigung musste von der Badetaxekasse bestritten werden und die Einnahmen für die Krankenpflege der Krankenkasse überlassen werden. Zusätzlich setzte der Magistrat fest: Sollten aber die Einnahmen aus der externen Krankenpflege die der Stadt erwachsenden Ausgaben nicht erreichen, so hat die Badetaxe für die Mehrausgaben bis zum Maximalbetrag von 500 RM aufzukommen. Nun erscheint nur noch sehr wenig über unsere Schwestern. Als 1924 für das Krankenhaus für 9000 Mark ein kompletter Röntgenapparat beschafft wurde (zu dieser Zeit ist noch kein Chirurg festangestellt!) beschloss man, den Assistenzarzt Dr. Harl und die Operationsschwester 14 Tage in einem Münchner Krankenhaus bzw. in einem anderen Institut ausbilden zu lassen Neben der Bahnfahrt sollte für Dr. Harl ein angemessenes Tagegeld von 12 RM bezahlt werden. Im Jahre 1883 bat die Stadt um Abstellung einer fünften Schwester gegen 75 Mark jährlich für das Mutterhaus. Am 04.10.1926 wurde der Entschluss gefasst, ein neues Krankenhaus zu bauen. Der Hochschulprofessor der technischen Hochschule in München, Prof. Dr. med. h. c. Richard Schachner, wurde mit der Erstellung des Vorprojektes beauftragt. Am 11.10.1928 erfolgte der Spatenstich und am 30.04.1930, also vor 70 Jahren, wurde der Bau fertig gestellt.
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Inhalt und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Bad Reichenhall
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