Die Bad Reichenhaller Forschungsanstalt

für Krankheiten der Atmungsorgane

Bereits anlässlich der Eröffnung des „neuen" Städtischen Krankenhauses im Jahre 1930 schlug der damalige Bad Reichenhaller Bürgermeister Karl Weiß vor, eine „Forschungsstelle für Asthma- und Bronchitisbekämpfung mit einem großen Laboratorium zu schaffen, woran sich die Staatliche Badverwaltung beteiligen will." Aus finanziellen Gründen konnten diese Pläne damals noch nicht verwirklicht werden. Erst nach dem Krieg beschloss der Stadtrat anlässlich des 60. Geburtstags des Chefarztes der Inneren Abteilung Dr. Otto Kühne im Jahre 1951, dass nunmehr eine „Städtische Forschungsanstalt für Aerosol-Therapie von Infekten der Luftwege" im Bereich des Städtischen Krankenhauses errichtet werden sollte. Heute, da die Forschungsanstalt eine 6-stellige Etatsumme ausweist, schmunzelt man darüber, dass damals die Stadt als einmalige Starthilfe den stolzen Betrag von DM 2.000 versprochen hatte.
Am 7. Oktober 1953 wurde die konstituierende Versammlung zur Gründung der Forschungsanstalt einberufen. Es war ein glücklicher Umstand, dass zur gleichen Zeit die Deutsche Gesellschaft für Balneologie, Bioklimatologie und physikalische Therapie ihren 61. Kongress in Bad Reichenhall abhielt. Dadurch nahmen an dieser Gründungsversammlung auch Vertreter des Freistaates Bayern, des balneologischen Instituts der Universität München, der Bayerischen Sozialversicherung und eine Reihe führender deutscher Kurmediziner teil.
Am 16. März 1954 wurde die Satzung der Forschungsanstalt durch folgende Reichenhaller Ärzte beschlossen: Dr. Werner Baumann, Dr. Karl Böhm, Dr. Hans Herbert Cornet, Dr. Werner Junge, Dr. Heinrich Martini, Dr. Gustav Rauch, Dr. Adolf Schmid, Dr. Lena Stolzenberger. Geschäftsführer wurde der städtische Beamte Wilhelm Neuberger.
Eine Besonderheit an der neu gegründeten „Bad Reichenhaller Forschungsanstalt für Krankheiten der Atmungsorgane" ist die Tatsache, dass nicht hauptamtliche, von der Anstalt angestellte Wissenschaftler, sondern wissenschaftlich interessierte Ärzte tätig sind und dass sich die Forschungsarbeit nicht etwa an einer einzigen Forschungsstätte konzentriert, sondern an den jeweiligen Wirkungsstätten ihrer Mitglieder stattfindet; das sind das Städtische Krankenhaus, die Rehakliniken und die ärztlichen Praxen.
Im März 1964 wurde eine Bibliothek in dem nicht mehr genutzten St. Johannesspital in der Poststraße eingerichtet. 1972 musste in den ehemaligen Speisesaal des alten Städtischen Marienheimes an der Salzburger Straße umgezogen werden. Erst 1977, als für das Städtische Krankenhaus auf dessen Areal an der Kurfürstenstraße ein neues Schwesternwohnheim mit Schwesternschule errichtet wurde, ergaben sich für die inzwischen recht umfassend gewordene wissenschaftliche Bücherei, wie auch für die Geschäftsstelle ausreichende Räumlichkeiten. Das einzige Bauwerk, das die Forschungsanstalt einmal mit eigenen Mitteln errichten konnte, war der im Jahre 1954 auf dem Krankenhausgelände an der Pechmannstraße erstellte Tierstall für etwa 200 Kaninchen und Meerschweinchen, für deren Futterversorgung eigens ein Wiesengrundstück angepachtet wurde.
Die Forschungsanstalt hatte bisher vier wissenschaftliche Leiter: Professor Dr. Friedrich Schmengler, Chefarzt der Inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses (1956 - 1960 und 1966 - 1967), Obermedizinaldirektor Dr. Werner Junge, Chefarzt der Kurklinik Prinzregent Luitpold (1960 - 1965), Ltd. Medizinaldirektor Dr. Otto-Peter Schmidt, Chefarzt der Klinik Bad Reichenhall der LVA Niederbayern/Oberpfalz (1967 - 1977), ab 1977 war Professor Dr. Dietrich Nolte, Chefarzt der Inneren Abteilung II des Städtischen Krankenhauses Bad Reichenhall, der wissenschaftliche Leiter.
Eines der wichtigsten Ereignisse war die Gründung der Bad Reichenhaller Juni-Kolloquien im Jahre 1967 durch den damaligen wissenschaftlichen Leiter Dr. Otto-Peter Schmidt. Inzwischen hat im Jahr 2000 bereits das 32. Kolloquium stattgefunden. Die Tagung hat sich im Laufe der Jahre zu einer der größten Fachtagungen über Atemwegs- und Lungenkrankheiten mit zuletzt 600 Teilnehmern entwickelt.
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