Allgemein- und Viszeralchirurgie
Endokrine Chirurgie
Aufbau und Erkrankungen der Schilddrüse Die Schilddrüse liegt unterhalb des Schildknorpels und weist zwei Lappen auf, die durch einen Steg miteinander verbunden sind (Isthmus). Die Schilddrüse hat bei der Frau ein Volumen von bis zu 18 ml, beim Mann bis zu 25 ml. In der Schilddrüse werden die jodhaltigen Hormone Thyroxin (T4 und Thyronin) gebildet, die für den Stoffwechsel lebensnotwendig sind. Außerdem wird das Hormon Calcitonin produziert, das den Kalzium- und Phosphathaushalt mit beeinflusst. Man unterscheidet eine normale Stoffwechsellage (euthyreot) von einer Schilddrüsenunterfunktion (hypothyreot) und Schilddrüsenüberfunktion (hyperthyreot). An der Rückseite der Schilddrüsenlappen befinden sich vier linsenähnliche Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen), die über das Parathormon den Kalziumstoffwechsel beeinflussen. Wesentliche Erkrankungen der Schilddrüse sind Entzündungen, Funktionsstörungen und Knotenbildungen. Man unterscheidet nach der Bildgebung im Szintigramm „kalte“ Knoten (Operation wegen Tumorverdacht) von „warmen“/“heißen“ Knoten (Operation wegen Funktionsstörung).
Schilddrüsenvergrößerung (Struma) Unabhängig von der Stoffwechsellage wird eine Schilddrüsenvergrößerung als Struma (Kropf) bezeichnet. Gerade in unserer Region kommt die Kropferkrankung aufgrund des Jodmangels häufig vor. In Abhängigkeit von der Sichtbarkeit und der Beschwerdesymptomatik kennt man eine Einteilung in vier klinische Schweregrade. Die Ursachen sind am häufigsten (80-90 Prozent) Jodmangel, seltener ein eigenständiges Krankheitsbild mit Schilddrüsenüberfunktion (Morbus Basedow) oder ein Schilddrüsenknoten (Adenom). Zeichen der Schilddrüsenüberfunktion sind Schwitzen, Nervosität (es stört schon „die Fliege an der Wand“), Schlaflosigkeit, heiße und feuchte Hände sowie Gewichtsabnahme und Hunger, außerdem ein schneller Herzschlag. Vor einer Operation soll möglichst eine normale (euthyreote) Stoffwechsellage erzielt werden; hierfür stehen Medikamente zur Verfügung. Eine Schilddrüsenerkrankung wird durch Befragung, klinische Untersuchung, Ultraschalluntersuchung des Halses und Szintigraphie diagnostiziert. Vor und nach einer Operation erfolgt die Stimmbandkontrolle durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Eine Operation ist angezeigt, wenn ein Stadium 3 (mechanische Komplikationen mit Atemnot, Druck- und Kloßgefühl) besteht, ein autonomes Adenom vorliegt oder der Verdacht auf einen „kalten Knoten“ besteht. Hierunter versteht man eine Aktivitäts-Aussparung im Schilddrüsen-Szintigramm, hinter der sich ein bösartiger Tumor verbergen kann. Die Operation findet in Rückenlagerung und Vollnarkose statt. Über einen 4 – 6 cm langen Schnitt im Bereich des Halses werden je nach Krankheitsbefund ein oder zwei Schilddrüsenanteile entfernt. Im Falle einer bösartigen Tumorbildung im Bereich der Schilddrüse (Schilddrüsenkarzinom) ist bis auf wenige Ausnahmen die Entfernung der gesamten Schilddrüse erforderlich mit Entfernung der zugehörigen Lymphknotenregionen. In diesem Falle schließt sich eine Tumornachsorge an, die strukturiert in unserer Klinik angeboten wird. Der stationäre Aufenthalt nach Schilddrüsenoperation beträgt zwischen drei und fünf Tagen. Nach Vorliegen des feingeweblichen Untersuchungsergebnisses und der Stimmbandkontrolle wird eine Behandlung mit Schilddrüsenhormon begonnen, um einem erneuten Auftreten einer Schilddrüsenerkrankung vorzubeugen (Rezidivprophylaxe) und das fehlende Hormon zu ersetzen. Über die seltenen Operationskomplikationen (Verletzung des Stimmbandnerves, Störung des Kalziumstoffwechsels) klären wir ausführlich mit einem strukturierten Fragebogen auf.
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