
26.05.2011 - Klinikum TraunsteinAortenklappen am schlagenden Herz implantiertRisikopatienten profitieren von Behandlung im neuen Hybrid-OP des Klinikums TraunsteinDie Kardiologische Abteilung im Klinikum Traunstein hat umfangreiche Umbauarbeiten in ihren Herzkatheterlaboren vorgenommen. Dort stehen nun zwei komplette und moderne Eingriffsräume mit einer neuen Wohlfühlbeleuchtung zur Verfügung, von denen einer auch als Hybrid-OP genutzt werden kann. Ein Hybrid-OP ist eine Kombination aus einem vollwertigen Herzkatheterlabor und einen komplett ausgestattetem Operationssaal mit optimalen hygienischen Bedingungen und einer Anästhesie-Einheit. Bei Bedarf kann er deshalb für herzchirurgische Operationen genutzt werden. „In der Praxis können wir im Hybrid-OP unter anderem künstliche Herzklappen (Aortenklappen) interventionell, also mit Hilfe eines Katheters über einen Zugang von der Leiste her einsetzen“, berichtet Prof. Dr. Werner Moshage, Chefarzt der Kardiologischen Abteilungen im Klinikum Traunstein und in der Kreisklinik Bad Reichenhall. „Unser neuer Hybrid-OP kommt vor allem Menschen zugute, bei denen aufgrund ihres Alters oder anderer schwerer Erkrankungen kein Herzklappeneingriff am offenen Herzen mehr vorgenommen werden kann“, erläutert Chefarzt Moshage. Der neue OP-Saal hat mit dem Einsetzen einer biologischen Aortenklappe bei einigen Patienten schon seine erste Bewährungsprobe erfolgreich bestanden. Bei immer mehr Patienten mit einer hochgradigen Aortenstenose (Aortenverengung) ist das Operationsrisiko aufgrund des hohen Alters und von Begleiterkrankungen (Co-Morbidität) sehr hoch. Für sie sind die kathetergestützten Verfahren zur Aortenklappenimplantation eine neue Therapieoption, die in der Kardiologie des Klinikums Traunstein in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Herzzentrum München durchgeführt wird. Die gemeinsame Implantation mit Kardiologen und Herzchirurgen wird im Hybrid-OP, die Nachsorge in der kardiologischen Intensivstation vorgenommen. Die Qualitätssicherung erfolgt durch die Teilnahme am Deutschen TAVI-Register (Transcatheter Aortic Valve Intervention) und am Deutschen Aortenklappenregister. Die dritthäufigste Herz- und Kreislauferkrankung nach der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) und der koronaren Herzerkrankung ist die Aortenklappenstenose. Sie wird meist durch eine Degeneration der Klappe verursacht. Drei bis fünf Prozent der über 75-Jährigen haben eine Aortenklappenstenose. „Sie ist lebensbedrohlich“, so Moshage. Die Überlebensrate nach Symptombeginn beträgt nach zwei Jahren 50 Prozent und nach fünf Jahren 20 Prozent. Deshalb sollte ein Aortenklappenersatz bei einer hochgradigen Aortenstenose schnellstens erfolgen, auch wenn nur geringe Symptome bestehen. Mindestens 30 bis 40 Prozent aller Patienten mit einer hochgradigen Aortenklappenstenose bleiben jedoch unbehandelt. Fast die Hälfte der unbehandelten Patienten wird als „zu krank“ eingeschätzt, weil das Risiko für einen herzchirurgischen Eingriff unvertretbar hoch ist. In vielen Fällen können Katheterklappenimplantationen die therapeutischen Möglichkeiten erweitern. Dabei wird eine Klappe auf einem Stentgerüst befestigt, auf den Katheterdurchmesser zusammengefaltet, in die Aortenposition geschoben und wieder entfaltet. Die kathetergestützte Aortenklappenimplantation kann über mehrere Zugangswege erfolgen. Besonders gebräuchlich ist der Zugang über die Oberschenkelarterien (transfemoral) und über die Herzspitze (transapikal). Die komplexe Technik des neuen Hybrid-OPs stellt höchste Anforderungen an die Pflegefach- und Ärzteteams des Hybrid-OPs. Deshalb fordert die fachkundige Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen an einem Behandlungsort auch den interdisziplinären Dialog und Wissensaustausch. Aufgrund des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts in der Kardiologie besteht die Möglichkeit, die Kathetertechnik künftig auch auf andere Herzklappen, wie zum Beispiel Mitralklappen, auszudehnen. „Außerdem wird es immer mehr Therapieoptionen geben, die nicht mehr durch herzchirurgische Eingriffe, sondern mittels kathetergestützten Verfahren durchgeführt werden können“, erklärt Prof. Dr. Moshage. |