Unser Gesundheitsthema

Altersmedizin

Krankheiten im Alter kompetent und fachübergreifend versorgt

Unter Geriatrie versteht man die Altersheilkunde. Es ist der Zweig der Medizin, der sich mit der Diagnose und Therapie älterer, kranker Menschen befasst. Die Geriatrie unterscheidet sich von den meisten ärztlichen Fachdisziplinen vor allem dadurch, dass nicht nur die aktuelle Erkrankung behandelt wird, sondern dass der Patient in seinen gesamten gesundheitlichen, sozialen und psychologischen Belangen betrachtet wird. In der Altersmedizin arbeiten die verschiedenen Berufsgruppen aus dem ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Bereich eng zusammen.

Was ist der Unterschied zwischen Akut Geriatrie und Geriatrischer Reha?

Eine Akutgeriatrie ist eine auf die Behandlung älterer Menschen spezialisierte Einheit in einem Krankenhaus. In der Akutgeriatrie werden ältere Patienten behandelt, die an mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden. Neben den akuten körperlichen Erkrankungen werden bei der Behandlung und Therapie auch das soziale Umfeld, funktionelle Einschränkungen (z. B. Immobilität, Sturzsyndrom, Inkontinenz) und evtl. vorhandene geistige und psychische Erkrankungen (z. B. Demenz, Depression) berücksichtigt.
Die Geriatrische Rehabilitation mobilisiert die Patienten für Zuhause. Diese Patienten brauchen wenig medizinische Unterstützung aber intensive krankengymnastische und ergotherapeutische Betreuung. Es werden Patienten mit dem Ziel behandelt, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten und mit Training zu verbessern oder zurück zu gewinnen.

Ab wann ist man alt, sprich ab welchem Alter wird eine Behandlung in einer geriatrischen Einrichtung erforderlich?

In der Regel ab 75 Jahren. Jedoch hängt das nicht vom biologischen Alter ab, sondern von dem Allgemeinzustand des Patienten.

Was passiert beim Altern im Körper eines Menschen?

Die Vorgänge im Körper laufen langsamer ab. Der alte Mensch braucht länger um sich von Leistungen, aber auch von Krankheiten zu erholen. Ebenso braucht er länger um ein Defizit des Körpers auszugleichen.

Warum werden Geriater immer wichtiger in der Medizin?

Die Bevölkerung wird zunehmend älter. Dadurch gibt es immer mehr ältere Menschen, die durch eine akute Erkrankung in einem schlechten Zustand gekommen sind. Der Stoffwechsel und die Wirkung der Medikamente ändern sich bei älteren Menschen. Auch die geistige Leistungsfähigkeit lässt im Alter nach.

Wie sieht die Zukunft der Altersmedizin aus? Werden sich die Ansprüche ändern?

In den letzten Jahren ist die Zahl der älteren Patientinnen und Patienten in den bayerischen Krankenhäusern stark angestiegen. Wie Hochrechnungen zeigen, wird sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen. So waren z. B. im Jahr 2005 in den bayerischen Krankenhäusern 336.000 Patientinnen und Patienten über 80 Jahre alt. Schon 2020 ist mit 545.000 Patientinnen und Patienten in dieser Altersgruppe zu rechnen. Damit wächst im Krankenhaus der Bedarf an besonderen Behandlungsangeboten für diese Patientengruppe. Die Ansprüche werden mehr und differenzierter werden, da es immer mehr ältere Menschen gibt. Die Altersmedizin verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der über eine rein organbezogene Behandlung hinausgeht. Eine altersmedizinische Behandlung umfasst nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen, psychischen und sozialen Aspekte der älteren Menschen. Sie bezieht die Angehörigen mit ein. Die Altersmedizin zielt darauf ab, Selbstständigkeit und Selbsthilfefähigkeit älterer Menschen möglichst lange zu erhalten und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.

Wie sieht es in der Kliniken Südostbayern AG mit der geriatrischen Versorgung aus?

Die Kliniken Südostbayern AG verügt über zwei Geriatrische Rehabilitationen in Trostberg und Berchtesgaden und zwei Akut-Geriatrien in Ruhpolding und Berchtesgaden.

Gibt es Möglichkeiten im Lebensstil, den Alterungsprozeß aufzuhalten?

Jeder Mensch ist ein Individuum und es ist wissenschaftlich nicht sicher erwiesen, welcher Lebensstil den Alterungsprozeß verlangsamt bzw. beschleunigt. Was für einen gut ist, kann für den anderen schlecht sein. Auch ist der 75jährige ist heute biologisch jünger als der 75jährige vor 50 Jahren. Altersveränderungen sind schwer meßbar.

Wie erkennt man eine gute Geriatrie? Gibt es gewisse Qualitätskriterien?

Man kann letztlich nur an den Reaktionen und Kommentaren der Vor-Patienten erkennen, ob sie zufrieden waren und die Abteilung weiterempfehlen können.
Jedoch gibt es strenge Kriterien der Krankenkasse und der Fachgesellschaften, die von der Abteilung erfüllt werden müssen. Ob jemand die Abteilung gut oder schlecht findet, ist vom einzelnen Patienten abhängig.

Mit welchen Krankheitsbildern hat die Akut-Geriatrie am häufigsten zu tun?

Patienten mit internen Erkrankungen die durch weitere Erkrankungen in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigt sind. Z.B. bei Schlaganfallpatienten, die noch unter Bluthochdruck und Zuckerkrankheit leiden.
Patienten mit Schenkelhalsfrakturen, die auch noch internistische Erkrankungen haben.
Meist werden durch eine akute Erkrankung bestehende chronische Krankheiten verschlimmert oder entgleisen.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen?

Der Patienten ist nur optimal zu behandeln, wenn mit allen Fachabteilungen zusammengearbeitet wird. Man schaut auch, welche Beschwerden im Vordergrund stehen und von welcher Behandlung der ältere Mensch am meisten profitiert. Das ist nur im interdisziplinären Team möglich. Die Behandlung muss gut auf den Patienten abgestimmt sein. Das kann auch bedeuten, dass Weniger mehr ist und die Behandlung nicht so umfangreich ist, wie bei z.B. bei einem 20jährigen. Die Behandlung muss abgewogener und auf den älteren Menschen abgestimmt sein.

Worauf liegt der Schwerpunkt der Behandlung in einer Akut-Geriatrie?

Es wird darauf geachtet, dass der Patient keine zusätzlichen Funktionen mehr verliert bzw. wieder Funktionen zurückgewinnt, die ihm durch die akute Erkrankung verloren gegangen sind. Wenn die medizinischen Erkrankungen stabil genug sind, den Patienten in die Reha zu schicken, er eine gute Ausgangsposition hat, seine Selbständigkeit wieder zurückzuerlangen.

Was passiert in der Geriatrischen Rehabilitation?

Nach schwerer Erkrankung werden die Patienten wieder zu Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit im Alltag trainiert. Ziel ist auch die Verbesserung der Lebenssituation des geriatrischen Patienten sowie die Erhaltung seiner Selbstständigkeit, möglichst im häuslichen Umfeld, unter Wahrnehmung von Selbstbestimmung und Würde nach akuten Krankheiten.

Wie kommen die Patienten in die Geriatrische Rehabilitation?

Die Patienten kommen nach einem Aufenthalt im Akutkrankenhaus oder von zuhause auf Empfehlung des behandelnden Arztes. Für eine Rehabilitationsmaßnahme ist bei gesetzlich versicherten Patienten grundsätzlich eine Genehmigung durch die Krankenkasse erforderlich. Den entsprechenden Antrag muss der Versicherte stellen. Der Antrag umfasst auch ein ärztliches Gutachten, das vom behandelnden Krankenhausarzt oder vom behandelnden Hausarzt erstellt werden muss. Erst nach durch die Krankenkasse genehmigten Antrag kann der Patient zur Rehabilitation gehen. Das geht leider oft nicht direkt im Anschluss an die Behandlung an die Akut-Geriatrie, da die Genehmigung etwas dauert. Oft werden die Patienten erst ins Altenheim verlegt und kommen dann von dort in die Rehabilitation.

Mit welchen Erkrankungen kommen die Patienten in die Geri-Reha?

Die Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Patienten nach Schlaganfall, Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie zum Beispiel nach operativ versorgten Knochenbrüchen in Verbindung mit internistischen Krankheiten im höheren und sehr hohen Lebensalter. Dabei handelt es sich häufig um Patienten mit Mehrfacherkrankungen wie zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, Infektions- und Gelenkerkrankungen.

Welche Fachbereiche kümmern sich in der Geri-Reha um die Patienten?

Geriater, Internisten, Rehabilitationsmediziner, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen, Seelsorger und insbesondere die Pflegekräfte arbeiten Hand in Hand und kümmern sich um die individuellen Bedürfnisse der betroffenen Patienten.

Wie sehen die diagnostischen Möglichkeiten in der Geriatrischen Rehabilitation aus?

Neben der üblichen medizinischen Diagnostik werden auch die körperlichen und geistigen Einschränkungen sowie verbliebene, förderungswürdige funktionelle Ressourcen und die soziale Situation der Patienten erfasst. Die Ergebnisse fließen in einen individuell abgestimmten Behandlungsplan ein. Dieser umfasst auch die Versorgung mit Hilfsmitteln, die Vermittlung bedarfsgerechter ambulanter Hilfen und die Sozialberatung für die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt. Wenn möglich- und vorhanden - werden auch die Angehörigen als sogenannte Co-Therapeuten mit in die Behandlung eingeschlossen.

Welche Ziele hat die Behandlung in der geriatrischen Rehabilitation

Es werden Patienten mit dem Ziel behandelt, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten, zu verbessern oder zurück zu gewinnen. Die Einzelziele werden täglich neu definiert und gehen in kleinen Schritten voran. Sie sind auf den einzelnen Patienten individuell abgestimmt und sehr konkret. Hauptziel ist es, den Patienten in seine gewohnte Umgebung zu entlassen und er dort wieder selbständig agieren kann, so wie er es auch vorher getan hat.

Inwieweit ist die Politik gefordert?

Entsprechend dem sozialpolitischen Grundsatz "Rehabilitation vor Pflege" wurde im Rahmen des Bayerischen Geriatriekonzepts seit 1990 ein flächendeckendes Netz an geriatrischen Rehabilitationseinrichtungen aufgebaut. Ältere Menschen erhalten in wohnortnahen stationären Einrichtungen und ambulanten Einrichtungen unmittelbar im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene altersmedizinische Rehabilitation.

Da die Anzahl älterer Patienten, die im Krankenhaus wegen alterstypischer Mehrfacherkrankungen versorgt werden müssen, stetig ansteigt, hat das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit das Fachprogramm Akutgeriatrie erarbeitet. Ziel ist es, älteren Menschen bereits im Krankenhaus eine Behandlung anbieten zu können, die über die organspezifische Behandlung hinausgeht. Das Fachprogramm wurde am 23.11.2009 vom Krankenhausplanungsausschuss verabschiedet.

Die Einrichtung von Akutgeriatrien dient der flächendeckenden Verankerung der Altersmedizin in Krankenhäusern und ergänzt das bereits aufgebaute Netz der geriatrischen Rehabilitation. Damit die medizinische Versorgung älterer Menschen aufeinander abgestimmt ist, sind Akutgeriatrien verpflichtet, mit den geriatrischen Rehabilitationseinrichtungen vor Ort zu kooperieren.

Die mobile geriatrische Rehabilitation ist eine Sonderform der ambulanten geriatrischen Rehabilitation, die bei den Patienten zu Hause durchgeführt wird. Sie erfolgt durch ein interdisziplinäres Team unter ärztlicher Leitung. Die mobile geriatrische Rehabilitation kommt für Patienten in Frage, die erhebliche funktionelle Beein­trächtigungen und einen komplexen Hilfebedarf haben (z. B. Demenzpatienten nach Stürzen, Schlaganfallpatienten). Um den Aufbau von Teams zur mobilen geriatrischen Rehabilitation zu beschleunigen, reicht das Bayerische Gesundheitsministerium eine Anschubfinanzierung aus.

Kontakt

Akutgeriatrie Ruhpolding
Sekretariat
T 0049 8663 52-217
F 0049 8663 52-287

Akutgeriatrie Berchtesgaden
Sekretariat
T 0049 8652 57-4000
F 0049 8652 57-4099

Geriatrische Rehabilitation Berchtesgaden
Sekretariat
T 0049 8652 57-4000
F 0049 8652 57-4099

Geriatrische Rehabilitation Trostberg
Sekretariat
T 0049 8621 87-6020
F 0049 8621 87-6039