Unser Gesundheitsthema

Beinvenenthrombose - tief und tückisch

Tückischer Erkrankung gezielt begegnen

Sie kann fast symptomfrei oder in ihrer Symptomatik nicht eindeutig ablaufen: Die tiefe Beinvenen-Thrombose ist weder für Betroffene noch für ihre Behandler immer auf Anhieb zu erkennen. „Daher ist sie tückisch, denn unbehandelt drohen kurzfristig eine lebensgefährliche Lungenembolie und langfristig schwere Folgeschäden für das Bein“, sagt Dr. Volker Kiechle, Chefarzt der Gefäßchirurgie Kreisklinik Bad Reichenhall und des Klinikums Traunstein.

(Ina Berwanger)

Was ist eine tiefe Beinvenenthrombose und wie kann sie sich äußern?

Dr. Kiechle: Bei einer tiefen Beinvenenthrombose bildet sich in einer tiefliegenden Vene des Beckens, Ober- oder Unterschenkels ein Blutgerinnsel, der sogenannte Thrombus. Damit ist der Blutfluss aus dem Bein in Richtung Herz gestört. Bei einer akuten Thrombose können die Patienten den Eindruck haben, ihr Bein würde schwer. Andere spüren ein Ziehen im Bein oder haben beim Auftreten Schmerzen in der Fußsohle. Ein ganz typisches Zeichen ist das starke Anschwellen des Beines.

Da die Symptomatik so unterschiedlich und auch unterschiedlich ausgeprägt ist, besteht die Problematik der Fehlinterpretation, etwa als Knieproblem oder Muskelverspannung. Das ist das Tückische an dieser Erkrankung.

Wie erfolgt die Diagnostik?

Die Diagnostik der tiefen Beinvenenthrombose ist sehr gut etabliert. Sie besteht aus der genauen Befragung und körperlichen Untersuchung des Patienten, der Bestimmung eines speziellen, für Thrombosen typischen Blutwertes und einer Ultraschall-Untersuchung. So lässt sich im Regelfall eine Thrombose nachweisen oder auch ausschließen.

Wer ist besonders gefährdet?

Manche Menschen haben zum Beispiel eine genetisch bedingte angeborene Blutgerinnungsneigung. Das Thromboserisiko erhöht sich auch durch längere körperliche Inaktivität, sei es durch Bettlägerigkeit oder auf langen Flügen, Bus- oder Autofahrten. Ferner sind fortgeschrittenes Alter, bestehende Krampfadern und insbesondere auch eine bereits früher durchgemachte Thrombose Risikofaktoren.

Welche neuen Therapien gibt es?

Zentraler Punkt der Behandlung ist die Einleitung einer starken Blutverdünnung, damit die Voraussetzungen zum körpereigenen Abbau des Gerinnselmaterials entstehen. Während diese Therapie früher mit blutverdünnenden Injektionen oder Infusionen begann und dann auf eine längere Medikation mit Marcumar umgestellt wurde, können wir dem Patienten heute gleich nach der Diagnose die neuen, sogenannten direkten Blutverdünner geben. Diese Tabletten sind gut verträglich und bedeuten ein geringeres Blutungsrisiko als Marcumar. Im Gegensatz zu diesem bleibt ihre Dosierung gleich, die Aufdosierung auf einen bestimmten Blutgerinnungswert entfällt.

Bereits nach drei Monaten sollte eine Ultraschall-Kontrolluntersuchung erfolgen und geprüft werden, ob eine Einnahme weiterhin nötig ist. Außerdem können die meisten Patienten heute ambulant behandelt werden.

Für wen empfiehlt sich eine Operation?

Bei einer kleinen Gruppe von Patienten macht ein operativer Eingriff Sinn. Dies sind jene, die im Alter unter 60 Jahren eine akute Thrombose der Beckenvene haben. Wenn man diese Patienten nur konservativ behandelt, besteht die Gefahr, dass sie nach 20 bis 30 Jahren unter den Spätfolgen einer Beckenvenenthrombose - bis hin zum offenen Bein - leiden. Auch wenn ein offenes Bein heute mit diversen lokalchirurgischen Maßnahmen wie Wundausschneidungen, Wundsäuberungen und letztlich Hautverpflanzung gut zu behandeln ist, sollte es so weit natürlich gar nicht erst kommen.

Das offene Bein, das im schlimmsten, weil zu spät behandelten Fall noch immer mit einer Amputation enden kann, ist eine gefürchtete Spätfolge einer Becken-Bein-Venenthrombose. Bei ganz schweren Fällen können wir heute sogar chronisch verstopfte Venenabschnitte des Beckens mit einer Gefäßstütze, dem Stent, wieder öffnen, so dass der Abfluss des Blutes aus dem Bein Richtung Herz leichter funktioniert und dadurch die Geschwüre am Bein besser abheilen.

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