Unser Gesundheitsthema

Häufige Fragen zum Thema Darmkrebs

Vorsorge, Früherkennung, erste Maßnahmen

An Darmkrebs sterben jährlich lt. einer Studie der deutschen Krebsgesellschaft 30.000 Menschen. Doch Darmkrebs ist in über 90 Prozent heilbar, wenn er früh genug erkannt wird. Derzeit nutzen nur jeder dritte Frau und lediglich jeder sechste Mann über 45 Jahren die Möglichkeit zu kostenlosen Früherkennung. Vor der Früherkennung bzw. der Untersuchung muss heute niemand mehr Angst haben.
Seit einigen Jahren wird der März, als sogenannter „Darmkrebsmonat“, zur noch intensiveren Informationskampanie gegen den Darmkrebs genutzt. Chefarzt der Gastroenterologie im Klinikum Traunstein, Dr. Anton Kreuzmayr beantwortet hier die zehn häufigsten Fragen zum Thema Vorsorge, Früherkennung und erste Maßnahmen bei Darmkrebs.

Wie kann ich der Entstehung von Darmkrebs vorbeugen?

Wichtig ist, dass man sein familiäres Risiko kennt und entsprechend früh zur Vorsorge geht. Zudem senkt ein gesunder Lebensstil das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, stark. Viel Bewegung, wenig Alkohol und Nikotin, wenig rotes Fleisch und tierische Fette sowie eine ballaststoffreiche Ernährung halten den Darm gesund.

Diese 5 Regeln helfen, sich gesund zu erhalten und beugen nicht nur Darmkrebs, sondern auch anderen Erkrankungen vor:

  1. Täglich bewegen: Bewegung beugt verschiedenen Krebsarten vor, so auch Darmkrebs. Die dänischen Forscher empfehlen, mindestens 30 Minuten am Tag körperlich aktiv zu sein.
  2. Nur mäßig Alkohol trinken: Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Krebsrisiko. Frauen sollten maximal sieben Gläser Alkohol pro Woche trinken, Männer höchstens 14. Dabei entspricht ein Glas Alkohol einem 0,1 l-Glas Wein oder einem 0,2-l-Glas Bier.
  3. Nicht rauchen: Wer glaubt, rauchen schade nur der Lunge, der irrt. Auch das Darmkrebsrisiko steigt. Ein Rauchstopp lohnt sich auch noch in fortgeschrittenem Alter.
  4. Bauchspeck abbauen: Bei Frauen sollte der Bauchumfang unter 88 Zentimeter liegen, bei Männern unter 102 Zentimetern.
  5. Gesunde Ernährung: Gesunde Ernährung bedeutet im Hinblick auf Darmkrebs vor allem viel Obst, Gemüse und Ballaststoffe. Zudem wird empfohlen, wenig rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) und Fett zu essen.

Forscher werteten die Daten von mehr als 55.000 Männern und Frauen im Alter von 50 bis 64 Jahren aus, die über zehn Jahre lang ihren Lebensstil dokumentiert hatten. Während der zehn Jahre bekamen 678 der Teilnehmer Darmkrebs. Nach Auswertung der Fragebögen zeigte sich, dass diejenigen, die sich an alle fünf Empfehlungen gehalten hatten, ein um 23 Prozent geringeres Darmkrebsrisiko hatten als Probanden, die ungesund lebten. Dabei zeigte sich, dass jeder einzelne Faktor das Erkrankungsrisiko senkte.
Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Wird er rechtzeitig erkannt, liegen die Heilungschancen bei 90 bis 100 Prozent. Da die Erkrankung im Frühstadium keine Beschwerden verursacht, sollte man spätestens ab 50 Jahren regelmäßig zur Vorsorge gehen. Gab es bereits Fälle von Darmkrebs in der Familie, wird die Vorsorge schon früher empfohlen.

Wie entsteht Darmkrebs?

Man weiß heute, dass ca. 90% der Darmkrebserkrankungen sich aus zunächst gutartigen Darmpolypen entwickeln. Diese Entartung vom Darmpolyp (Adenom) zum Krebs (Karzinom) kann rund 10 Jahre dauern. Wissenschaftler bezeichnen diese Entwicklung als Adenom-Karzinom-Sequenz. Ursache dafür sind aufeinander folgende Genveränderungen (Mutationen) an den Schleimhautzellen der Darmwand. Sie führen schließlich zum Verlust der natürlichen Wachstumskontrolle der Zellen, sodass diese sich als Krebszellen bösartig und zerstörerisch ausbreiten können.

Wie sehen die ersten Alarmzeichen aus?

Eine Darmkrebs-Erkrankung entsteht häufig, ohne Beschwerden auszulösen und kann daher über Jahre hinweg unerkannt bleiben. Es gibt jedoch Alarmzeichen, bei denen Sie dringend einen Arzt aufsuchen sollten:

  • Veränderte Stuhlgewohnheiten: Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung.
  • Krampfartige Bauchschmerzen, wiederholt einsetzender Stuhldrang ohne Stuhlentleerung.
  • Blutbeimengungen im Stuhl.
  • Blässe und Blutarmut, ausgelöst durch Sickerblutungen.
  • Gewichtsverlust und Kräfteverfall.

Was tun bei positivem Test?

Ist das Testergebnis positiv, sind also Blutspuren im Stuhl entdeckt worden, bedeutet das noch lange nicht Darmkrebs! Blutspuren im Stuhl können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Hämorrhoiden oder harmlose Verletzungen der Afterschleimhaut. Sehr wichtig ist jedoch, dass Sie bei jedem(!) positiven Testergebnis der Sache auf den Grund gehen und unbedingt eine Darmspiegelung und evtl. auch eine Magenspiegelung durchführen lassen, um die genaue Ursache für die Blutspuren zu erfahren. Informationen zur Darmspiegelung finden Sie hier.

In rund zehn Prozent der Fälle mit positivem Okkultbluttest wird anschließend tatsächlich ein bösartiger Tumor gefunden, dann allerdings oft in einem so frühen Stadium, dass die Therapiechancen sehr gut sind. Auf diese Art hilft der positive Test und die anschließende Darmspiegelung, dass womöglich großes Leid verhindert werden kann.

Ab welchem Alter sollte ich zur Darmkrebsvorsorge gehen

und welche Maßnahmen umfasst die Früherkennung?

Ab dem 55. Lebensjahr wird alle zehn Jahre eine Darmspiegelung empfohlen. Diese wird auch von der Krankenkasse bezahlt. Bei familiärer Vorbelastung gilt die Faustregel: Zehn Jahre vor dem Alter, in dem das Familienmitglied erkrankt ist, sollte die erste Darmspiegelung stattfinden - spätestens ab dem 45. Lebensjahr. Zur Risikogruppe zählen zudem Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Diabetes Typ 2.

Wie verläuft eine Darmspiegelung?

Die Darmspiegelung ist nach wie vor die zuverlässigste und wirksamste aller Früherkennungsuntersuchungen. In der Hand eines erfahrenen Spezialisten ist sie eine sichere und schmerzfreie Angelegenheit. Voraussetzung für die ordnungsgemäße Durchführung der Untersuchung ist eine gründliche Reinigung des Darms. Dazu muss der Patient innerhalb einer vorgegebenen Zeit eine bestimmte Menge Abführmittel einnehmen und darf keine festen Speisen mehr zu sich nehmen. Der zu Untersuchende erhält dann zu Beginn der Darmspiegelung auf Wunsch ein Beruhigungsmittel, so dass die Darmspiegelung meistens völlig schmerzfrei verläuft. Mit Hilfe eines beweglichen optischen Instruments (10 bis 15 Millimeter dicker Schlauch) kann der Arzt bei der Koloskopie den Darm von innen betrachten. Während der Untersuchung können Gewebeproben entnommen und Polypen (Vorstufen von Darmkrebs) abgetragen werden. Eine Vorsorge-Darmspiegelung darf nur ein Arzt ausführen, der nachweislich bereits 200 Koloskopien durchgeführt und 50 Polypen abgetragen hat.

Die Untersuchung dauert in der Regel 20 Minuten, durch die Abtragung von Polypen verlängert sie sich auf etwa 30 Minuten. Um einen geeigneten Arzt für die Durchführung der Untersuchung zu finden, fragen Sie am besten Ihren Hausarzt.

Ist die Untersuchung schmerzhaft?

Nein! Der verwendete Schlauch ist nur etwa elf Millimeter dick. Zwar ist die Untersuchung etwas unangenehm. In der Regel bekommen die Patienten aber ein Beruhigungsmittel und merken wenig von der Untersuchung

Wie oft sollte ich zur Darmspiegelung gehen?

Wenn die Untersuchung unauffällig verlaufen ist, reicht eine Wiederholung der Koloskopie im Abstand von 10 Jahren.

Wenn ein Polyp bei mir gefunden wird, wie wird er entfernt?

Die meisten Polypen lassen sich während einer Darmspiegelung entfernen. Diesen Eingriff nennen Ärzte Polypektomie: Ein Instrument mit einer feinen Schlinge wird über den Arbeitskanal des Endoskopes ins Darminnere vorgeschoben. Diese Schlinge besteht aus dünnem Draht, sie wird um den Polypenstiel gelegt und dann zugezogen. Für einen Moment wird dabei ein Hochfrequenz-Strom durch die Drahtschlinge geleitet, wodurch aufgrund der Hitzeeinwirkung der Polyp abgeschnitten wird. Gleichzeitig verschließt die Hitze auch die durchtrennten Blutgefäße, so dass es nicht zu einer Blutung kommen kann.

Der abgeschnittene Polyp wird zusammen mit dem Endoskop aus dem Darm herausgezogen werden. Er muss zur feingeweblichen (histologischen) Untersuchung ins Labor geschickt werden. Dort wird man feststellen, ob bereits Krebszellen im Polypen vorhanden waren und ob der Polyp vollständig entfernt wurde.
Die Polypenentfernung ist nicht schmerzhaft. Zu ihrer Vorbereitung entnimmt der Arzt einige Tage vor der Darmspiegelung eine Blutprobe, um die Gerinnungswerte zu kontrollieren. Während der Darmspiegelung erhalten die meisten Patienten ein Beruhigungsmittel, das sie in einen leichten Dämmerschlaf versetzt, so dass sie ein möglicherweise unangenehmes Druckgefühl im Bauch nicht wahrnehmen.
Die meisten Polypen lassen sich bereits während derselben Darmspiegelung entfernen, bei der man sie entdeckt, - eine erneute, zweite Darmspiegelung ist dazu in der Regel nicht nötig. Sollte sich bei der Untersuchung jedoch ein größerer Polyp zeigen, bei dem eine Entfernung schwieriger erscheint, kann in diesen Fällen eine erneute, zweite Darmspiegelung zur Polypektomie geplant werden. Manchmal bleibt der Patient nach einer solchen, komplizierteren Polypentfernung zur Beobachtung stationär im Krankenhaus.

Wer bezahlt die Darmkrebs-Früherkennung bzw. Darmspiegelung?

Früh erkannt, ist Darmkrebs heilbar. Deswegen ist es wichtig, dass Sie die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen. Folgende Untersuchungen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse:

  • Informationsgespräch beim Arzt: ausführliche Aufnahme der Familiengeschichte, um eventuell familiär bedingten Darmkrebs frühzeitig feststellen zu können, die Erfassung der persönlichen Risiken (etwa entzündliche Darmerkrankungen), Hinweise auf die bestehenden Früherkennungsuntersuchungen.
  • 50.-55. Lebensjahr: jährlicher Test auf verstecktes Blut im Stuhl, das ein Hinweis auf eine Darmkrebs-Erkrankung sein kann.
  • ab 55 Jahren: Darmspiegelung (Koloskopie), Wiederholung nach zehn Jahren.

Wer muss befürchten, erblich vorbelastet zu sein?

Etwa 25 bis 30 Prozent der an Darmkrebs Erkrankten sind Risikopersonen, die an einer chronischen Entzündung des Darmes oder ähnlichen Krankheiten leiden. Zirka fünf bis zehn Prozent der Darmkrebs-Patienten leiden an einer erblichen Form der Krankheit. Meist sind davon jüngere Menschen betroffen, bei denen der Darmkrebs deutlich vor dem 50. Lebensjahr auftritt.

Verwandte von Patienten mit Darmkrebs haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an Darmkrebs zu erkranken. Für die Einschätzung des Risikos spielen sowohl die Zahl der betroffenen Verwandten als auch deren Lebensalter beim Nachweis der Krankheit eine Rolle. Je jünger ein Patient neu an Darmkrebs erkrankt, desto wahrscheinlicher ist eine erbliche Komponente.

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es bei Darmkrebs?

Sowohl die Art der Therapie als auch die Prognose der Erkrankung sind entscheidend davon abhängig, in welchem Stadium sich der Tumor befindet, das heißt ob er in das umliegende Gewebe eingedrungen ist, die Lymphknoten befallen oder gar Absiedelungen (Metastasen) in anderen Organen, beispielsweise der Leber, gebildet hat.

Die Wahl der geeigneten Therapie-Methode hängt vom individuellen Fall ab und sollte mit dem behandelnden Arzt genau abgesprochen werden. In den meisten Fällen wird der Tumor operiert. Bei manchen Patienten wird der chirurgische Eingriff mit einer Chemo- oder Strahlentherapie kombiniert. Auch die Kombination von Chemo- und Immuntherapie wird mittlerweile zur Darmkrebsbehandlung angewendet.
Laut Felix-Burda-Stiftung liegen die Heilungschancen von früh entdeckten Tumoren zwischen 90 und 100 Prozent. Je später der Tumor entdeckt wird, umso mehr sinken die Heilungs- und Überlebenschancen. Haben sich bereits Metastasen in Leber und Lunge gebildet, verläuft die Krankheit häufig - aber nicht immer - tödlich.

Wann muss ein künstlicher Darmausgang angelegt werden?

Bei einem Drittel der Dickdarmkrebserkrankungen liegt der Tumor im Mastdarm/Enddarm. Durch modernste Operationstechniken ist in etwa 85 Prozent der Fälle eine Operation unter Beibehaltung des natürlichen Darmausgangs möglich. Liegt der Tumor jedoch so nah am Darmausgang, dass der Schließmuskel entfernt werden muss, wird der gesamte Enddarm entfernt und ein künstlicher Darmausgang (Stoma) gelegt.

Was wird in Bezug auf Nachsorge empfohlen?

Damit ein Rückfall (Rezidiv) frühzeitig erkannt und behandelt werden kann, wird Darmkrebs-Patienten eine engmaschige Nachsorge empfohlen. In regelmäßigen Abständen führt der Arzt Darmspiegelungen durch. Die Intervalle der Untersuchungen hängen vom Einzelfall ab und sollten genau mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Alle Vorsorgemaßnahmen besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt.

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