Unser Gesundheitsthema

Leistenbruch -

nicht auf die leichte Schulter nehmen

Das Wort Hernie geht auf das lateinische hernia, zu Deutsch Knospe oder Spross, zurück. Mit dieser auch bildhaften Übersetzung lassen sich Hernien tatsächlich gut vergleichen: Hernien sind Weichteilbrüche, bei denen Gewebe, hauptsächlich aus dem Innenraum des Bauches, nach außen drückt. Die bekannteste und am weitesten verbreitete Hernie ist der Leistenbruch.

Hernien sind nicht gefährlich, können aber unter besonderen Umständen zu Notfallsituationen führen. „Daher ist es grundsätzlich ratsam, beim Verdacht auf Hernien beim Hausarzt vorstellig zu werden“, so Dr. med. Joachim Deuble, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie in der Kreisklinik Trostberg.

Wie kommt es zu Hernien?

Dr. Joachim Deuble: Die Ursache für Hernien ist ein schwaches Bindegewebe, das sich beim Husten, Niesen oder Lachen nach außen vorwölbt. Es gibt sowohl angeborene als auch erworbene Weichteilbrüche und auch solche nach Operationen, die so genannten Narbenbrüche.

Welche Arten von Hernien gibt es?

Dr. Joachim Deuble: Bei deutschen Männern sind Leistenbrüche der häufigste Grund für Operationen überhaupt. Leistenbrüche sind eine Weichteilvorwölbung im Bereich der Leisten, bedingt durch eine Schwäche der Leistenkanalhinterwand.

Frauen haben mitunter auch Leistenbrüche, weitaus häufiger aber eine Schenkelhernie: Hier verläuft der Bruch entlang der Blutgefäße zum Oberschenkel. Außerdem gibt es Nabelbrüche, leichte Vorwölbungen am Nabel können hier bis faustgroß werden.

Wenn größere Bauchschnitte nach einer Operation nicht richtig zusammenheilen, kann es ebenfalls zu Vorwölbungen, also einer Schwäche im Bereich der Bauchwand kommen, dies sind dann die so genannten Narbenbrüche. Diese Patienten haben eine Schwäche in der Kollagen-Biosynthese. Das bedeutet, dass das Material, das der Körper zum Zuheilen solcher Narben produziert, zu schwach ausgebildet ist und so kann es infolge schweren Hebens, Husten oder Lachen zu Brüchen kommen.

Unter Zwerchfellhernien versteht man meist eine Erweiterung der Durchtrittsstelle der Speiseröhre vom Brustraum in den Bauchraum. Dadurch können Magenanteile etwas Richtung Brustraum wandern und zu Schluckbeschwerden oder auch Sodbrennen führen.

Wie äußert sich eine Hernie?

Dr. Joachim Deuble: Kleine Hernien bereiten manchmal mehr Beschwerden als große. Im Anfangsstadium der Hernien spüren die Patienten zum Teil brennende Schmerzen durch die drei Nerven, die durch die Leistenregion ziehen. Das führt sie dann zum Arzt, der dann eine ganz kleine Hernie findet. Bei schon länger bestehenden riesengroßen Leistenbrüchen haben sich Nerven oft schon an die Hernien gewöhnt, so dass die Patienten beschwerdefrei sind.

Weichteilbrüche können durch ihre Vorwölbung gut sichtbar sein, aber keine Symptome zeigen. Diese wiederum können sich aber auch durch leicht ziehende oder brennende Schmerzen äußern, die manchmal auch nur unter körperlicher Belastung entstehen und nicht mit einer erkennbaren Vorwölbung gekennzeichnet sind. Hier kann ein erfahrener Arzt mit einer gründlichen Tastuntersuchung der Leiste und gegebenenfalls einer Ultraschalluntersuchung feststellen, ob ein Leistenbruch vorliegt.

Größere Brüche können Verdauungsbeschwerden verursachen, zum Beispiel eine chronische Verstopfung hervorrufen. Da sollte man in jedem Fall einen Arzt nachschauen lassen.

Wann werden Hernien gefährlich?

Dr. Joachim Deuble: Hernien können lebensbedrohlich werden, wenn sie einklemmen. Das heißt, dass das, was aus dem Bauchraum vorverlagert wird, zum Beispiel Dünndarm, einklemmt und zum Absterben des Dünndarms in Folge Minderdurchblutung führen kann.

Der Patient kommt dann als Notfall ins Krankenhaus, das sehen wir zum Glück selten. Denn die Hausärzte weisen ihre Patienten ja darauf hin, dass sie einen Leistenbruch nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten, und schicken sie rechtzeitig zu uns.

Muss ein Leistenbruch immer operiert werden?

Dr. Joachim Deuble: Bei der Behandlung von Leistenbrüchen gibt es keine Alternative zur Operation, Leistenbrüche werden schon lange operativ versorgt. Eine erste Publikation von Bassini datiert aus dem Jahr 1784.

Für uns in der Kreisklinik Trostberg ist es wichtig, dass jeder Patient die passende Operation bekommt. Ich würde zum Beispiel bei jungen Menschen ganz ungerne Kunststoffnetze implantieren, weil diese noch viele Jahrzehnte im Körper sind. Ich würde auch sehr ungern bei ausgewachsenen Männern kein Kunststoffnetz verwenden, weil ich weiß, dann kommt der Bruch ziemlich sicher wieder.

Wir unterscheiden zwischen den so genannten minimal-invasiven Verfahren, bei denen wir mit einer Optik über den Bauchnabel in den Bauch gehen, um von innen an den Bruch zu kommen und diesen mit dem Kunststoffnetz zu rekonstruieren. Und den konventionellen Verfahren, wo wir mit einem kleinen Schnitt von außen operieren, ob mit oder ohne das ganz überwiegend von den Patienten gut vertragene Kunststoffnetz.

Die Mehrheit unser jährlich rund 300 Hernien-Operationen führen wir ambulant durch, der Patient kann also am gleichen Tag wieder nach Hause gehen.

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