Unser Gesundheitsthema

Krampfadern - Blaue Beulen am Bein

10 Fragen zum Thema

Krampfadern (Varizen) betreffen fast jeden: Bei etwa 90 Prozent aller Deutschen verändern sich im Laufe des Lebens manche Venen – sie erweitern sich leicht oder können knotenförmig sein und sich zu einem Venenleiden entwickeln. Überwiegend entstehen die bläulich schimmernden Krampfadern in den Beinen.

Dr. Volker Kiechle, Chefarzt der Gefäßchirurgie und und Endovaskulären Chirurgie in den Kliniken Traunstein und Bad Reichenhall beantwortet die häufigsten Fragen.

1. Wie entstehen Krampfadern?

Während in den Beinschlagadern das Blut ins Bein, also fußwärts, transportiert wird,
haben die Beinvenen die Aufgabe, das Blut (quasi bergauf) wieder zum Herzen zurückzutransportieren. Dabei spielen die im Inneren der Venen befindlichen Klappen eine wichtige Rolle, da sie den Blutstrom in Richtung Herz dirigieren. Es gibt einerseits tiefe Beinvenen, andererseits oberflächlich gelegene Beinvenen. Die wichtigsten oberflächlichen Venen sind die sogenannten Stammvenen an der Oberschenkelinnenseite und an der Wade. Krampfadern entstehen am häufigsten dadurch, dass eine der beiden oberflächlichen Stammvenen sich erweitert und erschlafft, dass dadurch die Venenklappen nicht mehr richtig funktionieren und das Blut demzufolge in den oberflächlichen Venen versackt. Dadurch ergibt sich die für die Krampfadern typische Erweiterung und Schlängelung dieser oberflächlichen Venen bzw. ihrer Seitenäste.

2. Wie kann man vorbeugen?

Die Neigung zur Krampfaderbildung ist erblich. Wenn beide Elternteile Krampfaderträger sind, ist das Risiko, selbst Krampfadern zu entwickeln, sehr hoch. Man kann jedoch die Entstehung der Krampfadern durch ausreichende körperliche Bewegung und Normalgewicht hinauszögern.

3. Welche Folgen können Krampfadern haben?

Krampfadern sind zum einen ein optisches Problem, zum anderen können sie auch Stauungsbeschwerden hervorrufen (Schwellneigung, Juckreiz, Spannungsgefühl). Ferner ist der Betroffene vermehrt von Thrombosen betroffen und kann eine unangenehme Krampfaderblutung entwickeln. Bei längerem Verlauf kommt es durch den chronischen Stau des Blutes im Bein zu zunehmenden Hautveränderungen. Diese können der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines offenen Beines sein (sogenanntes Ulcus cruris). Daneben droht durch die chronische Schwäche des oberflächlichen Venensystems eine Überlastung des tiefen Venensystems mit ausgeprägter Zunahme der Stauungsproblematik.

4. Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Bei deutlich sichtbaren Krampfadern sollte, auch unabhängig von möglichen Beschwerden, eine ärztliche Untersuchung und weitere Abklärung durchgeführt werden. Man sollte keinesfalls bis zum möglichen Auftreten von Beschwerden oder gar Hautveränderungen abwarten. Eine Abklärung ist auch bei nicht sichtbaren Krampfadern, aber vorhandenem Schweregefühl des Beines sinnvoll.

5. Welche Untersuchungsmethoden gibt es?

Neben der körperlichen Untersuchung ist die Gefäß-Ultraschalluntersuchung ganz entscheidend, weitere Untersuchungen wie etwa eine Kontrastmitteldarstellung der Venen sind nur ganz selten nötig. Wichtig ist, die Untersuchung von einem erfahrenen Gefäßmediziner vornehmen zu lassen.

6. Wann ist eine Operation zu empfehlen?

Im Anschluss an eine Gefäß-Ultraschalluntersuchung sollte, unabhängig von etwaigen Beschwerden, dann eine Operation erwogen werden, wenn die oberflächlichen Venen langstreckig „ausgeleiert“ bzw. „klappenschwach“ sind. In manchen Fällen ist es auch sinnvoll, in einem noch früheren Stadium die Operation zu empfehlen.

7. Was kann man statt einer Operation tun?

Die einzig sinnvolle Alternative zu einer operativen Entfernung der Krampfadern ist, tagsüber dauerhaft einen entsprechenden Kompressionsstrumpf nach Maß zu benutzen. Dadurch wird das Bein zwar entstaut, es wird jedoch keine Rückbildung der Krampfadern zu erreichen sein. Die Einnahme von Medikamenten ist weitgehend ohne Effekt.

8. Welche Operationsmethoden gibt es?

Das gängigste Operationsverfahren ist das sogenannte Stripping, bei dem die langstreckig erkrankten Anteile der Stammvene entfernt (herausgezogen) werden. Obligat ist immer auch die zusätzliche Entfernung von kleineren Krampfader-Seitenästen über sogenannte Minischnitte. Die Alternative zum Stripping ist, die Stammvene zu „verschweißen“, dies ist zum einen durch die sogenannte Radiowellenmethode möglich, zum anderen durch die Lasermethode. Sehr kleine Krampfadern oder Besenreiser-Krampfadern sollten verödet werden.

9. Wie sieht die Nachbehandlung nach einer Operation aus?

Nach einem Varizeneingriff soll man sehr rasch wieder gehen, in der Regel ist das Tragen eines Kompressionsstrumpfes für 3 – 6 Wochen zu empfehlen, normale Arbeitstätigkeiten können nach 1 – 2 Wochen wieder aufgenommen werden, nach spätestens 2 Wochen sind auch sportliche Aktivitäten wieder möglich.

10. Wie oft kommen Krampfadern nach einer Operation wieder und wie kann vorbeugen?

Durch die erbliche Veranlagung des Krampfaderträgers kann im Laufe des Lebens eine erneute Krampfaderbildung an anderer Stelle erfolgen, meist in geringerer Form. Ausreichende körperliche Bewegung, normales Gewicht und ggf. das rechtzeitige Tragen eines Kompressionsstrumpfes sind anzuraten, ferner sollte eine regelmäßige Nachsorge bei einem gefäßmedizinisch erfahrenen Arzt erfolgen. Insgesamt muss man mit einer erneuten Krampfaderbildung in 20 – 25 Prozent der Fälle rechnen, eine erneute Operation ist jedoch nicht in jedem dieser Fälle erforderlich.
Kontakt Sprechstunden

Gefäßchirurgie 
Sekretariat Klinikum Traunstein
T 0049 861 705-1202
F 0049 861 705-1467

Sekretariat Kreisklinik Bad Reichenhall
T 0049 8651 772-401
F 0049 8651 772-682

Sprechstunden Klinikum Traunstein
Montag
09:30 bis 13:00 Uhr
Mittwoch
12:00 bis 16:00 Uhr

Anmeldung telefonisch über das Sekretariat 0861 705-1202.


Sprechstunden Kreisklinik Bad Reichenhal
l
Montag: 09:00 bis 15:00 Uhr
(Prästationäre Sprechstunde)
Dienstag: 12:00 bis 16:00 Uhr, Bad Reichenhall
(KV-Sprechstunde)
Mittwoch: 08:00 bis 12:00 Uhr, Berchtesgaden
(KV-Sprechstunde)
Donnerstag: 08:00 bis 12:00 Uhr, Freilassing (KV-Sprechstunde)
15:00 bis 16:00 Uhr, Privatsprechstunde CA Dr. Kiechle in Bad Reichenhall

Anmeldung telefonisch über das Sekretariat 08651 772-401.