Unser Gesundheitsthema

Schulterverletzungen

nicht auf die leichte Schulter nehmen

Das Schultergelenk ist das beweglichste und zugleich komplexeste Gelenk des menschlichen Körpers. Um die große Bewegungsfreiheit zu erreichen und gleichzeitig eine ausreichende Kraftentwicklung zu gewährleisten, ist das Gelenk relativ locker geführt, wird aber durch eine große Anzahl von Muskeln stabilisiert. Das Zusammenspiel der inneren und äußeren Muskulatur ist entscheidend für die Funktion.

Neben den natürlichen Verschleißerscheinungen, die die Schulter im Laufe des Lebens erleidet, können Überlastungen oder Unfälle zu einer erheblichen Störung der Schulterbewegung führen. 

Privatdozent Dr. med. Reiner Hente, Chefarzt der Unfallchirurgie und Sporttraumatologie an der Kreisklinik Bad Reichenhall, ist Schulterspezialist und blickt auf eine fast zwei Jahrzehnte lange Erfahrung in der Behandlung von chronischen und akuten Schultererkrankungen zurück. Er wurde vom FOCUS Magazin 2015 zu einem der führenden Schulterchirurgen Deutschlands ausgezeichnet und in die Liste der Top-Mediziner aufgenommen. PD Dr. Hente beantwortet hier die zehn häufigsten Fragen zum Thema Schulterverletzungen.

Was sind die häufigsten Schulterverletzungen?

Die häufigsten Schulterverletzungen treten bei sportlichen Aktivitäten und bei Stürzen mit Zug am Arm oder direkter Gewalteinwirkung auf. Dazu gehören:

- Schulterluxation (Auskugeln/Verrenken der Schulter)
- Schultereckgelenkssprengungen
- Verletzungen der Rotatorenmanschette
- Bizepssehnenverletzung
- Fraktur des Oberarmkopfes u. der Gelenkpfanne
- Schlüsselbeinfraktur

Doch auch kleinere Energieeinwendungen, z.B. beim Abstützen des eigenen Körpergewichts können Schulterverletzungen auslösen. Meistens liegen hier schon Vorschädigungen in der Schulter vor.

Hat die Zahl der Verletzungen der Schulter zugenommen?

Schulterverletzungen sind in den letzten Jahren immer häufiger anzutreffenden. Nicht zuletzt ist das veränderte Freizeitverhalten, insbesondere verletzungsintensive und schnelle Sportarten wie Snowboarden, Skifahren oder Mountainbiken für Schulterverletzungen verantwortlich.

Wie verhält man sich nach einer Schulterluxation? Was kann ich selbst tun?

Zu einem Auskugeln des Schultergelenkes, der so genannten Schulterluxation, kann es durch ein Verreißen des Arms oder einem Sturz auf den Arm kommen. Die Verrenkung des Schultergelenkes ist äußerst schmerzhaft. Ein ausgekugelter Oberarmkopf sollte so schnell wie möglich wieder eingerenkt werden. Bei einer erstmaligen Schulterluxation sollte die Reposition unter fachkundiger Anleitung, i.d. R. mit einer kurzen Narkose eingerenkt werden. Da es bei Verrenkungen einer Schulterluxation oft zu Verletzungen des Schultergelenks kommt, empfehlen wir weitere diagnostische Maßnahmen zur Abklärung.

Was ist an der Schulter so komplex?

Es ist das Gelenk im Körper, das den größten Bewegungsumfang hat. Es ermöglicht Bewegungen in alle Richtungen, einschließlich Drehbewegungen. Der Oberarmkopf ist so groß wie ein Tennisball, die Pfanne dagegen nur wie ein 2-Euro-Stück. Der Kopf muss jedoch immer, auch unter Extrembelastungen, zentriert auf der Pfanne bleiben. Dies gewährleistet die Rotatorenmanschette. Sie stabilisiert den Oberarmkopf. Man muss sich folgendes vorstellen: Der Hebelarm ist auf der Gelenksseite nur ein paar Zentimeter, während am anderen Ende, der Hand, fast ein Meter langer Arm hängt. Dadurch treten unglaubliche Kräfte auf. Vergleichbar etwa, als wenn man eine Axt am äußersten Stielende anfasst und diese hochheben will.

Behandlung von Schulterverletzungen – ab wann soll man zum Arzt?

Wenn nicht eine wesentliche Verletzung vorliegt und die Schmerzen in erträglichem Rahmen bleiben, kann man ein paar Tage abwarten. Nimmt der Schmerz jedoch zu, dann sollte man sofort einen Arzt aufsuchen. Klingt der Schmerz nicht innerhalb der ersten zwei Wochen ab, sollte eine weitere Diagnostik erfolgen.

Wie funktioniert die Diagnosestellung?

Das Wichtigste ist die Anamnese, die körperliche Untersuchung sowie die Art der Beschwerden. Wie und wann haben die Beschwerden begonnen? Dies gibt Aufschluss über die Art der Beschwerden oder Verletzungen und legt das weitere Vorgehen fest. Die einfachste Untersuchung, um weitere wichtige Hinweise zu erhalten, ist eine Röntgenaufnahme. Mit der Anamnese, einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung mit entsprechenden Funktionstests und einem Röntgenbild können für den erfahrenen Schulterchirurgen bereits über 90 Prozent der Verletzungen oder der degenerativen Erkrankungen diagnostiziert werden.

Wann ist eine OP notwendig?

Dies ist pauschal natürlich nicht zu beantworten. Bei chronischen Schulterbeschwerden kann man mit einer OP etwas zurückhaltend sein. Bei akuten Verletzungen, bei denen eine OP zwingend notwendig ist, hat man ca. 10 bis 14 Tage Zeit. Innerhalb dieser Zeit kann die Verletzung wie eine frische Verletzung behandelt werden.

Was sind die Vorteile einer arthroskopischen Operation?

Der größte Teil der Schultereingriffe (ca. 95 Prozent) kann mittels minimal-invasiver Technik, d.h. der Arthroskopie durchgeführt werden. Die Belastung und die Beschwerden für die Patienten sind bei einer Arthroskopie geringer. Die Patienten können schneller wieder nach Hause gehen. Außerdem hat man durch kleinere Zugänge zum Operationsgebiet geringere Entzündungsraten. Es gilt: Je kleiner der Schnitt, desto geringer die Entzündungsrate. Dies erhöht die Sicherheit für den Patienten deutlich.

Wie schnell bin ich wieder fit?

Das Gelenk wird nach der Operation für ca. sechs Wochen mit einem Schulterkissen ruhiggestellt. Man kann den Arm auch einmal rausnehmen, sollte aber in dieser Zeit keine aktiven Bewegungen durchführen. In diesen ersten sechs Wochen erfolgt die Basisheilung, in der die reparierten Strukturen eine gewisse Festigkeit erhalten. Danach darf man in der Regel die Schulter frei bewegen. Ganz entscheidend ist jedoch die Krankengymnastik. Das Gehirn besitzt die Eigenschaft, eine verletzte Extremität auszublenden. Dadurch tritt eine Minderversorgung des verletzten Gelenks auf. Durch die passiven Bewegungen des Krankengymnasten wird dem Gehirn gesagt, das Gelenk ist „wieder da“. Die Durchblutung wird verbessert, was die Heilung beschleunigt. Zusätzlich werden Lymphdrainagen durchgeführt, um die Schwellung zu reduzieren.

Kann man einer Schulterverletzung vorbeugen?

Dies ist schwierig. Man sollte jedoch darauf achten, sich bei sportlicher Aktivität vorher gut warm zu machen und zu Dehnen. Doch auch Fehlhaltungen, wie sie bei sitzenden Tätigkeiten gerne entstehen, können zu wesentlichen Schulterbeschwerden führen. Darum sollte immer auf eine gute Körperhaltung geachtet werden.
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