Unser Gesundheitsthema

Wenn die Knochen brüchig werden

Vorbeugung und Therapie der Osteoporose

Die Osteoporose trifft nicht nur Frauen nach den Wechseljahren: Denn die als Knochenschwund bekannte Erkrankung hat nicht nur den Mangel des weiblichen Hormons Östrogen als Ursache. Warum es generell sinnvoll ist, seine Knochen ein Leben lang mit Bewegung und ausgewogener Ernährung zu stärken, erklärt Prof. Kolja Gelse, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädischen Chirurgie am Klinikum Traunstein, im Interview.

Das Interview führte Ina Berwanger.

Was ist Osteoporose und wie entsteht sie?

Prof. Gelse: Osteoporose steht für Knochenschwund. Bei dieser Erkrankung des Skelettsystems nimmt die Dichte und Belastbarkeit der Knochen ab. Damit steigt das Risiko für Knochenbrüche. Ein Knochen ist ein lebendes, durchblutetes Gewebe, das einem ständigen Umbau unterliegt. Wird dieser laufende Prozess des Auf- und Abbaus von Knochensubstanz - zum Beispiel durch einen Mangel des weiblichen Hormons Östrogen nach den Wechseljahren - gestört, kann es zu Osteoporose kommen.

Sind nur Frauen nach den Wechseljahren Osteoporose-gefährdet?

Prof. Gelse: Bei ihnen tritt Osteoporose am häufigsten auf, aber auch Männer können betroffen sein. Osteoporose ist meist mit fortgeschrittenem Lebensalter assoziiert, da Knochenstoffwechselvorgänge im hohen Alter reduziert sind. Aber auch jüngere Menschen mit beispielsweise Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Schilddrüsenfunktionsstörungen, rheumatischen Erkrankungen, Diabetes oder bestimmten neurologischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko, Osteoporose zu bekommen.

Welche Risikofaktoren für Osteoporose gibt es?

Prof. Gelse: Wir unterscheiden zwischen nicht zu beeinflussenden Faktoren wie höheres Alter, weibliches Geschlecht und bestimmten, oben genannten Krankheiten, und beeinflussbaren Risikofaktoren. Bei diesen steht an oberster Stelle der Bewegungsmangel. Körperliche Aktivität ist entscheidend für den Knochenaufbau. Knochensubstanz kann der Körper am besten bis zum 30. Lebensjahr aufbauen. Je aktiver man auch schon in jungen Jahren ist, umso besser.

Zeigt sich Osteoporose mit typischen Symptomen?

Prof. Gelse: Das Tückische an Osteoporose ist, dass sie viele Jahre symptomfrei verläuft. Aufmerksam auf Osteoporose wird man oft erst, wenn es zu Knochenbrüchen nach Bagatellverletzungen oder ohne jedes Trauma kommt. Typische osteoporotische Brüche findet man im Bereich des Hüftgelenks, Beckenknochens, Oberarmknochens, Handgelenks und natürlich im Bereich der Wirbelsäule. Charakteristischerweise brechen hierbei die Wirbelkörper regelrecht in sich zusammen. Sie  verformen sich dann zu sogenannten Fisch- oder Keilwirbeln und tragen letztlich zu dem im Volksmund „Witwenbuckel“ genannten Rundrücken bei. Hier manifestiert sich dann Osteoporose in einer abnehmenden Körpergröße und natürlich in Rückenschmerzen.

Wann ist ein Arztbesuch angeraten?

Prof. Gelse: Üblicherweise werden die Patientinnen und Patienten erst beim Auftreten von Schmerzen beim Arzt vorstellig. Durch Untersuchung der Wirbelsäule können die betroffenen Wirbelkörper lokalisiert werden, Röntgen oder Kernspintomographie ergänzen die Diagnostik. Wann eine Knochendichtemessung indiziert ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Vorliegen typischer Knochenbrüche, dem Alter, bestimmten Begleiterkrankungen oder der Einnahme bestimmter Medikamente, wie etwa Cortison.

Wie kann eine Osteoporose behandelt werden?

Prof. Gelse: Neben prophylaktischen Maßnahmen gibt es medikamentöse Therapieansätze und bei Auftreten von Knochenbrüchen die operative Therapie. Als Basis-Therapie kommen Vitamin D3 und bedarfsweise Calcium zum Einsatz. Wenn Osteoporose manifest geworden ist, stehen heutzutage spezifische medikamentöse Therapien zur Verfügung. Diese Medikamente sind sehr wirkungsvoll, können aber auch mit Nebenwirkungen behaftet sein. Wann eine solche Therapie medizinisch indiziert ist, wird der Arzt gemäß vorhandener Leitlinien auf der Basis einer Nutzen-Risiko-Abwägung entscheiden.

Wie können osteoporotische Knochenbrüche operativ stabilisiert werden?

Prof. Gelse: Das Ziel der modernen Unfallchirurgie und Alterstraumatologie besteht darin, ältere Patientinnen und Patienten so zu behandeln, dass sie möglichst schnell wieder ihre Selbstständigkeit und bestmögliche Mobilität erreichen. Um dies zu realisieren, kann gerade bei schlechter Knochenqualität oder komplizierten Brüchen die Versorgung mit einem Kunstgelenk deutliche Vorteile bringen. Im Bereich des Hüftgelenks – zunehmend auch bei Brüchen an Knie oder Schulter – ist dies heutzutage ein Standardeingriff. Oft sind die Operierten bereits am nächsten Tag wieder mobil. Ein ebenfalls sehr effektiver, kaum belastender Eingriff ist die sogenannte Kyphoplastie. Bei diesem minimal-invasiven Verfahren wird ein zusammengebrochener Wirbelkörper mittels eines kleinen Ballons wieder aufgerichtet und mit speziellem Knochenzementmaterial stabilisiert. Er ist somit gleich nach der OP wieder belastbar. Bei osteoporotischen Knochen kann die Verwendung eines solchen speziellen Knochenzements auch bei Knochenbrüchen an anderen Skelettabschnitten sehr vorteilhaft sein. So kann die Ummantelung von Schrauben mit Knochenzement deren Verankerung im osteoporotischen Knochen deutlich verbessern.

Damit es nicht erst so weit kommt: Kann man einer Osteoporose vorbeugen?

Prof. Gelse: Ja, das kann man: Für Bewegung ist es – je nach individuellen Voraussetzungen - nie zu spät. Auch im Alter ist jeder Schritt wertvoll. Ich empfehle möglichst häufiges Treppensteigen. Zudem sind Kraft- oder Fitnesstraining, Wanderungen, auch am Berg, oder Nordic-Walking gut für starke Knochen. Beim Schwimmen hingegen profitiert eher das Herz-Kreislauf-System als der Knochenstoffwechsel. Außerdem sollte eine einseitige Ernährung mit zu wenig Calcium und zu viel Phosphat vermieden werden. Nicht zuletzt kann es gerade jetzt im Winter aufgrund zu wenig UV-Licht zu einem Mangel an Vitamin-D3 kommen. Das braucht der Körper aber für den Knochenaufbau. Eine zusätzliche Vitamin-D3-Einnahme kann in Absprache mit dem Arzt sinnvoll sein.

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