27.02.2026 - Klinikum Traunstein

Wenn der Griff zur Kaffeetasse schmerzt

Sie kommt schleichend. Erst zwickt es beim Aufdrehen der Flasche. Dann schmerzt der Händedruck. Schließlich wird selbst das Halten einer Tasse zur Qual. Zum Tag der Hand am 1. März sprechen wir mit dem Chefarzt Prof. Dr. Afshin Rahmanian-Schwarz und dem Geschäftsführenden Oberarzt Sebastian Leuschner der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie am Klinikum Traunstein, über die Daumensattelgelenkarthrose, eine Erkrankung, die oft unterschätzt wird.

Herr Prof. Dr. Rahmanian-Schwarz, wie häufig sehen Sie diese Erkrankung?

Prof. Dr. Rahmanian-Schwarz: Sehr häufig. Als Plastische Chirurgen und Handchirurgen sehen wir täglich, wie sehr Beschwerden am Daumen den Alltag unserer Patientinnen und Patienten beeinträchtigen können. Eine der häufigsten Ursachen ist die sogenannte Daumensattelgelenkarthrose, medizinisch auch Rhizarthrose genannt. Gemeint ist der Verschleiß des Gelenks zwischen dem ersten Mittelhandknochen und dem großen Vieleckbein (Os trapezium) – einem kleinen, aber entscheidenden Gelenk für die Beweglichkeit und Kraft des Daumens.

Woran merken Patientinnen und Patienten, dass etwas nicht stimmt?

Leuschner: Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen an der Daumenbasis, etwa beim Öffnen von Schraubverschlüssen, beim Auswringen eines Tuchs oder schon beim Halten einer Kaffeetasse. Im Verlauf können die Beschwerden auch in Ruhe auftreten. Viele Betroffene berichten über Kraftverlust, Unsicherheit beim Zugreifen und eine zunehmende Einschränkung der Feinmotorik. Nicht selten zeigt sich eine sichtbare Vorwölbung oder Fehlstellung im Bereich des Daumensattelgelenks.

Was hilft in frühen Stadien?

Prof. Dr. Rahmanian-Schwarz: In frühen Stadien können konservative Maßnahmen helfen. Dazu gehören entzündungshemmende Medikamente, Orthesen zur Entlastung des Gelenks sowie gezielte physiotherapeutische Übungen. Auch Injektionen in das Gelenk können im Einzelfall zu einer vorübergehenden Linderung führen. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren und die Funktion möglichst lange zu erhalten.

Und wenn das nicht mehr reicht?

Leuschner: Wenn diese Maßnahmen nicht mehr ausreichen und der Leidensdruck hoch ist, kommen operative Verfahren in Betracht. Ein bewährter Standard ist die Trapezektomie, bei der das große Vieleckbein entfernt wird. Alternativ kann in ausgewählten Fällen eine Arthrodese, also eine operative Versteifung des Gelenks, sinnvoll sein – insbesondere bei jüngeren Patienten, die z. B. beruflich stark belastenden Tätigkeiten ausgesetzt sind. Beide Verfahren haben ihre Berechtigung, gehen jedoch mit funktionellen Einschränkungen einher, etwa durch Kraftverlust oder verminderte Beweglichkeit.

Gibt es eine schonende Option?

Prof. Dr. Rahmanian-Schwarz: Als modernes und schonendes Therapieverfahren, welches die Geometrie und Funktionalität des Daumens erhält, bieten wir am Klinikum Traunstein zudem die Implantation einer Daumensattelgelenkprothese an. Ziel ist es, die natürliche Gelenkfunktion möglichst weitgehend zu erhalten und Schmerzen nachhaltig zu beseitigen. Durch den Ersatz der zerstörten Gelenkflächen kann die Beweglichkeit bewahrt und die Kraftentwicklung verbessert werden. Dank der schonenden Technik und strukturierter Nachbehandlung ist häufig nur eine kurze Ruhigstellung erforderlich. Die Schmerzreduktion und Belastbarkeit treten meist schneller ein als bei der Trapezektomie oder der Versteifung.

Wie fällt die Therapieentscheidung?

Leuschner: Welche Therapie im individuellen Fall die richtige ist, entscheiden wir gemeinsam mit unseren Patientinnen und Patienten nach sorgfältiger Diagnostik und ausführlicher Beratung. Unser Anspruch als Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Handchirurgie ist es, moderne Medizin mit persönlicher Betreuung zu verbinden – damit man das Leben wortwörtlich wieder schmerzfrei im Griff hat.