Fachbereich

Neurochirurgie

Die Neurochirurgie befasst sich im Wesentlichen mit den operativ zu behandelnden Erkrankungen und Verletzungen des Nervensystems (Tumoren, Schädel-Hirn-Traumen) sowie Erkrankungen der Wirbelsäule.  

Die technische Ausstattung der Neurochirurgie entspricht dem Standard neurochirurgischer Universitätskliniken, sodass – mit Ausnahme der Tiefenhirnstimulation – alle Krankheitsbilder, auch komplexe, mit international konkurrenzfähiger Qualität behandelt werden können. Gleichzeitig stehen eine menschliche, vertrauensvolle Arzt-Patient-Beziehung und die Fürsorge für die Patientinnen und Patienten im Fokus unseres Handelns.

Die Neurochirurgie erfüllt gemeinsam mit der Unfallchirurgie die Richtlinien für ein Wirbelsäulenspezialzentrum der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG). 

Schwerpunkte
Schädel- und Rückenmarkverletzungen, Tumoren (Hirn, Rückenmark, Nerven), Wirbelsäulenerkrankungen, Verengungen/Instabilitäten Wirbelkanal, Bandscheibenvorfälle, Hirnblutungen, Nervenkompression-Syndrome
Zentren
Neurozentrum Traunstein, Wirbelsäulenspezialzentrum (DWG)

Schwerpunkte Weitere Informationen zu Formen und Therapie

Schädelhirn und Rückenmarkverletzungen

Als Schädel-Hirn-Trauma (SHT) versteht man jede Verletzung des Schädels mit Hirnbeteiligung. Wegen der Gefahr von zusätzlichen Komplikationen wie Hirnblutungen, Hirnschwellung mit Steigerung des Hirndruckes oder späteren Liquorzirkulationstörungen (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) wird für jeden Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma die Beobachtung im Krankenhaus empfohlen. 

Formen des SHT
Man unterscheidet das gedeckte SHT vom offenen SHT, wo eine Perforation von schützenden Hirn-Strukturen wie der Kopfhaut, der Schädelknochen und der Hirnhaut vorliegen kann. 
 
Meistens wird bei Patienten mit leichten SHT (so genannten Commotio cerebri bzw. Gehirnerschütterung) eine 24 bis 72 Stunden Beobachtung im Krankenhaus durchgeführt. Dies erfolgt auf unserer Intermediate Care (Überwachung) Station und später auf der neurochirurgischen Station.  
Während Patienten mit schwereren Schäden eine ausführlichere Diagnose und Kontrolle benötigen, sind Patienten mit Koma meist primär operativ zu versorgen. Patienten mit gesteigertem Hirndruck werden, wenn möglich, zuerst konservativ mit einer Hirndrucksonde und eventuell mit einer Liquordrainage bzw. einer Sauerstoffsonde überwacht und gemeinsam mit den Anästhesisten im Team behandelt.

Versorgung bei Polytrauma
Da das SHT oft im Rahmen eines Polytraumas auftritt, müssen auch alle anderen Körperregionen sorgfältig untersucht werden. Eine Computertomographie (CT) des Kopfes und eventuell von Wirbelsäule und anderen Regionen des Körpers wird direkt bei der Aufnahme im Krankenhaus angefertigt. Mittels dieses Verfahrens kann festgestellt werden, ob und wo Blutungsherde, Gewebsschäden in anderen Regionen oder Hirndruckzeichen vorhanden sind. Bei Kindern kann oft die CT wegen der Strahlenbelastung durch ein Magnetresonanztomographie (MRT) ersetzt werden. Die Versorgung von Polytrauma-Patienten wird in Zusammenarbeit mit der unfallchirurgischen Abteilung durchgeführt.

Gut- und bösartige Tumoren
des Gehirns, der Hirnhäute, des Rückenmarks und der Nervenwurzeln

Dazu gehören Schwannome, Teratome, Meningeome und Gliome.

Schwannom
Ein Schwannom (auch Neurinom genannt) ist ein gutartiger und meist langsam wachsender Tumor des peripheren Nervensystems, der von Zellen ausgeht, deren Aufgabe das Umhüllen von Nervenfasern ist. Mit zunehmendem Wachstum kann es zu lokalen Schmerzen und zu Lähmungen der betroffenen Nerven führen. Die Therapie besteht in der vollständigen mikrochirurgischen Entfernung des Tumors.

Teratom
Ein Teratom ist eine angeborene Mischgeschwulst, die sich aus Stammzellen entwickelt. Das Teratom ist ein Keimzelltumor, der Gewebe wie Haare oder Zähne enthalten können. Meist liegt es in einer gekapselten Form vor. Entscheidend für den langfristigen Erfolg sind die vollständige Ausräumung des Tumors sowie die feingewebliche Bestätigung seiner Gutartigkeit. Bösartige Tumorvariationen werden zusätzlich chemotherapeutisch von Onkologen behandelt.

Meningeom
Ein Meningeom ist ein meistens benigner (gutartiger) Tumor, der intrakraniell sowie auch in Spinalkanal wachsen kann. Charakteristisch zeigt sich ein langsames Wachstum. Maligne (bösartige) Entartungen sind selten. Eine Therapie individuell und patientenbezogen festgelegt.

Gliom
Gliom ist ein Sammelbegriff für Hirntumore des Zentralnervensystems, die aus Gliazellen entstehen. Die Sicherung der Diagnose und Vervollständigung der Therapie erfolgt je nach Lage und Größe des Tumors sowie des klinischen Zustandes des Patienten, häufig durch eine primäre operative Gewebeentnahme

Tumoröse und degenerative Wirbelsäulenerkrankungen

mit Rückenmark-/ Spinalnervenbeeinträchtigung

Tumoröse Wirbelsäulenerkrankungen können zu einer Zerstörung des Wirbels mit entsprechenden massiven Deformierungen führen. Häufig tritt Tumorgewebe in den Spinalkanal ein, was eine Kompression der spinalen Nervenstrukturen zur Folge hat und damit zu neurologischen Ausfällen, wie isolierte Muskellähmungen oder sogar zum kompletten Querschnitt führen können.

Ziel der Operation ist die Tumorentfernung. Droht eine Instabilität der Wirbelsäule, ist die mono- oder multisegmentale Versteifung der Wirbelsäule als therapeutische Möglichkeit heranzuziehen.

Verengungen und Instabilitäten des Wirbelkanals

Spinalkanalstenose
Der Begriff der Spinalkanalstenose bezeichnet eine Verengung des Wirbelkanals. Sie tritt bei älteren Menschen meistens im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Bei einer chirurgischen Dekompression kann der Spinalkanal wieder erweitert werden. Verengungen des Wirbelkanals mit begleitenden Rückenmarks-/ Spinalnervenbeeinträchtigungen können operativ minimal invasiv behandelt werden, solange die Stabilität des entlasteten Segment nicht durch die Abtragung von deformierten Knochenteilen beeinträchtig wird.

Zervikale Myelopathie
Eine Zervikale Myelopathie bei Spinalkanalstenose beschreibt die kompressionsbedingte Schädigung des zervikalen Myelons. Leitsymptome sind spastische Gangstörung, Feinmotorikstörung der Hände sowie Blasenentleerstörung. Operativ kann diese Einengung durch ventrale (von vorne), dorsale (von hinten) sowie kombinierte Verfahren beseitigt werden.

Bandscheibenvorfälle

Bei einem Bandscheibenvorfall sind Teile von Bandscheibegewebe in den Wirbelkanal vorgetreten. Im Gegensatz zur Bandscheibenprotrusion (Vorwölbung) wird beim Vorfall der Faserknorpelring der Bandscheibe ganz oder teilweise durchgerissen.

Beim operativen Standardverfahren im Lumbar-Bereich wird über einen minimalen dorsalen (von hinten) Zugang, unter Schonung der Nervenstrukturen, der Vorfall mikrochirurgisch oder wenn indiziert auch endoskopisch dargestellt und entfernt. In der Regel wird anschließend das gelockerte intradiskale Gewebe zusätzlich ausgeräumt. Bei weit lateralen Vorfällen kann ein extraforaminaler Zugang ohne Eröffnung des Spinalkanals erforderlich sein.

Hirnblutungen

Als Hirnblutung bezeichnet man nur die intrazerebrale Blutung im Gehirn selbst. Diese entsteht meist plötzlich, insbesondere bei Menschen mit Bluthochdruck und äußert sich als Schlaganfall. 

Hirnblutungen können lebensbedrohlich sein. Viele Patienten mit einer Hirnblutung müssen neurochirurgisch behandelt werden. Vor allem bei Patienten mit traumatischen bedingten Hirnblutungen im komatösen Zustand sollte nicht mehr als eine Stunde zwischen Unfall und der ersten Computertomographie (CT) vergehen, da ab zwei Stunden nach einem Unfall chirurgisch relevante Blutungen zu erwarten sind.

Vaskuläre Erkrankungen und Gefäßmissbildungen

Aneurysma 
Ein Aneurysma entwickelt sich aus einer Gefäßwandschwäche, die meistens schon seit der Geburt angelegt ist und sich mit der Zeit zu einer Gefäßerweiterung oder Aussackung umwandelt. Die bevorzugte Lokalisation der Aneurysmen befindet sich im Bereich der Arterien in der Schädelbasis.

Zur Vermeidung eine Ruptur des Aneurysma mit folgenden wie bei Subarachnoidalblutungen beschriebenen Komplikationen, wird heute häufig eine rechtzeitige Behandlung durch endovaskuläre oder offene, operative Verfahren (offener Verschluss) empfohlen.

Angeborene Gefäßfehlbildungen (AVM)
Arteriovenöse Malformationen (AVM) sind bezüglich ihrer Behandlung, auch genauso wie Aneurysmen, multidisziplinär zu betrachten. Unter einer AVM ist eine angeborene Fehlbildung der Blutgefäße, bei der Arterien direkt mit Venen verbunden sind, ohne dazwischenliegende Kapillaren zu verstehen. Das Kavernom ist eine Gefäßmissbildung und kann im zentralen Nervensystem.

Insbesondere, je nach Lokalisation, Blutungsrisiko oder bei schwer kontrollierbaren epileptischen Anfällen werden Kavernome durch eine Operation entfernt.

Neurovaskuläre Kompressionen
(Krankhafte Kontakte zwischen Arterien und Hirnnerven)
Die Mikrovaskuläre Dekompression (Operation nach Jannetta) ist ein neurochirurgischer Eingriff, bei dem krankhafte Kontakte zwischen Arterien und Hirnnerven in der hinteren Schädelgrube beseitigt werden. 

Hypophysentumoren

Hypophysenadenome sind gutartige Tumoren aus dem Hypophysenvorderlappen oder dem Hypophysenhinterlappen. Symptome aller Hypophysentumoren können Einschränkungen des Gesichtsfeldes oder Kopfschmerzen sein.

Verschiedene zezernierende Hypophysentumoren können neuronavigationsgesteuert ausgeräumt worden. Auch tief intrazerebral lokalisierte Tumore, wie dieser intraventrikuläre zystische Tumor, können erfolgreich durch den Einsatz von anderen minimal-invasiven Methoden kontrolliert werden. 

Schädelbasistumoren

Dazu zählen Meningiome, Akustikusneurinome sowie Hirn- bzw. Schädelbasismetastasen, die von Ausgangstumoren wie z.B. Lungenkrebs, Brustkrebs, Nierenzellkarzinom und bösartiges Melanom ausgelöst werden.   

Die Wahl der einzuleitenden Therapie hängt maßgeblich von der Tumorgröße, dem Wachstumsverhalten, dem Alter und dem Allgemeinzustand der Patienten ab.

Störungen des Nervenwassersystems

Hydrocephalus
Störungen des Nervenwassersystems werden häufig als Hydrocephalus (Wasserkopf) beschrieben. Bei erhöhtem Hirndruck wird eine rasche Entlastung angestrebt, indem Liquor mittels einer Drainage abgeleitet wird. 

Syringomyelie
Die Syringomyelie ist eine Höhlenbildung in der grauen Substanz des Rückenmarks. Typischerweise tritt die Erkrankung in der späten Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter auf. Die Syringomyelie übt Druck auf die umgebenden Nervenbahnen des Rückenmarks aus. Operativ wird versucht, die Ursache (Verklebung, Vernarbung, u. a.) zu beheben. 

Chirurgie peripherer Nerven

Alle peripheren Nervenkompression-Syndrome (Karpaltunnelsyndrom, Sulcus-ulnaris-Syndrom, Loge de Guyon-Syndrom, Tarsaltunnelsyndrom, Nervenverletzungen (Rekonstruktion, Transplantation, Anastomosen) Meralgia paraesthetica und periphere Nerventumoren) werden bei uns minimal-invasiv und mikrochirurgisch behandelt.

Kindliche Hirntumoren und Missbildungen

Beispiel: 
Eine Synostose ist die knöcherne Verschmelzung zweier Knochen, die zuvor knorpelig oder bindegewebig verbunden waren. Eine operative Lösung von Synostosen erfolgt nur, wenn die auftretenden Probleme eindeutig auf die Synostose zurückzuführen sind.

Stereotaktische Eingriffe am Gehirn

Unter Stereotaktischen Hirnoperationen sind minimal-invasive Verfahren der Neurochirurgie und der Strahlentherapie zu verstehen, bei denen der Kopf des Patienten und die medizinischen Instrumente in einem fest verschraubten Rahmen fixiert sind, um höchste Genauigkeit zu erreichen. 

Die zu operierende Struktur wird nicht operativ freigelegt. Die bildgesteuerte, computerassistierte Berechnung der Wege zum Ziel erlaubt ein nahezu verletzungsfreies Bewegen der Instrumente im Körperinneren. Tief gelegene Erkrankungsherde können diagnostisch genauestens identifiziert und biopsiert werden.

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