02.03.2026 - Klinikum Traunstein

Nierengesundheit für alle – eine stille Gefahr rückt ins Licht

Zum Weltnierentag am 12. März

Sie schmerzt nicht, sie klagt nicht, sie arbeitet – bis sie versagt: Die Niere ist ein Meister der Stille und gerade das macht sie gefährlich. Weltweit leidet jeder Zehnte an einer chronischen Nierenerkrankung, kurz CKD (Chronic Kidney Disease). Damit ist sie keine Randnotiz der Medizin, sondern eine Volkskrankheit. Die WHO hat im Mai 2025 die CKD als globale Gesundheitsgefahr eingestuft. Man rechnet damit, dass bis 2035 die CKD die 5. häufigste Todesursache sein wird.

Das Tückische: die CKD bleibt oft unentdeckt. In frühen Stadien spüren Betroffene nichts. Keine Warnlampe, kein Alarm. Erst wenn die Nieren versagen, wird es laut für den Menschen – mit Dialyse, Transplantation oder Lebensgefahr. „Die chronische Nierenerkrankung ist ein schleichender Prozess“, sagt Prof. Dr. Carsten Böger, Chefarzt der Nephrologie, Diabetologie und Rheumatologie am Klinikum Traunstein und Ärztlicher Leiter des KfH Nierenzentrums Traunstein. „Viele Patienten kommen erst zu uns, wenn die Funktion bereits stark eingeschränkt ist. Dabei könnten wir in frühen Stadien viel bewirken.“

Früher Test kann Leben retten

Die gute Nachricht: Früherkennung ist einfach mit einem Bluttest und einem Urintest. Dazu braucht es kein Hightech und keinen großen Aufwand, die Testung ist kostengünstig und nicht invasiv – und kann lebensrettend sein. Wer zur Risikogruppe gehört, sollte sich testen lassen: Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas oder familiärer Vorbelastung. „Wir müssen weg vom Reparieren, hin zum Vorbeugen“, fordert Prof. Dr. Böger. „Wenn wir Nierenschäden früh erkennen, können wir das Fortschreiten oft bremsen oder sogar aufhalten. Die hausärztliche Praxis spielt hier die wichtige Rolle, um bei den Menschen mit Nierenrisiko die Früherkennungsuntersuchung durchzuführen. Das klappt in unserer Region sehr gut.“ Früherkennung schützt nicht nur die Niere. Sie senkt auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Denn kranke Nieren belasten das gesamte Gefäßsystem. Wer die Niere schützt, schützt auch sein Herz.

Die häufigsten Ursachen

Bluthochdruck ist dabei einer der wichtigsten Auslöser. Mehr als ein Viertel aller Fälle von Nierenversagen geht auf sein Konto. Der Druck im Gefäßsystem schädigt auf Dauer das empfindliche Filtergewebe. Noch häufiger wirkt Diabetes. Rund ein Drittel aller Fälle chronischer Nierenerkrankung hängt mit ihm zusammen. Auch Adipositas beschleunigt das Fortschreiten. Entzündungen der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis) können ebenso verantwortlich sein wie Infektionen des Nierenbeckens (Pyelonephritis). Manche Formen sind erblich, etwa die polyzystische Nierenerkrankung. Und manchmal ist es ein mechanisches Problem: langanhaltende Abflussstörungen durch eine vergrößerte Prostata oder Nierensteine können die Nieren dauerhaft schädigen.

Früh behandeln heißt bremsen

Heilbar ist die chronische Nierenerkrankung nicht. Aber ihr Verlauf lässt sich bremsen und mit den neuen Medikamenten, die es heutzutage gibt, sogar aufhalten. Prof. Dr. Böger ordnet ein: „Es gibt die international anerkannten „8 goldenen Regeln“ für gesunde Nieren – ausreichend trinken, Blutdruck kontrollieren, Blutzucker im Blick behalten, ausgewogen essen, Bewegung, Rauchverzicht, Vorsicht bei Schmerzmitteln und regelmäßige Kontrollen. Das heißt also: Je besser der Blutdruck im Normalbereich liegt, desto langsamer sinkt die glomeruläre Filtrationsrate (GFR), also die Filterleistung der Niere. Weniger Salz hilft, den Druck zu senken. Ebenso wichtig ist die Kontrolle von Blutzucker, Blutfetten und Blutarmut. Wer raucht, sollte aufhören.“ Mehr Bewegung und Gewichtskontrolle gehören ebenfalls zur Therapie und Medikamente können den Verlauf deutlich verzögern.

In Traunstein besteht für die Diagnostik und Therapie von Nierenerkrankungen eine hohe Expertise: im Klinikum Traunstein versorgt die zertifizierte Nephrologische Schwerpunktklinik Nierenpatienten stationär, im KfH Nierenzentrum erfolgt die ambulante Betreuung. Ein gut eingespieltes ärztliches und pflegerisches Team sorgt in beiden Einrichtungen für bestmögliche Versorgung aus einer Hand, um Dialyse zu vermeiden. Durch diese Zentrumsbildung für die überregionale Versorgung besteht hohe Erfahrung auch bei seltenen Erkrankungen.

Wenn die Niere versagt

Erreicht die Krankheit das Endstadium, bleibt nur noch Ersatz. Dialyse oder Nierentransplantation übernehmen die Aufgabe der versagenden Organe. Man spricht von Nierenersatztherapie, weil sie die natürliche Funktion nachahmt: Abfallstoffe und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut entfernen. Prof. Böger warnt eindringlich: „Die Botschaft ist klar: Die Niere leidet lange still. Wer Ursachen konsequent behandelt, gewinnt Zeit. Wer früh handelt, schützt sein Leben.“