10.09.2026 - Traunstein

Patientensicherheit entscheidet sich an den Schnittstellen

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) stellt den Aktionstag unter das Motto „Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben!“. Ein Gespräch mit Reinhold Frank, Leitung Geschäftsbereich Qualität, Governance und Nachhaltigkeit der Kliniken Südostbayern, über Schnittstellen und warum Patientensicherheit nicht erst bei der Behandlung in der Klinik beginnt.

Herr Frank, warum stehen chronisch erkrankte Menschen diesmal im Mittelpunkt?

Weil ihre Versorgung besonders anspruchsvoll ist. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen oder psychische Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen für eingeschränkte Lebensqualität und vorzeitige Sterblichkeit. Die Behandlung dauert häufig viele Jahre. Und sie reicht von Prävention und Diagnostik über Therapie und Pflege bis zu Rehabilitation und Nachsorge.

Viele Jahre Behandlung bedeuten auch viele Beteiligte. Ist genau das das Problem?

Es ist zumindest eine Herausforderung für die Patientensicherheit. Zahlreiche Berufsgruppen und unterschiedliche Versorgungsbereiche sind beteiligt. Besonders wichtig sind die Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung oder zwischen medizinischer, pflegerischer und rehabilitativer Betreuung. An diesen Punkten müssen Informationen zuverlässig weitergegeben werden.

Was macht eine sichere Versorgung aus?

Eine gut koordinierte Betreuung hilft, Informationsverluste zu vermeiden. Hinzu kommt die sichere Behandlung und Medikation. Viele chronisch erkrankte Menschen erhalten komplexe Therapien und nehmen mehrere Arzneimittel gleichzeitig ein. Ein strukturiertes Medikationsmanagement und regelmäßige Überprüfungen können vermeidbare Risiken reduzieren.

Patientensicherheit beginnt also nicht erst bei der Behandlung?

Nein, Prävention, Gesundheitsförderung, Nachsorge und das frühzeitige Erkennen von Risiken, Erkrankungen und Komplikationen gehören ebenfalls dazu. So können gesundheitliche Folgen vermindert und die Lebensqualität verbessert werden.

Welche Rolle haben die Patientinnen und Patienten selbst?

Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen sind Partner einer sicheren Versorgung. Sie brauchen verständliche Informationen. Gemeinsame Entscheidungen und offene Kommunikation stärken die Sicherheit und den Behandlungserfolg.

Das klingt nach einer Aufgabe, die keine Berufsgruppe allein lösen kann.

Genauso ist es, es braucht Kontinuität, enge interdisziplinäre Zusammenarbeit, Standards, verlässliche Kommunikation und eine Sicherheitskultur, die das Lernen aus Risiken und Fehlern fördert.

Was ist das wichtigste Ziel dieses Tages?

Auf die Besonderheiten und speziellen Herausforderungen in der Versorgung chronisch kranker Patientinnen und Patienten im Kontext Patientensicherheit aufmerksam machen. Alle Akteure müssen sich der Risiken bewusst sein und wirkungsvolle Präventionsinstrumente entwickeln bzw. diese richtig einsetzten, damit vermeidbare Schäden reduziert werden. Hier sehen wir unsere Verantwortung als KSOB, mit unserem Patientensicherheits- und Risikomanagementsystem alle relevanten Sicherheitslücken zu erkennen und nachhaltig zu schließen. Wir sehen uns hier als verlässlicher Partner für alle Sektoren der Gesundheitsversorgung in der Region.  Der Welttag soll Patientensicherheit sichtbar machen – und möglichst viele Menschen zum Mitmachen bewegen. Zusammengefasst möchte ich sagen: Patientensicherheit gelingt nur gemeinsam, dafür möchten wir Bewusstsein schaffen.