24.09.2026 - Klinikum Traunstein

Ich habe mein Leben in die Hand genommen

v.l. Prof. Dr. Christian Jurowich, Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie und stellv. Leiter des Darmkrebs- und Pankreaszentrums, Dr. Birgit Reinisch, Oberärztin Allgemein- und Viszeralchirurgie, Patientin Frau W., Dr. Markus Ewald, Oberarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. Björn Lewerenz, Chefarzt Gastroenterologie und Leiter des Darmkrebs- und Pankreaszentrums
v.l. Prof. Dr. Christian Jurowich, Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie und stellv. Leiter des Darmkrebs- und Pankreaszentrums, Dr. Birgit Reinisch, Oberärztin Allgemein- und Viszeralchirurgie, Patientin Frau W., Dr. Markus Ewald, Oberarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. Björn Lewerenz, Chefarzt Gastroenterologie und Leiter des Darmkrebs- und Pankreaszentrums

Eine 64-Jährige aus Traunstein wird nach schneller Diagnose im Pankreaskrebszentrum operiert – komplexer Eingriff entfernt den Tumor vollständig - Frau W. besiegt besiegt ihren Bauchspeicheldrüsenkrebs

Sie töpfert, strickt, näht, kocht und arbeitet gerne in ihrem Garten. Sie geht in die Berge und liebt die Ostsee. Und wenn es richtig kalt wird, fühlt sie sich erst recht wohl. „Am wohlsten habe ich mich in der Antarktis gefühlt“, erzählt Frau W. und lacht. Die Krankenschwester war dort sogar schon einmal mit einem Eisbrecher unterwegs. Frau W. ist ein Mensch, der nach vorne blickt. Einer, der Dinge selbst in die Hand nimmt. Diese Eigenschaft sollte ihr auch in einer Situation helfen, mit der sie vor wenigen Wochen nicht gerechnet hatte: der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Heute, mit fast 64 Jahren, lebt Frau W. mit ihrem Mann in Traunstein. Sie haben ein Adoptivkind und drei Enkelkinder. Ihr Leben ist erfüllt von Familie, Freunden und vielen Hobbys. Krank gefühlt hat sie sich eigentlich nie. Doch an einem Wochenende änderte sich etwas.

Sechs Stunden lang hatte sie starke, gürtelförmige Schmerzen im Oberbauch. Für viele Menschen wären solche Schmerzen zunächst vielleicht ein Grund, abzuwarten. Frau W. aber ist gelernte OP-Schwester. „Da sind bei mir die Alarmglocken angegangen“, sagt sie heute. Für sie war klar: „Stopp, hier ist etwas.“ Ihre Hausärztin hatte zunächst keinen auffälligen Befund festgestellt. Ultraschall und Blutwerte waren unauffällig. Für Frau W. war das jedoch nicht ausreichend. Sie wollte Gewissheit.

„Ich wollte das abgeklärt haben.“

Sie kontaktierte deshalb Dr. Markus Ewald, Oberarzt in der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Traunstein. Er lud sie kurzfristig in seine Sprechstunde ein. Von da an ging alles sehr schnell. „Ab in die Sono“, lautete die Empfehlung von Dr. Ewald. Mit einem spezialisierten Ultraschallkopf wurde die Bauchspeicheldrüse erneut untersucht. Diesmal zeigte sich ein auffälliger Befund. Noch am selben Tag folgten eine Magenspiegelung und eine endoskopische Ultraschalluntersuchung. Dabei wurde ein Tumor im Kopf der Bauchspeicheldrüse festgestellt und Gewebe zur weiteren Untersuchung entnommen.

Frau W. und ihrem Mann war damit klar, worauf es hinauslaufen würde:

Bauchspeicheldrüsenkrebs.

„Ich habe es eigentlich schon geahnt“, sagt Frau W. rückblickend. Ein Schock war die Diagnose dennoch. Aber sie beschreibt ihre Reaktion nicht als Zusammenbruch. „Ich bin ein Mensch, der sein Leben in die Hand nimmt und dann geht es vorwärts.“

Auch ihr Mann stand ihr von Anfang an zur Seite. „Wir haben gesagt: Wir gehen das an. Das ist der einzige Weg, den wir haben. Und das schaffen wir. Wir stehen zusammen.“ Diese Haltung sollte sie durch die kommenden Wochen begleiten.

Von der Diagnose zur Operation in nur zehn Tagen

Nach dem auffälligen Befund folgten weitere Untersuchungen mit CT und MRT. Die Termine wurden kurzfristig organisiert. Nur wenige Tage später stand fest: Der Tumor war operabel. Es gab keine Hinweise auf Metastasen. Eine Vorbehandlung mit einer medikamentösen Therapie war in diesem Fall nicht erforderlich.

„Von der Diagnose bis zur OP waren es zehn Tage“, erzählt Frau W. „Schneller geht es nicht. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.“

Für Prof. Dr. Christian F. Jurowich, Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Traunstein und Leiter des dortigen Pankreaskrebszentrums, ist die Geschwindigkeit dieses Ablaufs kein Zufall. Bei einem bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse sei eine rasche und sorgfältige Abklärung besonders wichtig. Gleichzeitig müsse jedoch für jeden Patienten individuell entschieden werden, welcher Behandlungsschritt der richtige sei, nicht jeder Patient mit Bauchspeicheldrüsenkrebs werde unmittelbar operiert.

Im Pankreaskrebszentrum am Klinikum Traunstein wird jeder einzelne Fall interdisziplinär in der Tumorkonferenz besprochen. Spezialisten verschiedener Fachrichtungen beurteilen gemeinsam die Befunde und legen die weitere Behandlung fest. „Es ist nicht immer sinnvoll, Patienten sofort zu operieren“, erklärt Prof. Dr. Jurowich. Je nach Tumor und individueller Situation könne beispielsweise zunächst eine medikamentöse Behandlung erfolgen. Entscheidend sei ein individuell abgestimmtes Gesamtkonzept. Bei Frau W. war die Situation eindeutig: Der Tumor konnte operativ entfernt werden.

Eine der komplexesten Operationen in der Bauchchirurgie

Bei Frau W. entfernte das Operationsteam den Kopf der Bauchspeicheldrüse, den Zwölffingerdarm und die Gallenblase. Der Magen konnte vollständig erhalten werden. Medizinisch gesprochen handelt es sich um eine sogenannte pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion. Umgangssprachlich wird dieser Eingriff häufig als „Whipple-Operation“ bezeichnet – streng genommen unterschied sich die bei Frau W. angewandte Operation davon jedoch durch den vollständigen Erhalt des Magens. „Die Operation, die Frau W. hatte, ist eine der größten und komplexesten Operationen in der Bauchchirurgie, die man überhaupt machen kann“, erklärt Prof. Dr. Jurowich.

Denn nach der Entfernung des Tumors müssen die verbleibenden Organe und ihre Verbindungen neu angeordnet werden. Bauchspeicheldrüse, Gallenwege und Verdauungstrakt werden wieder miteinander verbunden. Dadurch entsteht eine völlig neue anatomische Situation, an die sich der Körper zunächst gewöhnen muss.

Um mögliche Komplikationen möglichst zu vermeiden, arbeitet das Pankreasteam mit etablierten Standards. Dazu gehört unter anderem eine Drainage, die nach einer solchen Operation für mehrere Wochen verbleiben kann. Sie leitet einen großen Teil des Bauchspeicheldrüsensafts kontrolliert nach außen ab. Für Patienten kann ein solcher Schlauch zunächst ungewohnt und lästig sein. Für die Ärzte ist er jedoch ein wichtiger Bestandteil des Behandlungskonzepts. „Wir wollen möglichst komplikationsarm unterwegs sein“, sagt Prof. Dr. Jurowich. „Deswegen haben wir diese Standards etabliert.“ Das Team für Pankreas- und Darmkrebsbehandlungen am Klinikum Traunstein konzentriert die chirurgische Behandlung ganz bewusst auf einige wenige spezialisierte Operateure. Das schafft nicht nur gebündelte Erfahrung, sondern auch Kontinuität.

„Ich habe mich hier sehr gut aufgehoben gefühlt“

Für Frau W. war diese persönliche Ebene besonders wichtig. Sie kennt das Klinikum Traunstein aus ihrem eigenen Berufsleben. „Ich bin hoch beeindruckt“, sagt sie. Besonders wichtig sei für sie gewesen, dass sie nicht das Gefühl hatte, nur eine Patientin unter vielen zu sein.

Genau darin sieht Prof. Dr. Jurowich eine besondere Stärke des Zentrums. Das Klinikum Traunstein sei inzwischen ein großes und breit aufgestelltes Pankreaskrebszentrum. Gleichzeitig sei die Zahl der unmittelbar behandelnden Spezialisten überschaubar.

„Gerade bei bösartigen Erkrankungen ist diese persönliche Ebene für die Patienten entscheidend“, sagt er. Vertrauen sei eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Patienten den gemeinsamen Weg mit ihren behandelnden Ärzten gehen könnten. Dabei seien Patienten sehr unterschiedlich. Manche gingen selbstbewusst und entschlossen mit einer Diagnose um, andere seien von Angst und Unsicherheit geprägt. Medizinische Behandlung bedeute deshalb immer auch, den Menschen hinter der Erkrankung wahrzunehmen.

Frau W. gehört eindeutig zur entschlossenen Gruppe. Und vielleicht hilft ihr dabei auch ihr Humor. Während der Gespräche wird viel gelacht. Selbst wenn es um komplexe Operationstechniken und die Folgen einer entfernten Bauchspeicheldrüse geht, bleibt die Atmosphäre persönlich und zugewandt. „Humor entwickelt sich vor allem dann, wenn eine persönliche Ebene da ist“, sagt Prof. Dr. Jurowich.

„Wir stehen zusammen“

Auch ihre Familie und Freunde geben Frau W. Kraft. „Ich habe ganz viele Freunde, die hinter mir stehen, mir gute Energie schicken und bei mir sind“, erzählt sie. Ihre eigene Stärke beschreibt sie dabei ganz selbstverständlich: „Ich habe schwierige Dinge im Leben meistern müssen. Das hat mich stark gemacht. Und ich lasse mich von so etwas nie unterkriegen.“ Diese Haltung bedeutet nicht, dass die vergangenen Wochen einfach waren. Aber sie gibt ihr eine klare Richtung: nach vorne.

Und dafür gibt es inzwischen einen sehr wichtigen Grund:

Der Tumor konnte vollständig entfernt werden.

Es wurden keine Metastasen festgestellt. Aus medizinischer Sicht ist das eine sehr gute Ausgangssituation. „Man kann sagen: Sie hatte ein Pankreaskarzinom.“, erklärt Prof. Dr. Jurowich. „Wir haben eine R0-Situation, das heißt, der Tumor ist vollständig entfernt.“ Damit ist die Behandlung allerdings noch nicht abgeschlossen. Wie bei Patienten mit einem operierten Bauchspeicheldrüsentumor üblich, wird Frau W. anschließend eine Chemotherapie erhalten. Sie soll das Risiko verringern, dass einzelne, möglicherweise noch nicht nachweisbare Tumorzellen später erneut zu einer Erkrankung führen.

Dr. Birgit Reinisch, Oberärztin in der der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Traunstein, vergleicht diese Behandlung gerne mit einem Airbag im Auto: „Man hofft, dass man ihn nicht braucht. Aber es ist gut, ihn zu haben.“ Auch die weitere Versorgung ist bereits geplant. Die Patientinnen und Patienten werden nach einer solchen komplexen Operation nicht einfach aus dem Krankenhaus entlassen und sich selbst überlassen. Die weitere Therapie, Nachsorge und Rehabilitation werden organisiert und mit den weiterbehandelnden Ärzten abgestimmt.

Der Blick geht wieder nach vorne

Bis Frau W. ihre vollständige körperliche Leistungsfähigkeit zurückerlangt, wird es noch einige Zeit dauern. Die Operation war umfangreich, und die anschließende Chemotherapie wird den Körper zusätzlich fordern. Prof. Dr. Jurowich rechnet mit etwa einem halben Jahr, bis sich alles wieder weitgehend normalisiert hat, doch bereits jetzt ist die Entwicklung erfreulich.

Frau W. sitzt im Gespräch, erzählt, lacht und macht Pläne. Sie denkt an ihre Familie, ihre Freunde, ihren Garten und ihre Werkstatt. An das Töpfern. An die Berge. Vielleicht auch wieder an die Ostsee – und irgendwann bestimmt wieder an die nächste Reise. Sie trägt die Spuren der vergangenen Wochen mit sich, aber nicht mehr die Ungewissheit des Anfangs.

Aus der Diagnose „Bauchspeicheldrüsenkrebs“ ist für sie inzwischen eine Geschichte geworden, die sie selbstbewusst erzählen kann: von einem ungewöhnlichen Schmerz, einer schnellen Diagnostik, einem hochkomplexen Eingriff und einem Behandlungsteam, dem sie vertraut hat. „Ich habe mein Leben in die Hand genommen“, sagt sie.

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Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebsbehandlung am Klinikum Traunstein

2025 wurden im Klinikum Traunstein 54 Pankreaskarzinom Primärfälle behandelt, (die Sollvorgabe der Dt. Krankenhausgesellschaft für diese Fälle liegt bei 25), 44 Pankreasoperationen wurden insgesamt durchgeführt (Sollvorgabe >20). Im Bereich Darmkrebs sind die Zahlen im Klinikum Traunstein ebenso eindrücklich: 159 Primärfälle eines kolorektalen Karzinoms wurden verzeichnet, operativ versorgt wurden davon 53 (Sollvorgabe >20). Eine operative Versorgung des Kolons fand in 73 Fällen statt (Sollvorgabe >30).

Das Klinikum Traunstein nimmt mit diesem weit überdurchschnittlichen Erfahrungshintergrund (2025 Primärfälle Darmkrebs Median bundesweit 88, Traunstein 159) einen Platz unter den obersten 5 % der bundesweit insgesamt 319 Darmkrebszentren ein. Bei den Pankreaskrebszentren steht Traunstein mit 54 Primärfällen ebenfalls deutlich über dem Median von 46 Fällen bei insgesamt 174 Standorten bundesweit.