30.10.2026 - Kliniken Südostbayern

Landkreise stellen Weichen für die Zukunft der Kliniken Südostbayern

Zusammen für die Zukunft der KSOB: vorne v.r. Andreas Danzer, Landrat des Landkreises Traunstein, und Michael Koller, Landrat des Landkreises Berchtesgadener Land; hinten v.r. Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender KSOB, Philipp Hämmerle, Vorstand KSOB und Dr. Christoph Lung, Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall.
Zusammen für die Zukunft der KSOB: vorne v.r. Andreas Danzer, Landrat des Landkreises Traunstein, und Michael Koller, Landrat des Landkreises Berchtesgadener Land; hinten v.r. Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender KSOB, Philipp Hämmerle, Vorstand KSOB und Dr. Christoph Lung, Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall.

Zukunftsagenda schafft Perspektiven für die medizinische Versorgung und weitere Investitionen – KSOB setzen mit „KSOB 2030+“ auf zukunftsfähige Versorgungsstrukturen

Die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land bekennen sich zur Zukunft der Kliniken Südostbayern (KSOB) in kommunaler Trägerschaft. Mit einer gemeinsamen Zukunftsagenda haben die Anteilseigner den strategischen und finanziellen Rahmen für die Weiterentwicklung des Klinikverbunds über 2027 hinaus vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen eine verlässliche medizinische Versorgung, notwendige Investitionen und dauerhaft wirtschaftlich tragfähige Strukturen. Die KSOB wollen diesen Weg mit dem Nachfolge-Strategieprogramm „KSOB 2030+“ fortsetzen.

Bei einem Pressegespräch in der Kreisklinik Bad Reichenhall erläuterten die Landräte Andreas Danzer (Traunstein), KSOB-Aufsichtsratsvorsitzender, und Michael Koller (Berchtesgadener Land), stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, die Zukunftsagenda. Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher und Vorstand Philipp Hämmerle ordneten die strategischen und medizinischen Perspektiven ein. Der Bad Reichenhaller Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung betonte die Bedeutung der Pläne für die Zentralklinik Berchtesgadener Land.

Landkreise stellen weitere Investitionsunterstützung in Aussicht

Das bisherige Hilfspaket der beiden Landkreise läuft Ende 2027 aus. Für 2028 bis 2035 sieht die Zukunftsagenda nun Investitionszuschüsse von insgesamt zwölf Millionen Euro jährlich vor: acht Millionen Euro vom Landkreis Traunstein und vier Millionen Euro vom Landkreis Berchtesgadener Land. Die Mittel sind an sechs Bedingungen und die erforderlichen Beschlüsse geknüpft.

„Die beiden Landkreise stehen zu den Kliniken Südostbayern in kommunaler Trägerschaft. Und wir stehen zu einer verlässlichen, qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung für die Menschen in unserer Region“, betonte Landrat Andreas Danzer. Die Zukunftsagenda sei ein Bekenntnis und zugleich ein Arbeitsauftrag.

Zu den Anforderungen zählt eine belastbare Wirtschafts- und Investitionsplanung bis 2035 mit dem Anspruch, ab 2028 ohne Betriebskostendefizitausgleiche und langfristige Liquiditätszuschüsse auszukommen. Das ist ein Planungsziel, keine garantierte Ergebnisprognose. Zudem kann die Kapitalrücklage unter bestimmten Voraussetzungen um insgesamt bis zu 30 Millionen Euro durch Umwandlung bereits gewährter Gesellschafterdarlehen gestärkt werden; damit sind keine zusätzlichen neuen Mittel verbunden.

KSOB 2030+: Medizinische Versorgung weiterentwickeln

Mit KSOB 2.0 haben die Kliniken Südostbayern bereits vor der aktuellen Krankenhausreform begonnen, Angebote stärker am Bedarf auszurichten. Dazu gehören Spezialisierung, standortübergreifende Zusammenarbeit, ambulante Leistungen und Kooperationen. Das Nachfolgeprogramm KSOB 2030+ soll diesen Weg unter veränderten gesetzlichen und wirtschaftlichen Bedingungen fortsetzen.

„Wir haben mit KSOB 2.0 frühzeitig begonnen, unsere medizinischen Strukturen zukunftsfähig aufzustellen. Mit KSOB 2030+ entwickeln wir diesen Weg konsequent weiter. Unser Maßstab ist nicht die Zahl der Krankenhausbetten, sondern die Frage, welche medizinischen Leistungen die Menschen in unserer Region benötigen“, erläuterte Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher.

Die KSOB konnten ihr Defizit in den vergangenen Jahren deutlich reduzieren. Krankenhausreform, Leistungsgruppen und zusätzliche finanzielle Belastungen erzeugen jedoch weiteren Anpassungsdruck. „Medizinische Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, so Dr. Gretscher.

Bad Reichenhall: Schrittweise Erneuerung für die Zentralklinik Berchtesgadener Land

Der Standort Bad Reichenhall soll langfristig weiterentwickelt werden, um die Akut- und Notfallversorgung im südlichen Verbundgebiet verlässlich sicherzustellen. „Für uns ist klar: Wir wollen den Standort Bad Reichenhall nachhaltig weiterentwickeln“, erklärte Landrat Michael Koller.

Vorgesehen ist eine schrittweise Erneuerung für die Zentralklinik Berchtesgadener Land am bestehenden Standort: Modernisierungen im Bestand sowie ein neuer Funktionsbau. Erste unabhängige Bestandsmaßnahmen sollen teilweise 2027 beginnen. KSOB-Vorstand Philipp Hämmerle: „Entscheidend ist, dass wir die einzelnen Maßnahmen sorgfältig aufeinander abstimmen und dabei den laufenden Klinikbetrieb berücksichtigen.“

Dr. Christoph Lung, Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall, ergänzt: „Der Klinikstandort Bad Reichenhall ist für die Stadt und den gesamten Landkreis von größter Bedeutung. Dessen Erhalt und Weiterentwicklung ist damit prioritäres Interesse der Stadt Bad Reichenhall.“

Die Planung soll eng mit Bauabschnitt 3 in Traunstein abgestimmt werden, dessen Bauausführung 2028 beginnen soll. Die Inbetriebnahmen der Funktionsbauten sollen möglichst zeitlich eng aufeinander folgen. Konkrete Kosten und Termine setzen belastbare Planungen voraus.

Berchtesgaden: Ergebnisoffene Prüfung

Für den Standort Berchtesgaden ist noch keine abschließende Entscheidung über die künftige medizinische Struktur getroffen. Bis zur Aufsichtsratsklausur im November 2026 soll ein belastbarer, finanzierbarer und entscheidungsreifer Variantenvergleich vorliegen. Zu prüfen sind unter anderem sektorenübergreifende Versorgungsangebote und ergänzende Angebote für ältere Menschen, ebenso medizinischer Bedarf, Erreichbarkeit und mögliche vorübergehende Kapazitätsverlagerungen während der Maßnahmen in Bad Reichenhall.

„Wir gehen nicht mit einer bereits festgelegten Lösung in diesen Prozess. Entscheidend ist ein fundierter Vergleich der Möglichkeiten“, betonte Koller. Erst nach Prüfung und den notwendigen Entscheidungen lässt sich das künftige konkrete Leistungsspektrum benennen.

Traunstein stärken – Trostberg weiterentwickeln

Das Klinikum Traunstein bleibt als Schwerpunktversorger zentraler Pfeiler des Verbunds. Bauabschnitt 3 soll die langfristigen baulichen Voraussetzungen schaffen. Für die Kreisklinik Trostberg besteht derzeit kein baulicher Handlungsbedarf; Änderungen am medizinischen Leistungsspektrum oder an den baulichen Gegebenheiten sind nach aktueller Planung nicht vorgesehen.

Gemeinsame Verantwortung

Die Landkreise setzen den strategischen und finanziellen Rahmen. Der KSOB-Vorstand verantwortet die medizinische, wirtschaftliche und operative Planung; erforderliche Beschlüsse bleiben den zuständigen Gremien vorbehalten. „Unser gemeinsames Ziel ist ein Klinikverbund, der den Menschen in unserer Region auch langfristig eine verlässliche, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung bietet und zugleich wirtschaftlich tragfähig aufgestellt ist“, fasste Danzer zusammen.