Nordamerika für Fortgeschrittene
Wolfgang Raufeisen fuhr mit seinem Motorrad durch Kanada, Alaska und die USA – und sammelte mit seinen Reisevorträgen 800 Euro Spenden für die Pflege-Ausbildung ein
Von Vancouver aus bis an den Rand des Arktischen Ozeans, über Schotterpisten und durch Bärenland mitten in der menschenleeren Wildnis bis in den Südwesten der USA: Wolfgang Raufeisen hat sich einen Traum erfüllt und ist mit seinem großen Reisemotorrad den nördlichen Teil der Panamericana gefahren. Der 63-jährige war bis zur Freistellungsphase der Altersteilzeit Krankenpfleger und Lehrer für Pflegeberufe an der Berufsfachschule für Pflegeberufe in Traunstein. Letztes Jahr war er dann von Juni bis September Tausende Kilometer durch Kanada, Alaska und die USA unterwegs.
Wer Wolfgang Raufeisen kennt weiß, dass dessen Herz seit seiner Jugend für motorisierte Zweiräder schlägt. Und schon seit langem entdeckt der verheiratete Vater zweier Söhne und Großvater von zwei Enkelinnen ferne Länder am liebsten vom Motorradsattel aus.
Bis ans Ende der „Sackgasse“ nach Prudhoe Bay
Darum jetzt: Panamericana, denn der Name allein verhieß große Abenteuer. Aber erst einmal verlangte der Start seiner Reise Geduld. Das Motorrad traf drei Wochen verspätet in Vancouver ein – liegend in einem Container zusammen mit drei weiteren Maschinen, aber unbeschädigt. Eigentlich wollte Raufeisen die Reise mit anderen Bikern antreten, die er in Vancouver kennengelernt hatte. Doch daraus wurde nichts: „Da war ein Pärchen, mit dem ich eigentlich fahren wollte. Das hat aber nicht gepasst.“
Also machte er sich allein auf den Weg nach Norden. Zunächst durch Kanada, dann nach Alaska. Dort warteten die größten Herausforderungen dieser Reise: „In Alaska sind die Straßen fast unfahrbar, die sind für große Trucks oder die dort üblichen Riesen-Pickups gebaut. Aber mit dem Motorrad sind sie eine echte Herausforderung. Allein für die 240 Kilometer von Inuvik nach Tuktoyaktuk und zurück habe ich zwölf Stunden gebraucht. Aber wer ein Ziel hat, nimmt auch schlechte Straßen in Kauf.“
Bären und andere Herausforderungen
Die Route führte ihn über Vancouver Island und Prince Rupert nach Tok und Delta Junction bis Fairbanks. Von dort ging es weiter nach Deadhorse an der Prudhoe Bay. Die Strecke dorthin beschreibt Raufeisen als die „gefährlichste und längste Sackgasse der USA“ – 700 Kilometer Schotterstraße durch die Einsamkeit Alaskas. Auch die Natur zeigte ihre raue Seite: „Immer allein zu sein, mit der Gefahr zu stürzen oder einen technischen Defekt zu haben, war schwierig“, sagt er, denn in der Weite des Nordens lerne man schnell die Bedeutung von Einsamkeit und Wildnis kennen. „Wenn du liest, die nächsten 400 Kilometer No Service, dann heißt das kein Essen, kein Sprit und im Zweifelsfall auch keine Hilfe.“ Dreimal geriet Raufeisen in kritische Situationen: drei Beinahe-Stürze, die aber allesamt glimpflich endeten. Einmal verfehlte er nach einem Schlammloch nur knapp den nächsten Baum. Verletzt wurde er nie und seine Maschine brachte er jedes Mal allein wieder in Gang.
Auch die Begegnungen mit der Tierwelt hinterließen Eindruck. „Die Bären haben mir schon großen Respekt abgenötigt.“ Deshalb gehörte eine spezielle Bärensicherung zur Grundausstattung, ein so genannter „Bärensafe“ für Nahrungsmittel und alles, was duftet oder riecht – sonst kommen die Tiere.
In Alaska führte die Reise dann über den Denali-Nationalpark, Anchorage, die Kenai-Halbinsel, Valdez, Dawson City, Whitehorse und Watson Lake in Richtung Kanadas Westen. Besonders begeistert zeigte sich Raufeisen dort von den 300 km zwischen Jasper und Banff: „Allein diese Strecke wäre ein Urlaub wert.“ Die Stadt Leavenworth im US-Bundesstaat Washington schließlich weckte Erinnerungen an die Heimat: „Da meinst du, du bist in Reit im Winkl.“
Zusammen durch die USA nach Süden
Schließlich erreichte er Seattle. Dort bekam er Gesellschaft und seine Frau Barbara begleitete ihn ab da drei Wochen lang für die Reise entlang der Westküste bis nach San Diego. Gemeinsam besuchten sie die gewaltigen Redwoods mit den größten Bäumen der Welt und sahen in Malibu die Folgen der Waldbrände: „Auch die Tiere dort leiden und haben nix mehr zu fressen.“
Ab San Diego setzte Raufeisen seine Reise wieder allein fort – über den Hoover-Damm, Las Vegas, das Death Valley und Los Angeles. Die ursprünglich geplante Weiterfahrt nach Mexiko unterließ er: „Auf Wunsch meiner Frau bin ich dann nicht nach Mexiko gefahren, weil es zu gefährlich war.“
Zurück in der Heimat berichtete Raufeisen von seinen Erlebnissen bei zwei Vorträgen im Bildungszentrum für Pflegeberufe in Traunstein und im Bergbaumuseum Achthal-Neukirchen. Die Besucher zeigten sich großzügig: Insgesamt kamen 800 Euro an Spenden zusammen.
Das Geld kommt der Pflege-Ausbildung zugute und ermöglicht eine besondere Teamweiterbildung oder eine vergleichbare Maßnahme für die Lehrkräfte der Krankenpflegeschule. In der Berufsfachschule für Pflegeberufe werden neben Pflegefachhilfskräften und Pflegefachkräften auch Medizinisch-technische Assistenten sowie Anästhesietechnische Assistenten (ATA) und Operationstechnische Assistenten (OTA) ausgebildet. ATA übernehmen wichtige Aufgaben vor, während und nach der anästhesiologischen Versorgung (z. B. Allgemeinanästhesie bei operativen Eingriffen). Sie bereiten unterschiedliche Verfahren vor, stellen dafür die Funktion von medizinisch-technischen Geräten sicher und bereiten Medikamente sowie für das Verfahren geeignete Medizinprodukte vor. OTA übernehmen wichtige Aufgaben vor, während und nach der Operation von Patientinnen und Patienten. Sie bereiten die für die OP benötigten unterschiedlichen Instrumente und Materialien vor, stellen die Funktion von medizinisch-technischen Geräten sicher und unterstützen die Positionierung der Patientinnen und Patienten auf dem OP Tisch und instrumentieren intraoperativ.
Unterstützt wurden die Vorträge von der Kliniken Südostbayern AG, der Firma Kfz Langwieder in Teisendorf/Neukirchen sowie von Roland Klosa, Hubert Strobl und Barbara Langwieder.
Die Reise geht weiter: Auf der Panamericana durch Südamerika
Für Wolfgang Raufeisen ist die Reise noch lange nicht zu Ende. Kaum zurück in Bayern, richtet sich sein Blick bereits auf den nächsten Abschnitt der Panamericana. Von November 2026 bis März 2027 will der 63-Jährige die Route durch Südamerika fortsetzen.
Startpunkt soll Valparaíso in Chile sein. Von dort aus plant er die Fahrt nach Norden bis nach Peru und Bolivien. Anschließend geht es wieder südwärts durch Argentinien – bis ans andere, ans südliche Ende der Welt nach Feuerland. Ushuaia, die südlichste Stadt Argentiniens, gilt für viele Motorradreisende als eines der großen Ziele auf der Panamericana. Für Raufeisen ist sie jedoch vermutlich nicht das Ende der Route: „Dann schau ich mal weiter, vielleicht fahre ich danach noch nach Uruguay und Paraguay.“
Wie schon auf der Nordamerika-Reise wird ihn seine Frau Barbara zeitweise begleiten. Einige der spektakulärsten Landschaften Südamerikas möchten die beiden gemeinsam erleben: „Besonders die Atacama-Wüste und die Reise nach Ushuaia auf Feuerland interessieren sie.“ Welche Bedingungen dort auf den Motorradfahrer warten, wird sich erst vor Ort zeigen. „Mal schauen, wie die Straßen sind.“
Wer Wolfgang Raufeisen zuhört, merkt schnell: Für ihn sind nicht nur die Ziele entscheidend, sondern vor allem die Wege dorthin. Die Ungewissheit, die Freiheit und die Begegnungen unterwegs gehören für ihn genauso zur Reise wie die großen Landschaften zwischen Anden, Wüste und Patagonien. Nach Alaska, dem Westen Kanadas und der amerikanischen Westküste wartet also nun die nächste große Herausforderung, denn das Abenteuer Panamericana ist für Wolfgang Raufeisen noch nicht zu Ende – es führt ihn weiter Richtung Süden, auf Straßen, die er bislang nur von Karten und Reiseberichten kennt.