EIN PLUS AN THERAPIE

Unsere Musikgeragogin

„Mit Musik kann man alle Menschen erreichen, egal, ob krank oder gesund“, erklärt Gabriele Bauer-Will. Die Musikgeragogin arbeitet mit älteren Menschen, die oft an mehreren Krankheiten oder an Demenz leiden. Regelmäßig besucht sie die Patienten der Akutgeriatrie in der Kreisklinik Trostberg, singt und musiziert mit ihnen.

Die diplomierte Musikpädagogin nimmt sich Zeit. Sehr behutsam nähert sie sich den Kranken, um herauszufinden, welche persönliche Bedeutung die Musik für den jeweiligen Patienten hat. „Mit Musik verbinden die Menschen meist schöne Erinnerungen und die damit verbundenen Gefühle wollen wir bei den alten Menschen wieder aufleben lassen“, erklärt die empathische Therapeutin. Diese positiven Erinnerungen helfen negative Gefühle, wie beispielsweise bei Depressionen, aufzuhellen und neue Lebensfreude zu aktivieren. „Patienten, die vorher still nebeneinander liegen, finden über die Musik Gesprächsthemen und kommen so ins Reden. Auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus musizieren viele weiter. Sie singen begeistert zur Radiomusik mit oder machen wieder gemeinsam mit der Familie oder Freunden Musik“, freut sich Bauer-Will über die neu gewonnene Teilhabe ihrer ehemaligen Patienten am sozialen Leben.
Positive Wirkung von Musik

Die positiven Auswirkungen von Musik auf den Menschen bestätigt auch Dr. Marianne Gerusel-Bleck, Leitende Ärztin der Akutgeriatrie an der Kreisklinik Trostberg. Singen stärkt die Lungenfunktion und hat eine schleimlösende Wirkung, was zur Heilung, beispielsweise bei einer Lungenentzündung, beiträgt. Die ausgeschütteten Glückshormone helfen bei Depression und Menschen mit Sprachstörungen beispielsweise nach einem Schlaganfall können sich mit Musik oft an die Bedeutung von Worten wieder erinnern“, erklärt die erfahrene Internistin. „Darüber hinaus aktiviert Musik beide Gehirnhälften, was bei Schlaganfall-Patienten enorm hilfreich sein kann. Wir hatten einmal eine Patientin mit einer Hirnschädigung, die ihren linken Arm nicht bewegen konnte. Frau Bauer-Will besuchte die ältere Dame mit ihrem Roll-Piano und eines Tages begann die Patientin ganz zaghaft mit den Fingern der rechten Hand zu spielen. Nach und nach – verstärkt durch das Summen unserer Musikgeragogin – folgten dann auch der linke Arm und die Finger der linken Hand“, erzählt Dr. Gerusel-Bleck begeistert. „So ein Fortschritt ist für das ganze Team eine unglaubliche Motivation und für mich persönlich eine großartige Bestätigung, was Musik leisten kann“, bestätigt Bauer-Will und bekräftigt leidenschaftlich: „Singen hat eine ganzheitlich stimulierende Wirkung. Das Gehirn wird wacher. Die Menschen spüren wie selbstwirksam sie sind. Sie erkennen, dass sie auch im hohen Alter noch Vieles können. Aus dieser Erkenntnis speist sich oft eine neue Lebensenergie. Musik macht glücklich.“

Neben den Patienten profitieren aber auch die Kollegen im Krankenhaus von der Musik. „Uns tut das auch gut, wenn wir über die Station gehen und die Musik hören. Die stimulierende Wirkung gilt schließlich für uns alle“, betont Dr. Gerusel-Bleck. 

Erfüllung in der Arbeit

Die Begeisterung für ihren Beruf sieht man Gabriele Bauer-Will sofort an. Strahlend berichtet sie von ihrer Arbeit und auch von den vielen Glücksmomenten, die sie in den letzten vier Jahren erlebte. Vor zwei Jahren besuchte sie am Heiligabend eine Patientin in der Fachklinik Ruhpolding. Die Frau musste über Weihnachten in der Klinik bleiben, wegen Corona waren Besuche nicht möglich. Gabriele sang mit der Patientin, die kaum Deutsch sprach, bekannte Weihnachtslieder. Über die Musik entstand eine weihnachtliche, friedvolle Atmosphäre. „Meine Musikarbeit auf der Akutgeriatrie befriedigt mich sehr und schenkt mir immer wieder Glücksmomente“, bekennt Bauer-Will, die auch noch als Musiklehrerin und als freiberufliche Künstlerin arbeitet.