Postoperative
Schmerztherapie
Der Narkosearzt trägt dafür Sorge, dass Sie während der Operation keine Schmerzen verspüren. Oft treten jedoch nach der Operation noch Schmerzen auf, die von Patient zu Patient unterschiedlich stark sein können. Daher werden Sie nach größeren Operationen oder bei stärkeren Schmerzen nach der Operation durch den perioperativen Schmerzdienst der Anästhesieabteilung betreut.
Zur Behandlung der durch die Operation bedingten Schmerzen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Häufig ist bei kleineren chirurgischen Eingriffen ein Zäpfchen mit einem schmerzlindernden Effekt ausreichend. Auch die Gabe von Schmerztabletten oder Schmerztropfen genügt bei kleineren chirurgischen Eingriffen. Bei großen Operationen am Magen, dem Darm, der Lunge oder der Leber sind jedoch in der Regel stärkere Schmerzmittel, die auf unterschiedlichem Weg in den Körper gelangen, notwendig.
Für die Schmerztherapie möchten wir Ihnen die möglichen Verfahren vorstellen:
Patienten kontrollierte Analgesie (PCA)
Die PCA-Technik ermöglicht es Ihnen, sich selbst Schmerzmittel über eine Pumpe zu geben. Sie selbst entscheiden bei der PCA darüber, wann Sie sich ein Schmerzmittel verabreichen möchten. Wenn die Schmerzen so stark werden, dass Sie ein Schmerzmittel erhalten möchten, drücken Sie einen Knopf und eine eingestellte Menge eines Schmerzmittels wird über den Venenzugang von der Pumpe verabreicht. Sie sollten aber immer nur dann auf den Knopf drücken, wenn der Schmerz eine Stärke erreicht hat, die für Sie nicht mehr akzeptabel erscheint. Insbesondere sollten die Schmerzen nicht so stark werden, dass Sie am tiefen Durchatmen oder Husten gehindert werden.
Kann die Schmerzpumpe zu viel Schmerzmittel abgeben?
Die Pumpe wird vom zuständigen Narkosefacharzt so programmiert, dass jeweils nur eine kleine Menge abgegeben wird (kontinuierlich). Diese Menge wird speziell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt. Zusätzlich können Sie sich bedarfsadaptiert in einem Abstand von 10 bis 15 Minuten eine geringe Schmerzmittelmenge selbst verabreichen. Die Pumpe ist so eingestellt, dass Sie, wenn Sie früher als nach 10 bzw. 15 Minuten den Knopf drücken, keine Injektion erhalten. Die Pumpe ist in diesem Fall gesperrt. Außerdem sind Höchstmengen einprogrammiert, so dass eine bestimmte Menge innerhalb eines festgelegten Zeitraums nicht überschritten werden kann.
Periduralanästhesie (PDA) mittels Periduralkatheter (PDK)
Die PDA ermöglicht Schmerzfreiheit für alle Eingriffe unterhalb des Schlüsselbeines, an Oberkörper, Bauch, Becken, Unterleib und den Beinen. Mit einer Hohlnadel wird zwischen zwei Wirbelkörpern der Raum vor der harten Rückenmarkhaut (Periduralraum) aufgesucht. Über diese Hohlnadel wird dann ein sehr dünner, flexibler Kunststoffschlauch in den Periduralraum vorgeschoben. Die Hohlnadel wird danach entfernt und der Katheter fixiert. Bei diesem Anästhesieverfahren werden die vom Operationsgebiet zum Rückenmark führenden Schmerzfasern mit Lokalanästhetikum betäubt. Über den verbleibenden Kunststoffschlauch können so für mehrere Tage Lokalanästhetika, auch mittels einer Spritzenpumpe, zugeführt werden. Dies führt zu einer weitestgehenden Schmerzfreiheit nach einer Operation.
Plexusanästhesie/Leitungsanästhesie
Die Plexusanästhesie oder auch periphere Leitungsanästhesie eignet sich für Eingriffe an den Extremitäten (Oberarm, Unterarm, Hand, Oberschenkel, Unterschenkel und Fuss). Nach örtlicher Betäubung der Haut wird mit Hilfe eines elektrischen Nervenstimulators die Gefäß-/Nervenscheide, z.B. des Armes oder des Oberschenkels mit einer Nadel aufgesucht (siehe Abbildung).Muskelzuckungen im Bereich des Armes oder Beines zeigen sodann an, dass die Nadel in der Nähe des Nervs, welcher betäubt werden soll, liegt. Es wird dann ein Lokalanästhestikum in die Gefäß-/Nervenscheide injiziert. Nach etwa 15 Minuten wird der Arm oder das Bein warm, gefühllos und schließlich schmerzunempfindlich. Dieser Zustand hält bei einer einmaligen Gabe mehrere Stunden an. Für eine postoperative Schmerztherapie kann auch über die noch liegende Nadel ein Schmerzkatheter eingeführt werden. Über diesen liegenden Katheter kann das lokale Betäubungsmittel kontinuierlich über eine Pumpe an die Nerven geleitet werden. Eine frühe Mobilisierung der Extremität zur Krankengymnastik/Physiotherapie ist dadurch schmerzfrei möglich.
Betreuung der Patienten mit liegendem Plexuskatheter zur perioperativen Schmerztherapie
Ähnlich wie bei der Schmerzbehandlung mittels eines Periduralkatheters oder einer PCA-Pumpe werden Patienten mit einem Plexuskatheter täglich zweimal von einem Mitarbeiter der Anästhesieabteilung besucht.
Welches Verfahren zur postoperativen Schmerztherapie ist das Beste?
PCA oder PDK oder kontinuierliche Leitungsanästhesie? Nicht nach jedem operativen Eingriff lässt sich eine Scherzbehandlung über einen Periduralkatheter durchführen. Die Schmerztherapie über einen PDK bietet sich vor allem nach Operationen am Magen, dem Darm, der Bauchspeicheldrüse und bei größeren Eingriffen im Bereich des Brustkorbes und der Lunge an. Bei Operationen an den Extremitäten empfehlen wir häufig die Anlage einer Leitungsanästhesie (z.B. kontinuierlich).
Alternativ ist nach allen ausgedehnten Operationen auch eine Schmerztherapie als PCA sinnvoll und möglich. Wenn sich ein Periduralkatheter einmal nicht platzieren lässt, gibt es immer noch die Möglichkeit einer PCA-Pumpe (nach größeren Eingriffen). Der Narkosearzt wird beim Aufklärungsgespräch am Tag vor der Operation mit Ihnen die Möglichkeiten und die für Sie am besten geeignete Lösung besprechen.