Gemeinsam können Krebsspezialisten bessere Ergebnisse erzielen
Pressemitteilung zum "Chiemgauer Krebskongress" mit Onkologen, Hausärzten und Fachpflegern
Unter der Schirmherrschaft der Bayerischen Krebsgesellschaft und mit Unterstützung des Tumorzentrums München fand auf Gut Ising der „14. Chiemgauer Krebskongress“ des Onkologischen Zentrums Traunstein statt. Trotz Wochenende und schönstem Wetters waren rund 100 begeisterte Teilnehmer, überwiegend Onkologen, Internisten und Hausärzte, aber auch onkologische Fachpflegekräfte und Studienassistentinnen gekommen, um sich über „Aktuelles aus dem Onkologischen Zentrum Traunstein“ zu informieren.
Das Klinikum Traunstein wurde nach intensiver Aufbauarbeit zusammen mit seinen Kooperationspartnern bereits 2013 von der Deutschen Krebsgesellschaft zum Onkologischen Zentrum zertifiziert. Die Vorträge des „Chiemgauer Krebskongresses“ orientierten sich dieses Jahr gemäß seinem Motto inhaltlich an den einzelnen Organzentren, die unter dem Dach des Onkologischen Zentrums tätig sind. Zudem konnte das Spektrum durch weitere Schwerpunktbildungen wie Neurochirurgie oder Schilddrüsenchirurgie erweitert werden.
Moderator Dr. Thomas Kubin, Chefarzt der Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin im Klinikum Traunstein und neuer Sprecher des Onkologischen Zentrums Traunstein, der den traditionsreichen „Chiemgauer Krebskongress“ mit PD Dr. Rolf Schauer organisiert und das Programm zusammengestellt hatte, betonte, dass Krebs heutzutage überwiegend fachübergreifend (interdisziplinär) therapiert wird. Kein Mediziner könne alles behandeln. Krebsspezialisten könnten gemeinsam bessere Behandlungsergebnisse liefern.
Während des „Chiemgauer Krebskongresses“ wurde deutlich, welche gewaltigen Fortschritte in der Krebstherapie inzwischen gemacht wurden, sowohl in der Früherkennung als auch im Hinblick auf das große Ziel der Heilung. Zum Beispiel durch die Immuntherapie, über die Prof. Dr. Dr. Michael von Bergwelt, Direktor der 3. Medizinischen Klinik vom Klinikum in München-Großhadern in einem spannenden Vortrag berichtete. Bei der Immuntherapie wird das körpereigene Abwehrsystem stimuliert, damit der Organismus des Patienten die Krebserkrankung selbst bekämpfen bzw. seine Weiterentwicklung verhindern kann. Durch spezielle Antikörper (z.B. PD-1-Checkpoint-Inhibitoren) oder Genmanipulationen von körpereigenen Abwehrzellen (z.B. CAR-T-Zellen) kann die Immunabwehr deutlich gesteigert werden. Dadurch würden bereits erhebliche Fortschritte gemacht, so Prof. von Bergwelt. Auch in Traunstein werden solche Behandlungen bereits mit Erfolg eingesetzt.
Ebenso haben die Updates zur Behandlung von Lungenkrebs in den vergangen Jahren so große Fortschritte gemacht, dass er von einer schlecht behandelbaren zu einer teilweise ganz gut behandelbaren Erkrankung geworden ist, wie aus dem Vortrag von Prof. Dr. Frank Griesinger vom Pius-Hospital in Oldenburg hervorging. Deshalb mussten die aktualisierten Leitlinien zur Behandlung von Lungenkrebs 2018 gleich zweimal upgedatet werden. Die nächsten Neuerungen stünden in diesem Jahr bereits vor der Tür, sagte der Ordinarius für internistische Onkologie der Universität Oldenburg.
Chefarzt Dr. Joachim Deuble vom deutschen Schilddrüsenzentrum am Standort Trostberg informierte umfassend über die Behandlung von Schilddrüsenkrebs in seinen verschiedenen Facetten. Auch bei den Hirntumoren sind laut PD Dr. Jens Rachinger vom Neurozentrum Traunstein Operationen immer noch der wichtigste Therapieschritt. Durch bessere Überwachung (Monitoring) und neue Bildgebungsverfahren während der laufenden Operation verlaufen diese Eingriffe viel präziser, sodass die Nebenwirkungen solcher sehr diffiziler Operationen nun deutlich vermindert werden können.
Mit der Frage, ob Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) vermeidbar ist, beschäftigte sich der Vortrag von Chefarzt Prof. Dr. Christian Schindlbeck vom Gynäkologischen Krebszentrum Traunstein. Man habe erkannt, dass manche Karzinome durch Viren (sog. HPV-Viren) ausgelöst würden, so Prof. Schindlbeck. Prof. Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg habe 2008 für die Entdeckung dieses Zusammenhangs den Nobelpreis für Medizin erhalten. Es sollen deswegen nunmehr alle Kinder gegen diese Viren geimpft werden, damit sich die Häufigkeit dieser Tumoren stark vermindert.
PD Dr. Rolf Schauer, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Klinikum Traunstein, legte in seinen Ausführungen dar, dass entgegen früherer Meinungen beim Wiederauftreten (Rezidiv) von Dickdarmkarzinomen durch eine Operation von Metastasen, beispielsweise in der Leber und dem geschickten Einsatz einer Chemotherapie immer noch Heilungen möglich sind.
Abschließend kündigt Dr. Kubin an, dass diese erfolgreiche Veranstaltung weiter jährlich fortgesetzt wird und zusätzlich wieder ein großer Patiententag vom onkologischen Zentrum Traunstein für nächstes Jahr geplant ist.