07. März 2025

Vorsorge rettet Leben

Zum Darmkrebsmonat März: Die Geschichte des Ehepaars Marquardt über die Bedeutung von Darmkrebsfrüherkennung

Was wie eine Routinevorsorge begann, wird für das Ehepaar Marquardt zu einer lebensverändernden Erfahrung – und zu einem nachdrücklichen Appell für die Darmkrebsvorsorge. Alles beginnt mit Frau Marquardts Entscheidung, das Angebot zur Darmkrebsvorsorge ab 50 Jahren in ihrer hausärztlichen Praxis wahrzunehmen: Ein einfacher Stuhltest auf verborgenes Blut fällt auffällig aus – ein Alarmsignal, das dazu führt, dass sie zeitnah ins Klinikum Traunstein zur Darmspiegelung kommt.

Davor werden in einem Aufklärungsgespräch alle notwendigen Punkte besprochen. Auch mögliche Risiken, wie Vorerkrankungen oder die Einnahme von Medikamenten zur Blutverdünnung werden geprüft. "Die Abführmaßnahmen vorher waren das Unangenehmste an der ganzen Sache", erinnert sie sich, „Die eigentliche Untersuchung kriegt man ja durch die Schlafmittel gar nicht mit.“ Mehrere gutartige Polypen werden bei ihr entfernt, und der ärztliche Rat lautet: In drei Jahren zur Kontrolle wiederkommen.

Irrtum und bittere Wahrheit

Ihr Ehemann begleitet sie zum Aufklärungsgespräch. Auch er hat immer wieder Blut im Stuhl, schiebt dies aber auf Hämorrhoiden. Eine Koloskopie? „Ich habe keine Beschwerden, und Krebs gibt es in unserer Familie nicht“, meint er. Doch auf Anraten seiner Frau willigt er ein, ebenfalls eine Darmspiegelung machen zu lassen.

Was dann folgt, ist ein Schock: "Es war tatsächlich Darmkrebs", so Volker Marquardt. Der Hausarzt leitet sofort alle weiteren Maßnahmen ein und im Klinikum Traunstein werden eingehende Untersuchungen – Computertomografie, Kernspintomografie und Endosonografie – durchgeführt. Die bringen eine vergleichsweise gute Nachricht: Der Tumor ist auf die Schleimhaut des Enddarms begrenzt, das umgebende Gewebe, Lymphknoten oder andere Organe sind nicht betroffen. "Glück im Unglück", fasst Marquardt zusammen. „Gerade noch rechtzeitig erwischt.“

Kooperation und High-Tech

Im Klinikum Traunstein wird sein Fall in der interdisziplinären Tumorkonferenz vorgestellt, in der wöchentlich alle Fälle besprochen werden: Radiologen, Onkologen, Chirurgen und weitere Fachleute besprechen seinen Fall. Der Konsens der Expertinnen und Experten lautet: Eine direkte Operation ohne vorherige Chemo- oder Strahlentherapie sei die beste Wahl. "So viel wie nötig, so wenig wie möglich, das ist der Grundsatz jeder Behandlung." betont Dr. Björn Lewerenz, Chefarzt Innere Medizin/Gastroenterologie am Klinikum Traunstein.

Die Operation selbst wird kurze Zeit danach robotisch assistiert mit dem DaVinci-System durchgeführt. Der Leitende Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. André Prock erläutert: „Gerade beim männlichen Becken zeigt sich durch die Hilfe des Roboters eine deutliche Erleichterung für nervenschonende und trotzdem ausgedehnte Operationen zur Erzielung eines möglichst weitgehenden Heilerfolgs bei Patienten mit Enddarmkrebs.“ Nur vorübergehend erhält Volker Marquardt einen künstlichen Darmausgang, damit die Darmenden des Dickdarms in Ruhe ohne die Belastung durch Stuhl heilen können. "Die Anleitung zur Stoma-Versorgung war sehr hilfreich", berichtet Marquardt. Auch wird für ihn der Kontakt zum Sozialdienst hergestellt, da aufgrund der Tumorerkrankung zum Beispiel ein Antrag auf Schwerbehinderung gestellt werden kann. Nach etwas mehr als einer Woche ist er wieder auf den Beinen und kann die Klinik verlassen.

Alles fast wie vorher

Drei Monate später folgt die zweite Operation: Der Darmausgang wird erfolgreich zurückverlegt und der natürliche Darmausgang ist wiederhergestellt. "Alles fast wie vorher", freut sich Volker Marquardt. Nun geht er regelmäßig zu Nachsorgeuntersuchungen, um Rückfälle frühzeitig zu erkennen. In seinem Tumor-Nachsorgekalender werden die anstehenden Untersuchungen in den nächsten fünf Jahren dokumentiert.

Appell für die Darmkrebsvorsorge

Heute weiß Volker Marquardt: "Ohne meine Frau wäre der Krebs wohl zu spät entdeckt worden, das kann man wirklich verhindern." Ein Appell, den auch Chefarzt Dr. Björn Lewerenz teilt: "Darmkrebs ist heilbar – wenn er früh erkannt wird. Nutzen Sie die Vorsorgeangebote. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen." Das Ehepaar Marquardt steht mit seiner Geschichte für eine wichtige Botschaft: Vorsorge rettet Leben – und manchmal auch das der Liebsten.

 


Darmkrebsvorsorge: Gesetzliche Regelungen angepasst

Anfang 2025 wurden die gesetzlichen Regelungen zur Darmkrebsvorsorge für Frauen und Männer vereinheitlicht: Alle ab 50 Jahren können im Abstand von 10 Jahren zweimal eine Darmspiegelung durchführen lassen. Alternativ zur Darmspiegelung können Frauen und Männer ab 50 Jahren alle zwei Jahre einen Stuhltest machen, um verborgenes Blut zu entdecken.

Darmkrebszentrum am Klinikum Traunstein

Das Klinikum Traunstein wurde 2007 von der Deutschen Krebsgesellschaft zum Darmkrebszentrum zertifiziert und ist seither eines der aktuell ca. 40 zertifizierten Darmkrebszentren Bayerns (ca. 310 in ganz Deutschland). 2021 wurde Traunstein auch als Pankreaskrebszentrum zertifiziert und darf sich seither „Viszeralonkologisches Zentrum“ nennen. Jährlich wird das Zentrum rezertifiziert und muss einen umfassenden Anforderungskatalog erfüllen (Mindestfallzahlen, Erfahrung der Operateure u.v.m.). Auch 2025 steht die jährliche Re-Zertifizierung an, mit im Jahr 2024 etwa 150 durchgeführten Darmkrebsoperationen werden die Mindestanforderungen dafür weit übertroffen (Mindestanforderungen: 20 Operationen am Enddarm, 30 am Dickdarm). Seit 2023 werden viele Darmoperationen robotisch assistiert mit dem DaVinci OP-Roboter durchgeführt. Im angegliederten Studienzentrum wird regelhaft geprüft, in welche aktuellen klinischen Studien geeignete Patienten eingeschlossen werden können, um die individuelle Prognose ggf. noch weiter zu verbessern und die Darmkrebstherapie insgesamt weiterzuentwickeln. Durch die enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Haus- und Facharztpraxen der Region und den Kooperationspartnern des Zentrums wird eine reibungslose Weiterbehandlung der Patienten gewährleistet. In Planung ist in Traunstein auch die Bildung eines ASV-Teams (ambulante spezialfachärztliche Versorgung), wodurch die ambulante Versorgung der Darmkrebspatienten am Klinikum noch weiter verbessert werden wird.

Geleitet wird das Viszeralonkologische Zentrum von Dr. Björn Lewerenz, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin/Gastroenterologie. Stellvertretender Leiter des Zentrums ist seit Juni 2024 Prof. Dr. Christian Jurowich, Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Dr. Birgit Reinisch aus der chirurgischen Abteilung und Dr. Helen Bauer aus der gastroenterologischen Abteilung fungieren weiterhin als Koordinatorinnen des Darmkrebszentrums und stehen den Patientinnen und Patienten als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.