Krebsmedizin im Wandel: Von der Angstdiagnose zur Heilungschance
Zum Weltkrebstag am 4. Februar: Warum Prävention und Früherkennung so wichtig sind – und warum spezialisierte Zentren Leben verlängern können
Krebs. Ein Wort, das den Menschen den Boden unter den Füßen wegzieht. Und doch gehört zur Wahrheit heute auch: Immer mehr Menschen können geheilt werden, oder leben viele Jahre gut mit der Krankheit. Die Medizin hat aufgeholt – mit präziser Diagnostik, besseren Operationstechniken, wirksameren Medikamenten, zielgerichteten Therapien und Immuntherapien zur Einbeziehung des körpereigenen Abwehrsystems. Krebs ist längst nicht mehr automatisch ein Todesurteil. Entscheidend ist, wann ein Tumor entdeckt wird. Und wo er behandelt wird.
Denn Krebs ist nicht gleich Krebs. Und Behandlung ist nicht gleich Behandlung. Wer früh zur Vorsorge geht, gibt sich selbst einen Vorsprung. Und wer sich in einem spezialisierten, zertifizierten Zentrum behandeln lässt, erhöht nachweislich seine Chancen. Genau hier setzt das von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte Onkologische Zentrum am Klinikum Traunstein an. Es bündelt Fachwissen, Erfahrung und abgestimmte Abläufe – und wird regelmäßig auf Qualität geprüft.
„Wir erleben täglich, dass Patientinnen und Patienten mit der Diagnose Krebs heute deutlich mehr Perspektiven haben als noch vor zehn oder zwanzig Jahren“, sagt Dr. Thomas Kubin, Chefarzt der Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Klinikum Traunstein und Sprecher des Onkologischen Zentrums. „Selbst bei metastasierten Tumoren oder weit fortgeschrittenen Leukämien oder Lymphknotenkrebsen sehen wir immer mehr Langzeitverläufe oder auch Heilungen. Am besten ist es natürlich, wenn man eine bösartige Erkrankung bereits im Frühstadium erkennt.“
Vorsorge ist kein Luxus – sie ist Lebenszeit
Wer Krebs früh entdeckt, hat in vielen Fällen beste Chancen. Ein Tumor im Anfangsstadium ist häufig lokal begrenzt, gut operabel, mitunter ohne aggressive Therapie behandelbar. Das gilt etwa für Darmkrebs, Brustkrebs, Hautkrebs, Prostatakrebs – und andere häufige Tumorarten.
Prävention beginnt dabei nicht erst im Wartezimmer. Sie beginnt im Alltag: Nichtrauchen, viel Bewegung, gesunde Ernährung, Schutz vor UV-Strahlung, maßvoller Alkoholkonsum, Optimierung des Körpergewichtes. Und sie setzt sich fort in den Vorsorgeprogrammen: Hautcheck, Darmspiegelung, gynäkologische Untersuchungen, Mammographie-Screening, Prostatakrebsvorsorge – je nach Alter und Risiko.
„Früherkennung ist kein Angstprogramm, sondern eine Chance“, sagt Dr. Kubin „Viele kommen zu spät, weil sie das Thema wegschieben. Dabei kann genau diese Untersuchung den Unterschied machen.“
Spezialisiert behandeln lassen – der Vorteil ist messbar
Neben der Früherkennung spielt ein zweiter Punkt eine immer größere Rolle: die Behandlung im richtigen Umfeld. In Deutschland gibt es ein strukturiertes Netz DKG-zertifizierter Krebszentren, die klare Anforderungen erfüllen müssen – etwa bei Erfahrung, Mindestfallzahlen, interdisziplinären Tumorkonferenzen, modernsten Therapieverfahren, dokumentierter Qualität und jährlichen Überprüfungen.
Und: Es gibt inzwischen belastbare Hinweise aus großen Datenauswertungen, dass Patientinnen und Patienten davon profitieren. Eine Analyse unter anderem auf Basis von Versorgungsdaten zeigte: Wer in zertifizierten Zentren behandelt wird, hat über verschiedene Tumorarten hinweg einen Überlebensvorteil. Das ist keine Werbebotschaft. Das ist Statistik. Und sie hat einen einfachen Kern: Routine schafft Sicherheit. Spezialisierung schafft Präzision. Und gute Abläufe sparen Zeit – die bei Krebs oft entscheidend ist.
Das Onkologische Zentrum Traunstein: zertifizierte und spezialisierte Qualität unter einem Dach
Das Onkologische Zentrum in Traunstein vereint seit 2012 mehrere spezialisierte Krebszentren und unterstützende Fachdisziplinen für die Region Südostbayern. Ziel ist eine koordinierte Behandlung – von der raschen Diagnose über eine auf den Patienten zugeschnittene Therapie bis zur Nachsorge. Der Anspruch: Therapie nach offiziellen Leitlinien oder darüber hinaus nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, abgestimmt im Team, transparent dokumentiert. Und: überprüft durch die DKG. „Zertifizierung bedeutet nicht nur ein Siegel auf Papier“, betont Dr. Kubin. „Es bedeutet gelebte Struktur. Jeder Fall wird im wöchentlichen interdisziplinären Tumorboard besprochen, jeder Schritt ist abgestimmt, und wir messen unsere Qualität – immer wieder.“
Am Klinikum Traunstein sind mehrere spezialisierte Bereiche gebündelt: Das Brustkrebszentrum, das Gynäkologische Krebszentrum, das Viszeralonkologische Zentrum für Darm- und Pankreaskrebs, das Urogenitale Krebszentrum für Prostata-, Hoden- und Nierenkrebs sowie das Hämatologische Zentrum für Leukämien und Lymphome. Mit diesen onkologischen Fachbereichen arbeiten viele weitere Disziplinen zusammen: Chirurgie, Radiologie, Strahlentherapie, Pathologie, Studienzentrum, Fachpflege, Psychoonkologie, Sozialdienst. Das Ziel ist kein Nebeneinander, sondern ein Miteinander.
Eine Neuerung unter dem Dach des Onkologischen Zentrums kann Dr. Kubin ebenfalls vermelden: „Seit kurzem haben wir auch das Lungenkrebszentrum Südostbayern ins Leben gerufen, in Traunstein neu mit dem Bereich onkologische und interventionelle Pneumologie. In enger Zusammenarbeit der KSOB mit dem InnKlinikum liegt hier der Schwerpunkt auf der Diagnostik und Behandlung von Lungenkrebs sowie auf bronchoskopischen Eingriffen.“ Geleitet wird die Pneumologie in Traunstein von Priv.-Doz. Dr. Arno Mohr, zugleich Chefarzt der Pneumologie am InnKlinikum Mühldorf. In enger Kooperation mit der breit aufgestellten Thoraxchirurgie und der internistischen Onkologie sowie weiteren Fachabteilungen ist so in Traunstein ein Lungenkrebszentrum im Aufbau, das demnächst zur Zertifizierung anstehen wird.
Was Patientinnen und Patienten heute konkret gewinnen
Die moderne Onkologie hat große Fortschritte gemacht mit früheren Diagnosen durch bessere Bildgebung, Screening, Sensibilität. Durch bessere Therapien durch Kombinationen aus Operation, Bestrahlung und medikamentösen Verfahren und, wo möglich, bereits auf dem Boden der Eigenschaften von Tumoren auf Grund ihrer individuellen genetischen Veränderungen. Und durch bessere Steuerung durch Zentren, Tumorkonferenzen und zertifizierte Prozesse. „Die Menschen hören Krebs – und denken sofort an Endstation“, sagt Dr. Kubin. „Dabei ist die Realität meist eine andere: Viele Tumorerkrankungen sind heute gut behandelbar. Und bei einigen sprechen wir längst von Heilung. Die moderne Medizin entwickelt dank der biotechnologischen Möglichkeiten immer schneller und immer mehr hochinnovative, bislang ungeahnte Behandlungsmöglichkeiten.“ Wer heute über Krebs spricht, muss zwei Sätze gleichzeitig sagen können. Der erste: Ja, Krebs ist eine ernste Erkrankung. Der zweite: Nein, es ist nicht mehr automatisch ein Todesurteil. Prävention und Früherkennung sind der erste Hebel. Sich in einem zertifizierten Zentrum behandeln zu lassen, ist der zweite. Und zusammen ergeben sie die beste Nachricht, die Medizin derzeit geben kann: Es gibt Wege. Und es gibt Chancen. Oder, wie Dr. Kubin es formuliert: „Man muss Krebs sehr ernst nehmen. Aber man muss ihm längst nicht mehr die letzte Antwort überlassen.“
Hilfe, die nicht im Arztbrief steht: „Gemeinsam gegen den Krebs e.V.“
Zur Medizin gehört aber auch das, was man nicht operieren kann: Sorgen, Erschöpfung, Ängste, Familienfragen, Bürokratie. Der Moment, in dem man nachts wachliegt und nicht weiß, wie man den nächsten Tag schaffen soll. In Traunstein gibt es dafür eine wichtige Adresse: „Gemeinsam gegen den Krebs e.V.“ Der Verein unterstützt Betroffene und Angehörige – ehrenamtlich, unabhängig, orientierend. Das ist die zweite Seite der Versorgung: nicht nur Therapie, sondern Halt. Nicht nur Leitlinie, sondern Menschlichkeit. „Eine Krebserkrankung trifft nie nur ein Organ“, sagt Dr. Kubin. „Sie trifft ein ganzes Leben und das gesamte familiäre Umfeld. Darum ist dieses Angebot so wertvoll.“ Kontakt aufnehmen können Betroffene oder Angehörige unter: oder telefonisch unter der Nummer 0176 43151575.