27.04.2026 - Klinikum Traunstein

Sich wieder ganz fühlen

Prof. Dr. Afshin Rahmanian-Schwarz, Chefarzt Klinik Plastische und Ästhetische Chirurgie, und Oberärztin Dr. Johanna Schwarz beraten eine Patientin über die Möglichkeiten des Brustwiederaufbaus.
Prof. Dr. Afshin Rahmanian-Schwarz, Chefarzt Klinik Plastische und Ästhetische Chirurgie, und Oberärztin Dr. Johanna Schwarz beraten eine Patientin über die Möglichkeiten des Brustwiederaufbaus.

Brustrekonstruktion nach Brustkrebs: mehr Lebensqualität und Normalität für die Frauen ist das Ziel

Mit rund 70.000 Neuerkrankungen jährlich ist das Mammakarzinom die häufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland. In vielen Fällen kann der Tumor brusterhaltend entfernt werden. Doch manchmal ist eine vollständige Brustentfernung unvermeidlich. Für zahlreiche Patientinnen ist die anschließende Wiederherstellung der Brust ein entscheidender Schritt zurück ins Leben. Welche Möglichkeiten die moderne rekonstruktive Brustchirurgie bietet und welche Rolle sie im Brustzentrum spielt, darüber sprechen wir mit Prof. Dr. Afshin Rahmanian-Schwarz, Chefarzt der Klinik Plastische und Ästhetische Chirurgie, und Oberärztin Dr. Johanna Schwarz.

Herr Prof. Dr. Rahmanian-Schwarz, Frau Dr. Schwarz, welches Angebot können Sie einer Frau nach einer brustkrebsbedingten Brustentfernung machen?

Prof. Dr. Rahmanian-Schwarz: Ganz wichtig ist die durchgängige Betreuung der Patientinnen. Deswegen arbeiten wir eng mit dem Brustzentrum von Prof. Dr. Christian Schindlbeck unter dem Dach des zertifizierten Onkologischen Zentrums am Klinikum Traunstein zusammen. Nach einer Brustkrebserkrankung können wir den Patientinnen verschiedene Optionen zum Wiederaufbau der Brust anbieten. Essenziell ist dabei zunächst das ausführliche Gespräch: Wir sprechen mit jeder Frau über ihre Wünsche, aber auch über ihre Ängste.

Dr. Schwarz: Auf dieser Grundlage entwickeln wir gemeinsam ein individuelles Therapiekonzept. Eine sehr häufige Methode ist der Wiederaufbau mit Eigengewebe. Dabei nutzen wir mikrochirurgische Techniken, um Gewebe beispielsweise aus dem Bauch, dem Oberschenkel oder dem Gesäß zu transplantieren. Das ermöglicht eine sehr natürliche Rekonstruktion. Eine weitere Möglichkeit ist der Wiederaufbau mit Implantaten.

Rahmanian-Schwarz: Welche Methode am besten geeignet ist, hängt immer von den individuellen Voraussetzungen und den persönlichen Vorstellungen der Betroffenen ab. Es gibt keine Standardlösung – jede Entscheidung treffen wir gemeinsam mit der Patientin, sorgfältig und individuell.

Was ist das Ziel der rekonstruktiven Brustchirurgie?

Rahmanian-Schwarz: Unser Ziel ist es, jeder Frau eine Brust zurückzugeben, die zu ihrem Körper passt. Nach einer Tumorresektion oder anderen Formveränderungen besteht unsere Aufgabe als Plastische Chirurgen darin, eine natürliche Form und ein harmonisches Gesamtbild wiederherzustellen. Dabei geht es bei diesem operativen Eingriff um weit mehr, denn gerade in der Chirurgie der weiblichen Brust spielt die gesamte Erscheinung des Körpers eine zentrale Rolle auch für die Krankheitsbewältigung. Die Brust ist für viele Frauen eng mit Identität und Selbstwahrnehmung verbunden. Wenn wir hier ein stimmiges, natürliches Ergebnis erzielen, kann das einen enormen Beitrag zur emotionalen Stabilisierung leisten. Deshalb denken wir bereits bei der Tumoroperation an den Wiederaufbau der Brust. Die Kolleginnen und Kollegen achten während der onkologischen Operation beispielsweise schon darauf, dass die Voraussetzungen für eine möglichst natürliche Rekonstruktion geschaffen werden. Dieses Zusammenspiel ist ein fester Bestandteil der Behandlung in unserem Brustzentrum.

Schwarz: Letztlich geht es nicht nur um das äußere Erscheinungsbild. Es geht für jede einzelne Frau um ihre Lebensqualität, um ihr Selbstbewusstsein und darum, nach einer schweren Erkrankung ein Stück Normalität zurückzuerlangen. Viele Patientinnen berichten, dass sie sich durch die Wiederherstellung ihrer Brust wieder vollständiger fühlen.

Welche Rolle spielen onkoplastische Operationen und die Mammachirurgie im Gesamtkonzept?

Rahmanian-Schwarz: Ziel jeder onkoplastischen Operation und der Mammachirurgie ist es per se, von Anfang an sowohl die medizinische als auch die ästhetische Perspektive im Blick zu behalten. Das bedeutet konkret: Schon bei der Entfernung des Tumors wird darauf geachtet, dass Form und Kontur der Brust möglichst erhalten bleiben oder so vorbereitet werden, dass ein späterer Wiederaufbau ein schönes Ergebnis erzielen kann. Diese enge Verzahnung der Fachbereiche Gynäkologie und Plastische Chirurgie im Rahmen des Brustzentrums ist für die Patientinnen von äußerst großem Vorteil.

Bieten Sie neben der Brustrekonstruktion nach Krebs weitere Behandlungen rund um die Brust an?

Rahmanian-Schwarz: Ja, unser Spektrum ist breit gefächert. Neben der Brustrekonstruktion nach einer Brustkrebsbehandlung führen wir auch Operationen bei Fehlbildungen durch, etwa bei einer tubulären Brust oder bei ausgeprägten Asymmetrien. Auch hier steht eine individuelle, sorgfältige Planung im Vordergrund.  Darüber hinaus bieten wir narbensparende Brustverkleinerungen und Brustvergrößerungen an. Operationen an Brustwarzen oder dem Brustwarzenvorhof gehören ebenfalls zu unserem Leistungsspektrum.

Schwarz: Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Behandlung von Folgen einer Bestrahlung, denn Strahlentherapien können Veränderungen des Gewebes verursachen, die funktionelle und ästhetische Einschränkungen mit sich bringen. Zudem korrigieren wir störende Narben, um sowohl die Funktion als auch die Ästhetik zu verbessern.

Was möchten Sie betroffenen Frauen abschließend mitgeben?

Rahmanian-Schwarz: Nach einer Brustkrebserkrankung stehen Frauen häufig vor großen körperlichen und seelischen Herausforderungen. Es ist uns wichtig zu vermitteln, dass es heute vielfältige Möglichkeiten der Brustwiederherstellung gibt.

Schwarz: Und dass keine Frau diesen Weg allein gehen muss. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Brustzentrum können wir individuell abgestimmte Lösungen anbieten. Unser Ziel ist es, nicht nur eine Brust zu rekonstruieren, sondern der Frau ein positives Körpergefühl und damit ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.

Rahmanian-Schwarz: Die rekonstruktive Brustchirurgie ist für uns daher weit mehr als ein technischer Eingriff – sie ist ein zentraler Bestandteil der ganzheitlichen Versorgung von Patientinnen mit Brustkrebs bei uns am Klinikum Traunstein.