28.04.2026 - Kreisklinik Bad Reichenhall

Wenn die Luft wegbleibt - Atemnot richtig einnorden

Vortrag aus der Reihe Gesundheit AKTIV

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und viele Menschen werden wieder aktiver. Doch was, wenn der Spaziergang plötzlich schwerfällt oder schon bei leichter Anstrengung die Luft knapp wird? Liegt es nur an ein paar Kilo zu viel, mangelnder Fitness und dem Alter oder steckt mehr dahinter? Atemnot ist ein häufiges Symptom mit vielen Ursachen, von harmlos bis ernsthaft. Prof. Dr. Tobias Lange, Chefarzt für Innere Medizin und Pneumologie an der Kreisklinik Bad Reichenhall, erklärt, worauf Betroffene achten sollten und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Welche Ursachen kann anhaltende oder wiederkehrende Atemnot haben? 

Atemnot bei körperlicher Belastung kann zunächst auf schlechter Kondition oder Übergewicht hindeuten. Das merkt man oft beim Treppensteigen, Bergaufgehen oder schnellen Gehen, wenn einem rasch die Puste ausgeht. Hält die Atemnot an oder kehrt sie immer wieder, kommen auch andere Ursachen infrage, etwa Erkrankungen des Herzens oder der Lunge wie zum Beispiel Asthma bronchiale. Dabei schwanken die Beschwerden oft: Dieselbe Belastung kann an einem Tag gut gehen und an einem anderen deutlich mehr Probleme machen. Häufig kommen Husten, pfeifende Atmung oder ein Engegefühl in der Brust hinzu. Auch eine Blutarmut durch Eisenmangel kann zu Atemnot führen. Bei Warnzeichen wie Bluthusten oder starken Schmerzen im Brustkorb sollte man rasch ärztliche Hilfe suchen.

Was passiert bei Luftnot im Körper, warum habe ich dieses Gefühl überhaupt? 

Luftnot heißt nicht automatisch, dass dem Körper Sauerstoff fehlt. Häufig entsteht sie, wenn das Atmen plötzlich mehr Kraft kostet als gewohnt. Der Körper registriert dann, dass etwas nicht stimmt. Dabei spielen Lunge, Herz, Kreislauf und Blut zusammen. Bei Asthma zum Beispiel sind die Bronchien verengt, sodass das Atmen mühsam wird, auch wenn der Sauerstoffgehalt im Blut noch nicht abgesunken ist. Beim Sprint zur Bushaltestelle oder beim Bergaufgehen ist schweres Atmen normal, aber das sind wir gewohnt. Beunruhigend ist es eher, wenn es ohne solche Anstrengung auftritt.

Warum kann es bei einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu Atemnot kommen? 

Wenn das Herz nicht mehr stark genug pumpt, kann sich Blut bis in die Lunge zurückstauen. Dadurch wird das Atmen schwerer. Typisch ist das vor allem bei einer Herzschwäche. Bei einem Herzinfarkt kann Atemnot zwar auch auftreten, oft steht aber eher ein Druck- oder Engegefühl im Brustkorb im Vordergrund.

Was genau ist Asthma? 

Asthma ist eine chronische Erkrankung der Atemwege, bei der die Bronchien überempfindlich auf bestimmte Reize reagieren. Das können Pollen, Infekte, kalte Luft oder auch körperliche Anstrengung sein. Die Atemwege verengen sich dann, das Atmen wird anstrengender und oft kommt zähes Sekret dazu, das Husten auslösen kann. Vereinfacht gesagt reagiert der Körper dabei stärker, als er eigentlich müsste.

Kann Asthma auch erst im Erwachsenenalter auftreten? 

Ja, Asthma kann in jedem Alter beginnen. Es tritt zwar häufig schon in der Kindheit auf, kann sich aber auch erstmals im Erwachsenenalter zeigen. Viele Betroffene sagen dann: So etwas hatte ich früher nie, und plötzlich ist es da, zum Beispiel im Anschluss an einen schweren Infekt der Atemwege.

Wie unterscheidet sich Asthma von COPD? 

Gerade bei älteren Menschen ist das nicht immer leicht, besonders wenn sie geraucht haben. Denn Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für COPD. Asthma entsteht zwar nicht direkt durch das Rauchen, kann aber auch erst im Erwachsenenalter oder sogar im höheren Alter neu auftreten.

Was ist COPD genau? 

COPD ist eine chronische Erkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft verengt und geschädigt sind, meist durch langjähriges Rauchen. Vor allem das Ausatmen fällt schwer, weil die Luft nicht mehr richtig aus der Lunge herauskommt. Asthma kann ähnlich klingen, hat aber eine andere Ursache: Dort sind die Atemwege meist nicht dauerhaft verändert und lassen sich mit der richtigen Behandlung oft wieder gut erweitern. Bei COPD kann man den Verlauf bremsen und die Beschwerden lindern, aber die Schäden nicht vollständig rückgängig machen.

Gibt es neben Asthma und COPD noch andere chronische Lungenerkrankungen? 

Ja, zum Beispiel Lungenfibrosen. Dabei vernarbt das Lungengewebe und wird steifer. Die Lunge kann dann Sauerstoff schlechter aufnehmen, deshalb kommt es oft zu Luftnot bei Belastung und Husten. Die Ursachen können unterschiedlich sein, deshalb muss das genauer abgeklärt werden.

Warum werden Lungenfibrosen oft erst spät bemerkt?

Weil sie sich meist langsam entwickeln. Viele Betroffene passen ihren Alltag unbewusst an, gehen weniger zu Fuß, vermeiden Anstrengung oder nehmen lieber den Aufzug. So werden die Beschwerden lange kaschiert und oft erst bemerkt, wenn die Belastbarkeit deutlich nachgelassen hat.

Kann hinter Atemnot auch ein verschleppter Infekt stecken? 

Ja, das ist möglich, auch Post-Covid kann eine Rolle spielen. Aber solche Erklärungen liegen oft nahe und sind nicht immer die ganze Antwort. Anhaltende oder wiederkehrende Atemnot sollte man deshalb nicht vorschnell auf einen Infekt, das Alter oder das Gewicht schieben.

Was ist Ihre wichtigste Botschaft als Pneumologe?

Es ist wichtig, aktiv zu bleiben. Bewegung ist nicht nur für die Lunge gut, sondern für den ganzen Körper. Sie ist auch eine Form von Prävention, und die kommt in unserem Gesundheitssystem oft zu kurz, obwohl sie so wichtig ist. Oft fällt erst in Bewegung auf, dass etwas nicht stimmt. Wenn Atemnot allerdings anhält, wiederkehrt oder weitere Symptome dazukommen, sollte sie ärztlich abgeklärt werden.

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Veranstaltungshinweis:

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe GesundheitAKTIV der Kliniken Südostbayern am Donnerstag, 07. Mai 2026, von 16:00 bis 17:30 Uhr im Großen Seminarraum der Kreisklinik Bad Reichenhall statt. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss besteht die Möglichkeit für Fragen.