Weltblutkrebstag: Hoffnung schenken durch Stammzellspenden
Jedes Jahr am 28. Mai erinnert der Weltblutkrebstag daran, dass weltweit Millionen Menschen an Leukämien und anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems leiden.
Am 28.05.2026 stehen zwischen 11:00 Uhr und 15:00 Uhr Experten des Zentrums für hämatologische Neoplasien im Eingangsbereich des Klinikums Traunstein für Fragen rund um das Thema Blutkrebs zur Verfügung. Zeitgleich besteht die Möglichkeit, sich unkompliziert für das Stammzellspenderregister der DKMS registrieren zu lassen. Mit der Registrierungs- und Informationsaktion am Klinikum Traunstein soll das Bewusstsein für Blutkrebs gestärkt und die Zahl potenzieller Stammzellspender erhöht werden, denn jede Registrierung kann entscheidend sein.
Der Weltblutkrebstag wurde von der DKMS ins Leben gerufen. Ziel des Aktionstages ist es, weltweit Aufmerksamkeit für Blutkrebs zu schaffen und Menschen zur Registrierung als Stammzellspender zu motivieren. Der Aktionstag macht nicht nur auf die medizinischen Herausforderungen aufmerksam, sondern vor allem auf die Bedeutung von Stammzellspenderinnen und Stammzellspendern. Auch die Abteilung für Hämatologie und Onkologie am Klinikum Traunstein beteiligt sich gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS an einer Spenden- und Registrierungsaktion, um neue potenzielle Lebensretterinnen und Lebensretter zu gewinnen.
Blutkrebs kann jeden treffen
Unter dem Begriff Blutkrebs werden verschiedene bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems zusammengefasst. Dazu gehören insbesondere Leukämien, Lymphome und das Multiple Myelom. Gemeinsam ist diesen Erkrankungen, dass sich bestimmte Blutzellen unkontrolliert vermehren und gesunde Blutbildung verdrängen. Blutkrebs gehört zu den häufigeren Krebserkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich mehrere zehntausend Menschen neu an Leukämien, Lymphomen oder verwandten Erkrankungen. Blutkrebs kann Menschen jeden Alters betreffen – von Kleinkindern bis ins hohe Alter.
Besonders dramatisch ist die Situation bei akuten Leukämien: Ohne schnellen Therapiebeginn verlaufen sie rasch tödlich. Dank moderner Diagnostik und neuer Medikamente konnten die Heilungs- und Überlebenschancen in den vergangenen Jahrzehnten jedoch deutlich verbessert werden.
Da Blutkrebserkrankungen häufig die normale Blutbildung stören, treten häufig unspezifische Beschwerden auf. Dazu gehören u.a. Müdigkeit und Leistungsschwäche, Blässe durch Blutarmut, häufige Infektionen, Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Blutungsneigungen oder blaue Flecken sowie geschwollene Lymphknoten. Zur Diagnosestellung werden Blutuntersuchungen, Knochenmarkpunktionen sowie moderne molekulargenetische Verfahren eingesetzt.
Neue zukunftsweisende Therapien
Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten. Die klassische Chemotherapie bleibt bei vielen Leukämien und Lymphomen ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Ziel ist die Zerstörung der entarteten Zellen. Moderne, zielgerichtete Therapien mit klassischen oder bispezifischen Antikörpern bzw. sogenannte Antibody-Drug-Conjugates nehmen aber einen immer größeren Stellenwert ein und verändern die Therapielandschaft dramatisch. Hinzukommen neuartige zelluläre Therapieverfahren mit speziell zur Lymphom- und Myelomtherapie hergestellten und modifizierten körpereigenen Immunzellen (CAR-T-Zellen). Eine Blutstammzelltransplantation kommt vorwiegend in der Behandlung von akuten Leukämien und seltener auch bei fortgeschrittenen Lymphomen zur Anwendung. Für viele Patientinnen und Patienten stellt die Stammzelltransplantation dann die einzige Chance auf Heilung dar, vorausgesetzt es findet sich ein passender Spender.
Passende Spender schwer zu finden
Da die Gewebemerkmale eines Menschen äußerst individuell sind, ist die Wahrscheinlichkeit, außerhalb der Familie einen passenden Spender zu finden, vergleichsweise gering. Viele Erkrankte sind auf freiwillige, weltweit registrierte Stammzellspender angewiesen. Genau hier setzt die Arbeit der DKMS an: Je mehr Menschen sich registrieren lassen, desto größer sind die Chancen auf ein passendes Match.
Viele Menschen haben Sorge vor einer Registrierung oder Spende. Tatsächlich ist der Ablauf heute meist unkompliziert. Die Registrierung bei der DKMS erfolgt zunächst über einen Wangenschleimhautabstrich. Dabei werden Gewebemerkmale analysiert und anonymisiert in einer Datenbank gespeichert. Sollten im Rahmen einer Spendersuche nun die eigenen Gewebemerkmale mit denen eines Patienten übereinstimmen, so wird man schriftlich über die Bitte um eine Stammzellspende angeschrieben. In etwa 90 Prozent der Fälle erfolgt die Stammzellspende über das Blut. Dem Spender wird einige Tage zuvor ein Medikament verabreicht, das Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut mobilisiert. Anschließend werden die Stammzellen mittels einer sogenannten Apherese aus dem Blut gefiltert. Das Verfahren ähnelt einer Blutspende und dauert mehrere Stunden. Seltener erfolgt eine direkte Entnahme des Knochenmarks aus dem Beckenknochen unter Vollnarkose. Nach der Entnahme regeneriert sich das Knochenmark innerhalb weniger Wochen vollständig.
Zum Zentrum für hämatologische Neoplasien in Traunstein
Patientinnen und Patienten mit Leukämien und Lymphomen werden in Traunstein durch das von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Zentrum für hämatologische Neoplasien unter der Leitung von Dr. Thomas Kubin betreut. Laut Zentrumskoordinator Dr. Kai Tran, Oberarzt Abteilung für Hämatologie und Onkologie, wurden 2025 über 100 Patienten mit Erstdiagnose im Traunsteiner Zentrum behandelt. Um den Patienten die bestmögliche Therapie zukommen zu lassen, bestehen enge Kooperationen mit der Deutschen Lymphom Studiengruppe (GLA) sowie den beiden großen Leukämie Studiengruppen AMLSG und GMALL. Verstärkt wurde das Team 2025 außerdem durch die neue Oberärztin Dr. Katharina Nickel, die am Universitätsklinikum Rechts der Isar in München lange Zeit Mitglied des Stammzelltransplantationsteams war und jetzt in Traunstein die Koordination der Versorgung von Stammzelltransplantationspatienten übernommen hat.