Akutgeriatrie der Kreisklinik Trostberg ausgebaut
Die Gesellschaft wird älter und damit wächst der Bedarf an spezialisierter Altersmedizin. Die Kliniken Südostbayern haben darauf reagiert: Am Standort Trostberg wurde die Akutgeriatrie in der Kreisklinik erweitert. Seit dem 1. Juni stehen dort 40 Betten statt bisher 30 zur Verfügung. Was moderne Altersmedizin heute leistet und warum Teamarbeit dabei entscheidend ist, erklären Petra Kalina, Klinikleiterin der Kreisklinik Trostberg, und Dr. Marianne Gerusel-Bleck, die Leitende Ärztin der Inneren Medizin-Akutgeriatrie der Kreisklinik Trostberg, im Interview.
Frau Kalina, worauf liegt der Schwerpunkt der Arbeit der Akutgeriatrie?
Kalina: Der Schwerpunkt liegt auf der Behandlung älterer Menschen mit akuten und chronischen Erkrankungen. Dabei betrachten wir nicht nur die körperlichen Beschwerden, sondern den ganzen Menschen. Wichtig ist uns außerdem, die Angehörigen aktiv einzubeziehen. Unser Ziel ist immer, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten möglichst lange zu erhalten.
Mit dem Ausbau auf 40 Betten stärken wir jetzt die wohnortnahe Versorgung nochmals deutlich. Unser Ziel bleibt dabei gleich: Die Menschen sollen nach ihrem Aufenthalt möglichst selbstständig in ihre häusliche Umgebung zurückkehren können.
Frau Dr. Gerusel-Bleck, welche Erkrankungen begegnen Ihnen besonders häufig in der Akutgeriatrie?
Dr. Gerusel-Bleck: Wir behandeln unter anderem Infektionen, Herzinsuffizienz, Diabetes, Schlaganfälle oder Erkrankungen von Nieren und Gefäßen. Dazu kommen typische geriatrische Krankheitsbilder wie Gangstörungen, Inkontinenz, Fehl- und Mangelernährung, Parkinson im Alter oder chronische Wunden.
Auch nach Operationen, etwa nach einer Schenkelhalsfraktur, begleiten wir unsere Patientinnen und Patienten mit frührehabilitativen Maßnahmen. Entscheidend dafür ist die enge Zusammenarbeit vieler Berufsgruppen: Bei uns arbeiten Geriater, Internisten, Pflegekräfte, Therapeuten, Neuropsychologen, Ernährungsassistenten und der Sozialdienst Hand in Hand. Unterstützt werden wir zusätzlich durch Konsildienste der Unfallchirurgie und der Neurologie aus der Kreisklinik Trostberg und dem Klinikum Traunstein.
Kürzlich ist die Leitung der Inneren Medizin der Kreisklinik Trostberg neu strukturiert worden. Was sind die Vorteile, Frau Kalina?
Kalina: Das war ein enorm wichtiger Schritt. Frau Dr. Gerusel-Bleck leitet jetzt die Innere Medizin der Kreisklinik Trostberg gemeinsam mit Hubert Pilgram, dem Leiter der Notaufnahme in Trostberg, und Dr. Björn Lewerenz, dem Chefarzt der Gastroenterologie am Klinikum Traunstein. Der Vorteil ist, dass wir so gezielt Behandlungskonzepte weiterentwickeln und dafür sorgen können, dass unsere älteren Patientinnen und Patienten auch weiterhin bestmöglich versorgt werden. Wir haben damit kurze Wege und einen noch intensiveren fachlichen Austausch – eben auch standortübergreifend innerhalb der Kliniken Südostbayern.
Wie stellen Sie die Versorgung der Menschen bei der jetzt erhöhten Bettenzahl sicher, Frau Dr. Gerusel-Bleck?
Dr. Gerusel-Bleck: Viele Mitarbeitende verfügen bereits über die notwendige geriatrische Zusatzqualifikation und haben den ZERCUR-Basislehrgang (Zertifiziertes Curriculum Geriatrie) absolviert. Darin werden in sechs Modulen wichtige Inhalte zur Behandlung älterer Menschen vermittelt: Nach den Grundlagen geht es um Mobilität und mobilitätseinschränkende Erkrankungen, um Ethik und Palliativmedizin, um Demenz und Depression, um chronische Wunden, Kontinenzen sowie um Diabetes mellitus und Ernährung. Das Fortbildungsprogramm gilt bundesweit als wichtiger Qualitätsstandard in der Altersmedizin und wir können damit die Menschen sicher und gut betreuen, das ist uns sehr wichtig.