Pflegeausbildung neu gedacht
Klinikum Traunstein setzt auf eigene Ausbildungsstation
Mehr Eigenverantwortung, praxisnahes Lernen und gezielte Förderung beruflicher Kompetenzen: Mit einer dauerhaft angelegten Ausbildungsstation auf der kardiologischen Station 1.6 geht das Klinikum Traunstein neue Wege in der praktischen Pflegeausbildung. Das Konzept soll die Ausbildungsqualität nachhaltig stärken und perspektivisch auch als Vorbild für weitere Bereiche der Kliniken Südostbayern AG (KSOB) dienen.
Die Anforderungen an die Pflegeausbildung haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Insbesondere die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung, die die bisherigen Ausbildungsberufe der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zusammengeführt hat, stellt neue Anforderungen an die Verknüpfung von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung. Ebenso gibt es das primärqualifizierende Studium der Pflegewissenschaft an der Hochschule, wo die Studierenden die gleichen Praxisphasen wie die Auszubildenden durchlaufen, und die einjährige Ausbildung zur Pflegefachhilfe. Das Klinikum Traunstein begegnet diesen Herausforderungen mit einem innovativen Ausbildungskonzept: Auf der kardiologischen Station 1.6 entsteht eine Ausbildungsstation, auf der angehende Pflegefachkräfte schrittweise mehr Verantwortung im Stationsalltag übernehmen.
Eigenständiges und praxisnahes Lernen
Im Mittelpunkt steht das eigenständige, praxisnahe Lernen unter fachlicher Anleitung. Die Auszubildenden sollen nicht nur einzelne pflegerische Tätigkeiten ausführen, sondern zunehmend auch Versorgungsprozesse organisieren, Zusammenhänge erkennen und Entscheidungen im pflegerischen Alltag treffen. Dabei werden sie kontinuierlich von erfahrenen Pflegefachkräften und Praxisanleitenden begleitet.
„Wir möchten unsere Auszubildenden noch stärker in den Mittelpunkt der praktischen Ausbildung stellen. Sie sollen frühzeitig lernen, Verantwortung zu übernehmen, pflegerische Entscheidungen nachzuvollziehen und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Eine fundierte praktische Ausbildung ist die Grundlage für kompetente und selbstbewusste Pflegefachkräfte“, erklärt Johannes Schreiber, Pflegedirektor am Klinikum Traunstein.
Enge Zusammenarbeit zwischen Praxisanleitung und Stationsteam
Eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Umsetzung des Konzepts übernimmt Susanne Steinigen, stellvertretende Leitung der zentralen Praxisanleitung. Sie hat selbst nach ihrer Pflegeausbildung das Pflegestudium an der TH Rosenheim absolviert und mit dem Thema ihrer Bachelorarbeit genau dieses Spannungsfeld bearbeitet: „Implementierung einer intraprofessionellen Ausbildungsstation“. Gemeinsam mit der pflegerischen Bereichsleitung Sabrina Stenger und dem Team der Station 1.6 schafft sie die fachliche und pädagogische Ausgestaltung der Ausbildungsstation, sowie die organisatorischen Voraussetzungen für eine strukturierte und zugleich möglichst eigenständige praktische Ausbildung.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der systematischen Verbindung von theoretischen Ausbildungsinhalten mit den konkreten Anforderungen des klinischen Alltags. Die Auszubildenden sollen ihr erworbenes Wissen unmittelbar anwenden, eigene Erfahrungen sammeln und ihre fachlichen wie persönlichen Kompetenzen kontinuierlich gemeinsam weiterentwickeln.
„Uns ist wichtig, dass die Auszubildenden aller Pflegeprofessionen nicht nur mitarbeiten, sondern den Pflegealltag gemeinsam aktiv mitgestalten. Sie sollen erleben, wie vielfältig und verantwortungsvoll unser Beruf ist und dabei Schritt für Schritt an Sicherheit und Selbstständigkeit gewinnen“, erläutert Projektleiterin Susanne Steinigen.
Dauerhaftes Konzept mit Perspektive für den gesamten Klinikverbund
Anders als bei zeitlich begrenzten Ausbildungsprojekten ist die Ausbildungsstation als dauerhafter Bestandteil des Klinikums Traunstein vorgesehen. Die dort gewonnenen Erfahrungen sollen systematisch ausgewertet werden und perspektivisch auch in die Weiterentwicklung der praktischen Pflegeausbildung an anderen Fachabteilungen und Standorten der Kliniken Südostbayern einfließen.
Mit dem Konzept verfolgt das Klinikum zugleich ein langfristiges Ziel: Junge Menschen sollen für den Pflegeberuf begeistert, bestmöglich auf ihre beruflichen Aufgaben vorbereitet und als qualifizierte Fachkräfte für den Klinikverbund gewonnen werden.
„Eine hochwertige Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft unserer Pflege und damit auch in die Versorgungsqualität unserer Patientinnen und Patienten“, betont Pflegedirektor Johannes Schreiber. „Mein besonderer Dank gilt Susanne Steinigen, Sabrina Stenger und dem gesamten Team der Station 1.6, die dieses Konzept mit großem Engagement und vielen eigenen Ideen gemeinsam voranbringen.“