Bewegung statt Schmerz - Ursachen und Behandlung von Rückenschmerzen
Vortrag im Rahmen der Reihe Gesundheit AKTIV
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden in Deutschland. Sie beeinträchtigen Menschen aller Altersstufen. Doch warum sind sie so weit verbreitet, und wie kann man sie wirksam behandeln? Dr. Florian Zoffl, Leitender Arzt der Unfallchirurgie und Orthopädischen Chirurgie der Kreisklinik Bad Reichenhall, erklärt Hintergründe und gibt Hinweise zur Prävention und Therapie.
„Es gibt gesellschaftliche und berufliche Trends, die zur Verbreitung von Rückenschmerzen beitragen“, sagt Dr. Florian Zoffl. „Rückenschmerzen entstehen nicht, wie häufig angenommen, durch körperlich schwere Arbeit, sondern durch Fehlhaltungen. Unser Körper ist nicht für langes Sitzen gemacht, sondern benötigt einen Ausgleich durch Bewegung. Ansonsten kommt es zu Verspannungen und muskulären Dysbalancen. Nehmen sie Treppen statt Aufzüge, bauen Sie kurze Spaziergänge in den Alltag ein und lassen Sie das Auto häufiger stehen – all das kann helfen, Rückenschmerzen vorzubeugen“, so der Mediziner.
Unterschiedliche Ursachen je nach Alter
Die Ursachen von Rückenschmerzen variieren stark mit dem Lebensalter. Zwischen 30 und 45 Jahren sind häufig Bandscheibenvorfälle und funktionelle Rückenschmerzen verantwortlich. Funktionelle Rückenschmerzen treten ohne Schmerzausstrahlung in die Beine auf, und oft ist in bildgebenden Verfahren keine klare Ursache erkennbar. Bei älteren Menschen ab 60 Jahren stehen altersbedingte Veränderungen im Vordergrund, wie die Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) oder osteoporotische Wirbelkörperfrakturen, das sind Brüche, die auf einer Osteoporose basieren. Letztere können zunächst mit Schmerzmedikamenten behandelt werden, mit dem Versuch die Mobilität zu erhalten. Denn, so Dr. Zoffl: „Wenn ältere Menschen nur noch liegen können, ist das Gift. Wer nicht mehr aus dem Bett kommt, baut sehr schnell ab, das kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden.“ Doch sollte eine Schmerzmedikation nicht ausreichen, könne für diese Patienten eine minimalinvasive Operation wie die Kyphoplastie sinnvoll sein. Dabei wird In einer kurzen Narkose mit einem Ballon der zusammengedrückte Wirbelkörper wieder aufgerichtet und in den entstandenen Hohlraum spezieller Knochenzement eingebracht.
Konservative Therapie als Grundlage
Wenn keine eindeutige Ursache für Rückenschmerzen erkennbar ist, setzt die Behandlung oft auf konservative Maßnahmen. Physiotherapie und Rückenschule sind zentrale Bestandteile, begleitet von vorübergehender Schmerztherapie. Diese kann helfen, Verspannungen zu lösen und den Schmerz zu lindern. „Es geht darum den Schmerzkreislauf mit Medikamenten und Physiotherapie zu durchbrechen“, so Dr. Florian Zoffl. Wichtig sei, dass Beschwerden und Befunde übereinstimmen, bevor invasive Verfahren wie Injektionen oder Operationen in Betracht gezogen werden. „Man sollte niemals einen Patienten nur auf der Basis seiner Kernspin- oder Röntgenbilder operieren, sondern immer den Menschen in seiner Gesamtheit betrachten, mit all seinen Beschwerden und Begleiterkrankungen.“ Grundsätzlich habe die Wirbelsäulenchirurgie in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Minimalinvasive Verfahren ermöglichen es, über kleine Schnitte effektiv zu operieren, die Patienten schneller zu mobilisieren und aus dem Krankenhaus zu entlassen.
Sofort handeln
Es gibt Rückenschmerzen, die umgehend ärztlich abgeklärt werden sollten, da sie auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen können, etwa wenn die Rückenschmerzen von einer ausgeprägten Ausstrahlung in ein Bein begleitet werden. Das ist ein typisches Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall, bei dem eine Nervenwurzel abgedrückt wird. Ein absoluter Notfall ist gegeben, wenn akute Blasen- oder Mastdarmstörungen auftreten, etwa, wenn Wasser oder Stuhl nicht mehr gehalten werden können. „Das deutet auf einen großen Bandscheibenvorfall hin, der massiv auf das Rückenmark drückt. Das muss sofort operativ behandelt werden“, so Dr. Zoffl. Ansonsten gilt: „Bleiben Sie aktiv, bewegen Sie sich – ein Leben lang, in jedem Alter“. Rückenschmerzen seien in den meisten Fällen gut behandelbar, vor allem, wenn frühzeitig reagiert werde. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit, wie sie zwischen Kreisklinik Bad Reichenhall und dem KSOB-Wirbelsäulenzentrum am Klinikum Traunstein unter Leitung von Chefarzt Professor Dr. Kolja Gelse gelebt werde, sei entscheidend. „So ermöglichen wir jedem Patienten die beste Therapie“.
In dem Vortrag „Rückenschmerzen! – wie werde ich sie wieder los?“, informiert Dr. Florian Zoffl, Leitender Arzt der Unfallchirurgie und Orthopädischen Chirurgie der Kreisklinik Bad Reichenhall über Ursachen in allen Altersstufen, stellt konservative und operative Therapieoptionen und -möglichkeiten vor und wird anhand von Fallbeispielen verschiedene Diagnosen und deren Behandlungsstrategien besprechen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit für Fragen.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe „GesundheitAktiv“ der Kliniken Südostbayern am 6. Februar von 16 bis 17.30 Uhr im Großen Seminarraum der Kreisklinik Bad Reichenhall statt. Der Eintritt ist frei.