25.02.2025 - Kreisklinik Bad Reichenhall

Kein Tabuthema: Beschwerden im Analbereich

Ursachen und Behandlungen – Gesundheit-AKTIV Vortrag

Beschwerden im Enddarm- und Afterbereich sind weit verbreitet, aber selten Gesprächsthema. Dabei betrifft das Thema nahezu jeden Erwachsenen im Laufe seines Lebens. Viele Betroffene zögern aus Scham, einen Arzt aufzusuchen. Dabei gibt es mittlerweile moderne und schonende Behandlungsmöglichkeiten, erklärt Dr. Steffi Lasch, Leitende Oberärztin der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie an der Kreisklinik Bad Reichenhall

Häufige Symptome sind Brennen, Jucken, Schmerzen oder auch Blutungen. Hierfür gibt es vielfältige Ursachen von Hämorrhoiden, Perianalvenenthrombosen, Abszesse, Fisteln, Ekzemen und vieles mehr. Aber auch Obstipation mit Stuhlentleerungsstörungen und Stuhlinkontinenz können sich so äußern.

Allen Erkrankungen des Enddarmes ist in der Behandlung gemeinsam, eine sogenannte Basistherapie mit einer korrekten Hygiene und Stuhlregulation. Einige der Erkrankungen bedürfen einer spezifischen ärztlichen und auch teils operativen Therapie. Die geplante Patientenveranstaltung soll Aufklären, nicht nur was es für Erkrankungen gibt und wie sie behandelt werden, sondern was man selbst tun kann und wann der Arzt nötig ist.

Hämorrhoiden und Co

Eine der häufigsten Ursachen für anale Beschwerden kann ein Hämorrhoidalleiden sein. „Jeder Mensch hat Hämorrhoiden – aber nicht jeder hat Probleme damit“, stellt Fr. Lasch klar. Beschwerden entstehen erst, wenn sich das Gefäßgeflecht im Analkanal stark vergrößert oder nach außen tritt. In vielen Fällen lassen sich krankhafte Hämorrhoiden anfänglich ohne Operation behandeln, etwa durch eine Stuhlregulation und eine lokale Salben- bzw. Zäpfchentherapie. Die Behandlung von vergrößerten Hämorrhoiden erfolgt nach einem Stufenkonzept in Abhängigkeit von der Größe und den Beschwerden von Stadium 1-4. In den Anfangsstadien kommen auch Verödungen und Gummibandligaturen zum Einsatz. Ab Stadium 3 ist der Chirurg gefragt. Wo früher vergrößerte Hämorrhoiden radikal entfernt wurden, setzt man an der Kreisklinik Bad Reichenhall auf schonendere Verfahren. „Wir haben unser Spektrum erweitert und bieten jetzt modernste Techniken an, darunter die Behandlung mit dem Diodenlaser. Dadurch können wir Hämorrhoiden viel schonender veröden, ohne dass die Schließmuskelfunktion beeinträchtigt wird“, erklärt Fr. Lasch. Durch die Lasertherapie bleibt die Funktion des Gefäßgeflechts erhalten, was insbesondere mit Blick auf die langfristige Kontinenz entscheidend ist.

Neben Hämorrhoiden gibt es viele weitere Erkrankungen im Afterbereich, die oft mit ihnen verwechselt werden – etwa die Perianalvenenthrombose. Dabei handelt es sich um ein schmerzhaftes Blutgerinnsel am Afterrand. „Es ist zwar ungefährlich, kann aber sehr schmerzhaft sein“, so Fr. Lasch. Die Behandlung umfasst in der Regel kühlende Maßnahmen und Schmerzmittel. Nur bei sehr großen Thrombosen kann ein kleiner chirurgischer Eingriff nötig sein.

Beckenbodenerkrankungen

Neben diesen meist harmlosen, aber unangenehmen Enddarmerkrankungen gibt es auch ernste Beckenbodenprobleme wie Stuhlinkontinenz oder Stuhlentleerungsstörungen. Viele Betroffene leiden still, dabei gibt es effektive Behandlungsmöglichkeiten. „Die ersten Anzeichen sind oft das unkontrollierte Entweichen von Luft oder Schwierigkeiten, flüssigen Stuhl zurückzuhalten“, erläutert Fr. Lasch. „Leider kommen viele Patienten erst in einem späten Stadium zu uns, wenn es bereits zu ungewolltem Stuhlabgang kommt.“ Ein zentraler Ansatz in der Therapie ist das gezielte Training des Beckenbodens. „Muskeln können trainiert werden – aber das braucht Zeit und Geduld. Ein Training bringt nichts, wenn man es nur zwei oder drei Wochen macht. Es muss kontinuierlich über Monate erfolgen“, erklärt Fr. Lasch. Biofeedbacktraining mit Elektrostimulation kann dabei helfen, den Schließmuskel gezielt zu stärken. „Diese Therapie wird von den Krankenkassen für eine Probezeit von drei Monaten übernommen. Bei Erfolg kann sie verlängert werden“, so die Expertin. In manchen Fällen reicht Training allein aber nicht aus. In diesen Fällen sind noch Optionen eines Schrittmachers oder eines Schließmuskelersatzes zu prüfen.

Bei starken Beckenbodensenkungen, die häufig mit Entleerungsstörungen einhergehen, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein. „Wenn sich der Enddarm nicht mehr in die richtige Position aufrichten kann oder sich nach außen ausstülpt, müssen wir operativ korrigieren. Dies betrifft überwiegend Frauen, die mal Kinder bekommen haben, oder Patienten mit schweren Muskelschwächen“, erklärt Fr. Lasch.

Große Wirkung: Flohsamenschalen

Ob Hämorrhoiden und Co., Beckenbodensenkung oder Stuhlinkontinenz – viele Beschwerden können mit gezielten Maßnahmen erheblich verbessert werden. Eine wichtige Rolle spielt die Ernährung. „Wir empfehlen Flohsamenschalen, um die Stuhlkonsistenz zu regulieren. Diese können sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall helfen. Sie sind ein natürliches Mittel, das zu keiner Gewöhnung des Darmes führt“, rät Fr. Lasch. Die richtige Hygiene ist ebenfalls wichtig: Ideal ist die Bidet-Anwendung nach dem Stuhlgang, ein feuchter Waschlappen ist eine gute Alternative. Von feuchtem Toilettenpapier rät die Medizinerin dringend ab. Weichmacher und Duftstoffe gefährden die natürliche Immunbarriere der Haut.

Grundsätzlich gilt, eine frühzeitige Diagnose ermöglicht oft eine schonende Behandlung. Viele Patienten zögern jedoch aus Scham. „Wir haben daher in unserer Sprechstunde einen speziellen Fragebogen entwickelt, der es den Patienten erleichtert, ihre Beschwerden zu beschreiben, ohne sie direkt aussprechen zu müssen“, so Fr. Lasch. Dadurch können wiederum Ärzte gezielter nachfragen und schneller eine geeignete Therapie einleiten.

Das Fazit der Medizinerin: „Die meisten Beschwerden im After- und Beckenbodenbereich sind behandelbar – je früher, desto besser. Niemand sollte aus Scham auf eine bessere Lebensqualität verzichten.“

 


In dem Vortrag „Enddarm und Beckenbodenerkrankungen“, geben Steffi Lasch, Leitende Oberärztin und Oberarzt Diego Castro von der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie an der Kreisklinik Bad Reichenhall im ersten Teil einen Überblick über die häufigsten Erkrankungen im Afterbereich sowie modernste Behandlungskonzepte. Der zweite Teil des Vortrags behandelt die Probleme des Beckenbodens mit Stuhlentleerungsstörungen und Stuhlinkontinenz. Im Anschluss besteht die Möglichkeit für Fragen. Die Veranstaltung findet am 6. März von 16:00 bis 17:30 Uhr im Großen Seminarraum der Kreisklinik Bad Reichenhall statt und ist Teil der Reihe ‚Gesundheit Aktiv‘ der Kliniken Südostbayern (KSOB). Der Eintritt ist frei.