Darmgesundheit im Fokus – Darmkrebsmonat März
Sofortige, präzise Diagnose und sichere Vorsorge durch hochauflösende Endoskopie
Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland – und eine der am besten vermeidbaren. Dank moderner Endoskopie können Ärzte Veränderungen der Darmschleimhaut immer präziser beurteilen. Doch wie genau funktioniert das heute, welche Rolle spielt künstliche Intelligenz, und wie profitieren Patienten im Landkreis Berchtesgadener Land von der engen Zusammenarbeit mit dem Darmkrebszentrum am Klinikum Traunstein? Wir haben mit PD Dr. Andrej Wagner, Chefarzt der Gastroenterologie und Diabetologie an der Kreisklinik Bad Reichenhall, darüber gesprochen.
Herr Dr. Wagner, wie zuverlässig können Sie bei einer Darmspiegelung heute beurteilen, ob eine Veränderung harmlos oder gefährlich ist?
PD Dr. Wagner: Die Endoskopie hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Dank hochauflösender Optik und spezieller Färbemethoden können wir heutzutage die Darmschleimhaut bis ins kleinste Detail betrachten. So finden wir bereits bei der Hälfte unserer Vorsorgepatienten Polypen. In vielen Fällen reicht unser geschultes Auge bereits aus, um zu erkennen, ob es sich um eine harmlose oder eine potenziell bösartige Veränderung handelt.
Was bedeutet das für die Patientinnen und Patienten?
Die hochpräzise Diagnostik bedeutet vor allem, dass wir schneller und gezielter handeln können. Früher mussten wir oft Gewebeproben entnehmen und einige Tage auf die Laborergebnisse warten. Heute können wir bereits während der laufenden Untersuchung eine fundierte Diagnose abgeben und meist sogar direkt entscheiden, ob und wie eine Veränderung entfernt werden muss oder nicht. Das bedeutet mehr Sicherheit für die Patienten und in vielen Fällen können wir auf zusätzliche Eingriffe verzichten, da wir sofort behandeln können.
Welche Rolle spielt dabei die künstliche Intelligenz?
Künstliche Intelligenz ist eine echte Revolution in der Endoskopie und wird die Ärztinnen und Ärzte künftig unterstützen. Grund ist, dass KI-gestützte Systeme Veränderungen der Darmschleimhaut in Echtzeit analysieren können und diese mit optischen Markierungen kennzeichnen. Besonders hilfreich ist das bei sehr kleinen oder schwer erkennbaren Veränderungen, die dem menschlichen Auge möglicherweise entgehen könnten. Studien zeigen, dass die Trefferquote bei der Erkennung von Polypen durch den Einsatz von KI gesteigert werden kann. Dennoch ist weiterhin die minutiöse Untersuchung nach internationalen Standards durch erfahrene Endoskopiker bei guter Vorbereitungsqualität der Goldstandard.
Was passiert nach der Diagnose? Wie geht es für die Patientinnen und Patienten weiter?
Für Patientinnen und Patienten mit unauffälliger Darmspiegelung heißt es in der Regel: Entwarnung! Je nach persönlichem Risiko sollte die nächste Kontrolle nach fünf oder zehn Jahren erfolgen. Wer jedoch Polypen hatte oder ein erhöhtes familiäres Risiko besitzt, sollte öfter eine Darmspiegelung vornehmen lassen.
Patientinnen und Patienten, bei denen wir eine verdächtige Veränderung feststellen, erhalten eine fundierte Behandlungsempfehlung und engmaschige Betreuung. Viele, auch größere Polypen im Darm lassen sich mit modernen Methoden im Kreiskrankenhaus Bad Reichenhall endoskopisch sicher entfernen. Falls aufgrund des Befundes notwendig, erfolgt zudem eine weitere Abklärung oder Therapie im zertifizierten Darmkrebszentrum am Klinikum Traunstein unter der Leitung von Dr. Björn Lewerenz, Chefarzt der Gastroenterologie, und dem stellvertretenden Leiter Prof. Dr. Christian Jurowich, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie. Wir arbeiten eng mit den Kolleginnen und Kollegen dieses Bereichs zusammen, denn das Zentrum bietet modernste Behandlungsmöglichkeiten und interdisziplinäre Expertise. Jeder Fall wird dann unmittelbar persönlich mit dem Darmkrebszentrum besprochen und den Patientinnen und Patienten ein zeitnaher Vorstellungstermin angeboten. Hierbei können die Kolleginnen und Kollegen aus dem Klinikum Traunstein direkt auf unsere Befunde zugreifen. Patienten aus dem Landkreis Berchtesgadener Land werden damit optimal versorgt – ohne weite Wege auf sich nehmen zu müssen.
Welche Bedeutung hat die enge Zusammenarbeit mit dem Darmzentrum am Klinikum Traunstein?
Die Versorgung von Patienten mit Darmkrebs erfordert ein Zusammenspiel vieler Spezialisten. In unserem Klinikverbund arbeiten deshalb Gastroenterologen, Chirurgen, Onkologen und Radiologen Hand in Hand. Durch unsere regelmäßigen Fallkonferenzen stellen wir sicher, dass jeder Patient und jede Patientin die individuell beste Therapie erhält. Damit profitieren sie von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und modernster Technik. Am wichtigsten ist uns jedoch, dass sich die Patienten nicht selbst um Anschlusstermine kümmern und Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Wir koordinieren die Therapie so, dass den Menschen unnötige Untersuchungen erspart, die Wartezeiten verkürzt und die Heilungschancen somit verbessert werden.
Zum Schluss: Wie wichtig ist eine regelmäßige Darmkrebsvorsorge?
Enorm wichtig! Darmkrebs ist eine der wenigen Krebsarten, die sich fast vollständig verhindern lässt. Früh entdeckte Polypen können wir unkompliziert entfernen, bevor sie sich zu Krebs entwickeln. Deshalb ist es so entscheidend, dass Menschen die Vorsorgeangebote wahrnehmen. Die moderne hochauflösende Endoskopie hat die Darmkrebsvorsorge sicherer, genauer und effizienter gemacht. Wer ab 50 zur Vorsorge-Darmspiegelung geht, kann sein Risiko für Darmkrebs drastisch senken – und das sollte wirklich jede und jeder wahrnehmen.
Vortrag im Rahmen der Reihe GesundheitAKTIV am 3. April von 16 - 17:30 Uhr in der Kreisklinik Bad Reichenhall
PD Dr. Andrej Wagner spricht zum Thema: „Von Darmpolypen und Magengeschwüren - wann Vorsorgeendoskopie Sinn macht und welche Therapiemöglichkeiten es gibt“