Sind Ihre Nieren ok?
Motto des Welt-Nieren-Tages am 13. März 2025
Am 13. März 2025 steht der Welt-Nieren-Tag unter dem Motto „Sind Ihre Nieren ok?“. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen (CKD) zu schärfen und präventive Maßnahmen zu fördern. Chronische Nierenerkrankungen bleiben oft lange unentdeckt, da Symptome erst in fortgeschrittenen Stadien auftreten. Dabei könnten frühzeitige Diagnosen das Fortschreiten der Erkrankung erheblich verlangsamen. Der Welt-Nieren-Tag 2025 ruft dazu auf, die „stillen Schaffer“ unseres Körpers nicht zu übersehen. Mit frühzeitiger Diagnose und Prävention können schwere Folgen wie Dialyse oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert werden.
Die Rolle der hausärztlichen Betreuung
Hausärzte spielen eine Schlüsselrolle bei der Früherkennung von CKD. Die aktualisierte S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) sowie die Dt. Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) empfehlen regelmäßige Blut- und Urintests bei Risikogruppen, wie Patienten mit Diabetes, Bluthochdruck oder familiärer Vorbelastung. Tests wie die Bestimmung des Kreatininwerts im Blut, des Albumins und Kreatinins im Urin sowie die Kontrolle des Blutdrucks liefern entscheidende Hinweise. „Die Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen liegt uns Hausärztinnen und Hausärzten sehr am Herzen, damit wir dazu beitragen, dass Nierenkranke nicht zur Dialyse müssen“, so Eva Greipel, Vorsitzende des Traunsteiner Hausärztevereins.
Wann zum Nephrologen, dem Experten für Nierenerkrankungen?
Patienten sollten in eine spezialisierte nephrologische Sprechstunde überwiesen werden, wenn:
- Der Kreatininwert stark erhöht ist.
- Eine dauerhaft bestehende Proteinurie (Eiweiß im Urin) oder zu viel Albumin im Urin festgestellt werden.
- Spätestens wenn die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) unter 30 ml/min sinkt.
- Wenn der Blutdruck trotz aller Versuche nicht in den Zielbereich gesenkt werden kann. Dieser Zielbereich liegt in einem Korridor von 120-140 mmHg systolisch, wird aber individuell vom Spezialisten festgelegt.
- Wenn man nur eine Niere hat.
- Wenn wegen einer Harnabflussstörung eine urologische Betreuung erfolgt, sollte auch eine nephrologische Mitbetreuung erwogen werden.
- Komplexe Ursachen oder fortgeschrittene Stadien vorliegen.
Wenn in der Familie jemand nierenkrank oder gar dialysepflichtig ist, wird empfohlen, in der hausärztlichen Praxis Screening-Tests auf Nierenerkrankungen, wie Urinuntersuchung, Blutdruckmessung und Nierenultraschall durchführen zu lassen.
Vorsorge und Eigenverantwortung
„Eine Teilnahme der Bevölkerung an den Früherkennungsprogrammen in der hausärztlichen Praxis ist sehr wichtig, damit wir als Nephrologen in Zusammenarbeit mit Hausärzten und anderen Fachärzten rechtzeitig helfen können, Dialyse zu vermeiden“, so Prof. Dr. Carsten Böger, Chefarzt der Nephrologie am Klinikum Traunstein und Ärztlicher Leiter am KfH Nierenzentrum Traunstein.
Er ruft die Bevölkerung dazu auf, aktiv selbst zur Früherkennung beizutragen:
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wie den „Check-up 35“ in der hausärztlichen Praxis wahrnehmen.
- Auf Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht achten.
- Einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und Bewegung pflegen.
- Nierenschädigende Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Etoricoxib nur für kurze Dauer einnehmen
Hilfreich sind auch die Online-Risikorechner für Nierenversagen der DGfN sowie der Internationalen Gesellschaft für Nephrologie (ISN)
Wie sieht die Versorgung für Nierenkranke in unserer Region aus?
In unserer Region wird die sektorübergreifende, also ambulante und stationäre Betreuung von Patienten mit Nierenerkrankungen auf hohem Niveau gelebt. So besteht eine vertrauensvolle Kooperation zwischen hausärztlichen Praxen in Stadt und Landkreis Traunstein und der Nierensprechstunde am KfH Nierenzentrum Traunstein. In dieser mit zahlreichen Nephrologinnen und Nephrologen besetzten Sprechstunde wird alles dafür getan, Dialyse zu vermeiden. „Wir nennen das die „Dialysevermeidungssprechstunde“, in der wir bei vielen Patienten schon die Dialyse abgewendet oder sehr lange verzögert haben“, so Prof. Dr. Böger. Ähnlich ist die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten in den Nachbarlandkreisen mit den dortigen Sprechstunden der nephrologischen Praxen.
Sollte eine stationäre Betreuung nötig werden, steht am Klinikum Traunstein die von der DGfN zertifizierte Nephrologische Schwerpunktklinik rund um die Uhr zur Verfügung, so dass die nahtlose Betreuung vor Ort möglich ist. Sie ist im Südostbayerischen Raum östlich von München die einzige Nierenklinik mit diesem hohen Qualitätsmaß und bietet das gesamte Spektrum nephrologischer Leistungen. Hier werden auf universitärem Niveau nephrologische Spezialleistungen erbracht, so dass Patienten in den südostbayerischen Landkreisen vor Ort bestens versorgt sind.
„Dialysevermeidung ist immer Teamwork. Hierbei arbeiten nicht nur Hausärzte und Nephrologen eng zusammen, sondern auch Diabetologen, Kardiologen und Urologen, die allesamt sehr gut in unserer Region vertreten sind“, so Eva Greipel und Prof. Dr. Carsten Böger.