18.03.2025 - Kreisklinik Trostberg

Aus dem Schmerz zurück ins Leben

Richard Strauss, Leitender Arzt der Schmerztherapie der Kreisklinik Trostberg, ist Experte für interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie.
Richard Strauss, Leitender Arzt der Schmerztherapie der Kreisklinik Trostberg, ist Experte für interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie.

Neuer Lebensmut nach Hilfe in der Multimodalen Schmerztherapie der Kreisklinik Trostberg

Früher war Helmut D. sehr sportlich – er hielt viel auf seine Fitness, schon in seiner Heimat in NRW. Aber im Alter von 15 Jahren fangen ständiges Nasenbluten, Schmerzen im Rücken und in der Schulter an – ohne Grund. Ab 1974 nimmt er Schmerzmittel. Immer mehr, immer höher dosiert, immer stärkere und rezeptpflichtige Medikamente. Einblutungen in Gelenken und Muskulatur, verursacht durch eine ererbte Hämophilie A, haben in fast allen Gelenken Arthrose zur Folge.

Die Schmerzen erträglicher machen über eine Dauer von 15 Jahren teilweise mehrere gleichzeitig applizierte Pflaster mit dem Wirkstoff Fentanyl 75 µg/h, ein Mittel mit einer 100-mal stärkeren Wirkung als Morphium.

Eigener Entzug endet in Suizidversuchen

Es ist nicht so, dass der 68-jährige sich früher nicht schon selbst auf Entzug gesetzt hätte – mit allen schlimmen Begleiterscheinungen: Er ist unruhig, die Knochen jucken im Körper, ihm ist immer übel bis hin zu stundenlangem Erbrechen. Und so beginnt Helmut D., sich selbst zu verletzen: „Ich habe mir immer wieder selbst Schmerzen zugefügt, um die Entzugserscheinungen auszuhalten. Der Entzug endete dann in Suizidversuchen, ich wurde dreimal von meiner Frau und meinem Sohn gerettet – von den Schmerzmitteln bin ich nicht runtergekommen.“ Auf richterlichen Beschluss wird Helmut D. in die geschlossene Abteilung eines Bezirksklinikums eingewiesen. Der einzige Halt sind seine Frau und sein Sohn. Mit 55 Jahren wird er frühverrentet, weil die Schmerzen seinen Tagesablauf bestimmen und ihm keiner helfen kann. Er erinnert sich: „Ich musste täglich 40 km zur Arbeit fahren und wusste nicht mehr, wie ich hingekommen war, weil ich Schmerzmittel wie Erdnüsse gegessen habe. Nach zwei Unfällen habe ich dann die Reißleine gezogen. Ich fahre seit Jahren nicht mehr selbst.“

Im Klinikum hört er von der Schmerztherapie in Trostberg

2019 ziehen die Eheleute D. in die Nähe von Ruhpolding, weil ihr Sohn dort aus beruflichen Gründen wohnt. Als Helmut D. an Pfingsten 2024 sich bei einem Sturz an der Wirbelsäule verletzt, wird er akut in das Klinikum Traunstein eingeliefert. Während seines Aufenthalts hört D. von Richard Strauss, dem Leitenden Arzt der Schmerztherapie der Kreisklinik Trostberg.

Wieder zuhause, nimmt Helmut D. Kontakt auf zu Richard Strauss. Der erfahrene Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Spezielle Schmerztherapie, Notfallmedizin, ist Experte für interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie und sorgt dafür, dass Helmut D. nach Trostberg kommt. Zu diesem Zeitpunkt nimmt D. noch immer Fentanyl 75 µg/h im Wechsel alle 3 Tage – und will endlich raus aus dem ewigen Kreislauf.

Völlig neue Perspektiven

In Trostberg macht D. im November 2024 neue Erfahrungen. Er weiß noch: „Ich wurde so gut aufgenommen, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich von Anfang an super um mich gekümmert.“ Er ist in einer Gruppe zusammen mit sieben anderen Personen. Sie machen spezielle physiotherapeutische Übungen und haben psychotherapeutische Einzel- und Gruppengespräche. Helmut D. hat die Gemeinschaft mit anderen gefallen: „Psychisch hat es mir sehr gutgetan, mich mit anderen Leuten auszutauschen, die ähnliche Probleme haben.“

Richard Strauss erinnert sich, wie sich der Gesundheitszustand von Helmut D. entwickelt: „Der gemeinsam formulierte Behandlungsauftrag und das Behandlungsziel des Patienten war die Opioid-Reduktion. Anfänglich zeigten sich definitiv die zu erwartenden Symptome, wie erhebliche innere Unruhe, starkes Schwitzen, Zunahme der Schlafstörungen, erhöhte Anspannung mit anfänglicher Schmerzverstärkung. Auch war Angst und Unsicherheit bei Helmut D. zu verspüren. Wir haben daher entzugslindernde Bedarfsmedikation kombiniert mit vorbeugender psychisch stabilisierender Medikation. Besonders durch multimodale, interdisziplinäre Behandlungen mit geschultem Fachpersonal und Painnurses konnte die Fentanyl-Wirkstoff-Dosierung schrittweise im Laufe des 16-tägigen Aufenthalts reduziert werden. Überraschend war, dass sich die befürchtete starke Schmerzzunahme im Verlauf nicht bestätigte, im Gegenteil. Eine gänzliche Reduktion war während seines Aufenthaltes nicht möglich. Die Entlassung erfolgte mit 25 µg/h Fentanyl-Wirkstoff.“ Herr D. erhält die Aufgabe, die Medikation zuhause unter ärztlicher Kontrolle abzusetzen. Über die Praxis für Schmerztherapie des Fachärztezentrums am Standort Trostberg kann Strauss Helmut D. weiterbehandeln.

Auch die Ehefrau von D. ist begeistert, um wie viel besser es ihrem Mann in der Schmerztherapie geht: „Mein Mann hatte sofort Vertrauen zu Herrn Strauss, da hat die Chemie zwischen den Beiden gestimmt. Und die Gemeinschaft mit den anderen Patienten und der multimodale Behandlungsansatz hat ihm geholfen.“ Für Helmut D. selbst ist die Reduktion von 75 µg auf nur noch 25 µg Fentanyl pro Tag ein durchschlagender Erfolg: „Dass ich mich bei Herrn Strauss wahrgenommen gefühlt habe, dass er meine Schmerzen ernst genommen hat – das alles hat mir die Stärke gegeben, die Dosis in so kurzer Zeit so stark zu verringern.“ Mitte November wird er entlassen.

Die Betreuung wird weitergeführt

Nach dem Klinikaufenthalt muss Helmut D. zuhause wieder allein klarkommen. Er versucht, täglich zumindest ein paar Schritte zu gehen und die erlernten Übungen zu absolvieren, um in Bewegung zu bleiben.

Umso wichtiger ist für ihn, dass er weiter durch Richard Strauss von der Kreisklinik Trostberg betreut wird. Er kommt mindestens alle drei Monate zu ihm in die Schmerzpraxis. Zusätzlich wird er dort zur Aufrechterhaltung des Problembewusstseins weiter ambulant therapeutisch betreut durch den Leitenden Arzt Marc-Oliver Stückrath und die Oberärztin Madelien Hell.

D. versucht die Schmerzmittel weiter zu reduzieren

Helmut D.s neuester Erfolg: Seit Anfang Februar 2025 ist er auf null Fentanyl, denn er macht nach der Therapie selbstständig, wenn auch unter Schwierigkeiten, weiter mit dem Abbau der Schmerzmittel, das berichtet er an Richard Strauss. Der ist begeistert und schreibt ihm: „Klasse! Ich bin stolz auf Sie!“ Helmut D. fühlt sich bestärkt: „Seit meinem Aufenthalt in Trostberg bin ich wieder zuversichtlicher. Ich bin so froh, einen Arzt gefunden zu haben, dem Menschlichkeit allen Patienten gegenüber wichtig ist und sich Zeit nimmt. Und dass ich jetzt nur noch bei akutem Bedarf Schmerzmittel benötige. Ich bleibe jedenfalls dran, weil ich mit Herrn Strauss weiterarbeiten möchte, denn er hat mir den Mut wieder gegeben, mich nicht aufzugeben. Das ist für Menschen wie mich, mit einer langen Schmerzgeschichte, Gold wert. Die Schmerztherapie an der Kreisklinik Trostberg und Herr Strauss mit seinem Team haben mein Leben wieder etwas lebenswerter gemacht, das möchte ich allen Betroffenen mitteilen.“