Pflege braucht Perspektiven
Ein Jahr nach Dienstantritt zieht die neue Pflegeleitung am Klinikum Traunstein Bilanz und blickt nach vorn.
Nach mehreren Jahren in leitender Funktion, unter anderem als Bereichsleiter der Chirurgie am KSOB-Standort Trostberg sowie zuletzt als Pflegedienstleitung und Mitglied der Klinikleitung an der Schön Klinik Vogtareuth, kehrte Johannes Schreiber im April 2024 an seine alte Wirkungsstätte zurück – diesmal in neuer Rolle: als Gesamtverantwortlicher für Pflege- und Funktionsdienste am Klinikum Traunstein. Heute, ein Jahr später, zieht er Bilanz und blickt zugleich nach vorne mit einem klaren Ziel: Pflege zukunftsfest aufzustellen.
Parallel beendete er im Oktober 2024 erfolgreich das berufsbegleitende Studium „Unternehmensführung für Gesundheitsberufe“ an der Technischen Hochschule Rosenheim.
Ein Gespräch mit Johannes Schreiber, Pflegeleitung und Mitglied der Klinikleitung am Klinikum Traunstein über Rückkehr, Reform und gelebte Verantwortung.
Sie haben einst Ihre Ausbildung an den Kliniken Südostbayern gemacht – und sind nach vielen Jahren als Führungskraft zurückgekehrt. Was hat Sie gereizt, die Pflegeleitung in diesen herausfordernden Zeiten zu übernehmen?
Herr Schreiber: Es war tatsächlich ein Stück weit wie Heimkommen – nicht nur geografisch, sondern auch emotional. Die Kliniken Südostbayern haben mich geprägt. Hier habe ich gelernt, was gute Pflege bedeutet. Die Möglichkeit, genau an diesem Ort etwas zu bewegen, hat mich sofort begeistert.
Natürlich ist die Lage herausfordernd: steigende Anforderungen an die Pflege, der demografische Wandel und die bevorstehende Krankenhausreform – das sind große Themen. Aber gerade deshalb war für mich klar: Ich will hier gestalten. Die Pflege hat enorme Potenziale, und ich möchte dazu beitragen, dass diese gesehen werden. Pflegekräfte verdienen Anerkennung, Entwicklungsmöglichkeiten – und Rahmenbedingungen, die gutes Arbeiten möglich machen.
Welche Ziele haben Sie sich gesetzt und was konnten Sie bereits umsetzen?
Herr Schreiber: Ich bin mit drei klaren Schwerpunkten gestartet: Erstens, die Personalsituation zu stabilisieren. Zweitens, die Führungsstrukturen innerhalb der Pflege zu stärken. Und drittens, die interprofessionelle Zusammenarbeit zu verbessern.
Wir haben inzwischen viele offene Stellen besetzen können – durch gezieltes Recruiting und eine strukturierte Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen. Die Fluktuation ist deutlich zurückgegangen.
Unsere Führungskräfte sind heute enger in strategische Prozesse eingebunden. Das hat nicht nur die Führungsqualität gestärkt, sondern auch die Identifikation mit den Zielen der Kliniken Südostbayern verbessert. Und: Die Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten ist spürbar enger geworden – das ist für eine wirklich patientenzentrierte Versorgung unerlässlich.
Was sind derzeit die größten Herausforderungen und wie begegnen Sie diesen?
Herr Schreiber: Die größte Herausforderung bleibt der Fachkräftemangel – er ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern prägt den Alltag. Gleichzeitig erleben wir einen Generationenwechsel in der Pflege. Junge Kolleginnen und Kollegen haben andere Erwartungen an Führung, Kommunikation und Arbeitskultur.
Wir reagieren mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, gezielter Förderung und einem kulturellen Wandel: weg von starren Hierarchien, hin zu mehr Mitgestaltung und echter Wertschätzung. Auch investieren wir konsequent in Aus- und Weiterbildung – und entwickeln Führungskräfte aus den eigenen Reihen. Denn wer Entwicklungsmöglichkeiten hat, bleibt nicht nur länger, sondern bringt auch neue Impulse mit.
Welche strukturellen oder kulturellen Veränderungen haben Sie angestoßen?
Herr Schreiber: Ein zentraler Schritt war die Neuaufstellung der Führungsebene. Wir haben unser Führungsteam neu besetzt, Rollen klar definiert und Verantwortlichkeiten geschärft. Das hat Entscheidungswege verkürzt und die Steuerung deutlich verbessert – sowohl strategisch als auch operativ.
Wichtig war uns auch, eine Kultur des Dialogs zu fördern. Wir haben gezielt Räume für Austausch geschaffen, eine positive Fehlerkultur etabliert und eine offene Feedbackkultur gestärkt. Veränderung gelingt nur, wenn Menschen sich einbringen und sich in ihren Rollen gesehen und gehört fühlen. Wir sehen dies an den KSOB auch als wichtiges Zukunftsbild – als unsere „Perspektive 2030+“.
Wie motivieren Sie Ihr Team gerade auch in belastenden Zeiten?
Herr Schreiber: Indem ich präsent bin. Ich suche aktiv das Gespräch, nehme Stimmungen auf und erkenne früh, wo es Bedarf für Unterstützung gibt. Gerade in stressigen Phasen ist es wichtig, dass Führung nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet.
Wertschätzung ist für mich keine einmalige Geste. Sie zeigt sich im Alltag – durch ehrliches Interesse, durch persönliche Rückmeldungen und durch klare Anerkennung für das, was geleistet wird. So entsteht Zusammenhalt.