05.06.2025 - Kliniken Südostbayern

Regionale Spezialversorgung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen im Kindesalter ist unverzichtbar

v.li.: Prof. Dr. Gerhard Wolf, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin an den Kliniken Südostbayern, Hanni Chucholl, Fachärztin, und Dr. Margit Schmid, Funktionsoberärztin
v.li.: Prof. Dr. Gerhard Wolf, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin an den Kliniken Südostbayern, Hanni Chucholl, Fachärztin, und Dr. Margit Schmid, Funktionsoberärztin

Kliniken Südostbayern stärken Versorgung durch Spezialisierung und High-End-Medizintechnik

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa steigt seit Jahrzehnten weltweit – ein Trend, der auch in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land spürbar ist. Immer häufiger werden junge Patientinnen und Patienten mit den oft spät erkannten Erkrankungen behandelt. Eine regionale, spezialisierte Versorgung ist daher für betroffene Familien von zentraler Bedeutung.

Ein bewegender Fall: Lukas' Geschichte

Ein besonders eindrückliches Beispiel ist der neunjährige Lukas (Name geändert): Er ist autistisch, spricht nicht und ist sensibel gegenüber Veränderungen und Berührungen – über ein halbes Jahr litt er unter Beschwerden, bis in der Kindergastroenterologie der Kliniken Südostbayern die richtige Diagnose gestellt wurde: Colitis ulcerosa, eine chronische Entzündung der Schleimhaut im Dickdarm, die in seinem Fall einen besonders schweren Verlauf nahm. Die Behandlung war herausfordernd: Lukas verweigerte jegliche orale Medikation, sodass eine dauerhafte Therapie über eine Ernährungssonde notwendig wurde, die durch die Bauchdecke direkt in den Magen führte. Vertrauen fasste er ausschließlich zum spezialisierten Team vor Ort – nur hier ließ er medizinische Maßnahmen zu. Ein Wechsel in eine fremde Umgebung hätte ihn überfordert und die Therapie gefährdet.

Die Familie ist ohnehin stark belastet: Neben Lukas versorgen die Eltern auch ein weiteres chronisch krankes Kind. Lange Anfahrtswege oder Klinikwechsel wären für sie kaum zu bewältigen.

„Nähe, Vertrauen, Kontinuität – das ist unverzichtbar“

„Fälle wie dieser zeigen, dass medizinische Kompetenz immer Hand in Hand gehen muss mit sozialer und psychischer Betreuung“, betont Prof. Dr. Gerhard Wolf, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin an den Kliniken Südostbayern, und ergänzt, “gerade bei komplexen chronischen Erkrankungen braucht es Nähe, feste Bezugspersonen und ein eingespieltes Team. Eine Verlagerung der Behandlung an weit entfernte Zentren würde nicht nur die Therapie gefährden, sondern auch die Familien emotional und organisatorisch stark belasten.“

Früherkennung und Spezialisierung als Schlüssel

Dr. Margit Schmid, Kindergastroenterologin am Klinikum Traunstein, erklärt: „Diese Erkrankungen verlaufen schubweise und können unbehandelt zu schwerwiegenden Komplikationen führen – von Darmdurchbrüchen über Stenosen bis zu Fisteln oder Abszessen. Die Kinder gedeihen schlecht und bleiben in ihrer Entwicklung zurück.“

In der Region übernehmen derzeit ausschließlich Dr. Margit Schmid und ihre Kollegin Hanni Chucholl die spezialisierte Betreuung. „Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist für uns essenziell“, sagt Chucholl. „Sie erkennen erste Warnzeichen und schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung. Aber bei komplexen Fällen braucht es spezialisierte Teams mit Erfahrung und entsprechender technischer Ausstattung möglichst wohnortnah.“

Investition in die Zukunft der regionalen Versorgung

Die Kindergastroenterologie der Kliniken Südostbayern wurde kürzlich mit Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege gefördert. „Dank der Unterstützung konnten wir High-End-Endoskope anschaffen, die speziell auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind“, erklärt Prof. Dr. Wolf. „Diese moderne Ausstattung ermöglicht präzisere Diagnosen und schonendere Eingriffe – und schließt eine wichtige Versorgungslücke vor Ort.“