29.07.2025 - Klinikum Trausntein

Neue Hoffnung für das schwache Herz

Seit einem Jahr wird Minimalinvasives Clip-Verfahren eingesetzt

Ein gesundes Herz arbeitet wie eine kräftige Muskelpumpe und sorgt mit jedem Herzschlag dafür, dass sauerstoffreiches Blut zu den Organen und sauerstoffarmes Blut zur Lunge gepumpt wird. Im Laufe eines menschlichen Lebens schlägt ein Herz etwa 3 Milliarden Mal. Doch was, wenn der Blut-Transport innerhalb des Herzens nicht mehr richtig funktioniert?

Seit einem Jahr wird am Klinikum Traunstein das minimalinvasive Clip-Verfahren zur Behandlung schwerer Herzklappenundichtigkeiten eingesetzt. Prof. Dr. Michael Lehrke, Chefarzt der Kardiologie der Kliniken Südostbayern, erklärt im Gespräch, wie der Eingriff funktioniert, für wen er geeignet ist und warum bereits wenige Stunden nach dem Eingriff in der Regel eine spürbare Erleichterung beim Patienten eintritt

Herr Prof. Dr. Lehrke, warum sind funktionierende Herzklappen so entscheidend für unsere Gesundheit?

Prof. Dr. Lehrke: Die Leistung des Herzens hängt maßgeblich von intakten Herzklappen ab. Diese Ventile steuern den Blutfluss zwischen Vorhöfen und Hauptkammern sowie zwischen Hauptkammer und großen Gefäßen. Wenn Herzklappen nicht mehr korrekt schließen, kann Blut in die falsche Richtung zurückfließen, was zu einer bedeutsamen Mehrbelastung des Herzens führt und auf Dauer mit einer Herzschwäche einhergehen kann. Umgekehrt kann eine bestehende Herzschwäche durch die hiermit verbundene Vergrößerung der Herzhöhlen zu einer Klappenundichtigkeit führen: ein Teufelskreis.

Welche Symptome zeigen Betroffene und woher kommen diese?

Das hängt davon ab, welche Klappe betroffen ist (siehe auch Infokasten): Ist die Mitralklappe undicht, d. h. die Klappe zwischen linkem Vorhof und linker Hauptkammer, klagen die Patienten oft über Atemnot bei körperlicher Belastung. Leistungsabfall und Herzrhythmusstörungen wie einem Vorhofflimmern. Bei einer Undichtigkeit der rechtsseitigen Trikuspidalklappe sind es eher Symptome wie Wassereinlagerungen in den Beinen und eine allgemein verringerte Belastbarkeit. In beiden Fällen ist die Lebensqualität stark eingeschränkt – viele der Betroffenen können nur noch mit Mühe kleine Wege zurücklegen.

 Je nach Ursache der Klappenundichtigkeit kann eine medikamentöse Therapie angezeigt sein, welche die Undichtigkeit reduzieren und Beschwerden lindern kann. Bei hochgradigen Undichtigkeiten ist eine alleinige Medikamenten-Gabe jedoch häufig nicht ausreichend und im Verlauf eine Reparatur oder ein Ersatz der Klappe erforderlich.

Seit einem Jahr wenden Sie in Traunstein ein Katheter-basiertes Clip-Verfahren bei hochgradigen Undichtigkeiten der Mitral- oder Trikuspidalklappe an. Was genau passiert dabei?

Zur Vermeidung einer offenen Herzoperation steht mittlerweile ein Katheter-basiertes, minimal-invasives Clip-Verfahren zur Verfügung. Dieses wird in der Fachsprache auch „edge-to-edge“ Repair oder, je nach behandeltem Klappentyp, Mitra- bzw. Triclip genannt.

Stellen sie sich die Mitralklappe wie eine doppelflügelige Tür vor, bei der beide Türen verzogen sind und bei der selbst in eigentlich geschlossener Position immer noch Luft in der Mitte durchzieht oder die Flügel sogar nach hinten umschlagen und dann noch mehr Zugluft durchlassen. Mit Hilfe eines Riegels in der Mitte kann die Position der Flügeltür gesichert und Zugluft reduziert werden. Ähnlich werden die beiden Segel der Mitralklappe mit einem Clip an der Stelle der stärksten Undichtigkeit gesichert und hierdurch der Blutrückfluss reduziert.

Der Eingriff erfolgt in der Regel im Rahmen einer kurzen Vollnarkose und dauert etwa zwei Stunden. In der Regel kann der Patient oder die Patientin nach zwei Nächten die Klinik verlassen.

Sie selbst haben langjährige Erfahrung mit diesem Verfahren gesammelt?

In meiner vorherigen beruflichen Station an der Universitätsklinik der RWTH Aachen konnte ich über viele Jahre umfassende Erfahrungen mit dem Clip-Verfahren sammeln. Dieses Wissen und meine langjährige praktische Erfahrung bringe ich seit letztem Jahr im Klinikum Traunstein ein. Das hat uns erlaubt, von Anfang an ein hohes medizinisches Niveau zu bieten. Wir können dadurch auch hochbetagte, schwerkranke Patienten wohnortnah bestens versorgen. Das Clip-Verfahren hat sich in nur einem Jahr als hocheffektive Therapie und fester Bestandteil der modernen Kardiologie bei uns am Klinikum etabliert.

Welche Patienten profitieren besonders?

Vor allem für ältere Menschen mit hochgradiger Klappeninsuffizienz, also einer starken Undichtigkeit, ist der Clip nachhaltig lebensverbessernd. Die Überweisung für diesen Eingriff zu uns ins Klinikum erfolgt zumeist von den niedergelassenen kardiologischen Fachpraxen. Die Nachfrage wächst, auch weil es eine schonende und effektive Methode ist. In aller Regel merken die Patientinnen und Patienten bereits direkt nach dem Eingriff, dass sie wieder besser Luft bekommen. Danach werden sie in enger Zusammenarbeit mit den hausärztlichen und kardiologischen Praxen ambulant weiterbetreut. Die Patientinnen und Patienten sind mobiler und können wieder mehr unternehmen.