Wenn die Halsschlagader eng wird
Vortragsreihe Gesundheit AKTIV
Engstellen in der Halsschlagader, sogenannte Carotisstenosen, sind eine häufige Ursache für Schlaganfälle. Etwa 15 Prozent aller Fälle lassen sich auf diese Verengungen zurückführen. Das Tückische daran: Betroffene bemerken oft nichts, bis erste neurologische Symptome auftreten. Dr. med. Volker Kiechle, Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie und endovaskuläre Chirurgie am Klinikum Traunstein und an der Kreisklinik Bad Reichenhall, erklärt, wie sich solche Ablagerungen entwickeln, wann sie gefährlich werden und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
„Das Heimtückische ist, dass die Engstelle selbst keine Beschwerden macht“, betont Dr. Kiechle. „Viele Patienten denken an ein Ziehen am Hals, das hat damit nichts zu tun. Erst wenn Partikel von der Ablagerung ins Gehirn gelangen, treten Symptome auf, die bis hin zum Schlaganfall reichen können.“
Verborgene Gefahr im Hals
Carotisstenosen entstehen durch Ablagerungen in der Gefäßwand, sogenannte Plaques. Diese bestehen aus Cholesterin, Kalk und Bindegewebe und können sich über Jahre unbemerkt entwickeln. Anders als bei Durchblutungsstörungen in den Beinen verursacht die Engstelle im Hals keinerlei Schmerzen. Beschwerden treten erst dann auf, wenn kleine Partikel oder Blutgerinnsel von der Engstelle aus ins Gehirn verschleppt werden. „Das Gehirn wird von vier großen Schlagadern versorgt, deswegen ist eine reine Mangeldurchblutung selten das Problem“, erklärt der Gefäßchirurg. „Gefährlich wird es, wenn sich an der Engstelle kleine Teilchen lösen. Weil die Halsschlagader direkt ins Gehirn führt, gelangen diese sofort in empfindliche Hirnregionen.“
Die Folge können kurze neurologische Ausfälle sein, die nach wenigen Minuten wieder verschwinden. Typische Symptome sind plötzliches Taubheitsgefühl oder Schwäche in Arm oder Bein, manchmal verbunden mit Sprachstörungen. „Wenn jemand für 20 Sekunden keine Kaffeetasse mehr halten kann oder die Worte nicht herausbekommt, kann das bereits ein Schlaganfall im Kleinen sein“, warnt Dr. Kiechle. „Solche Warnzeichen dürfen keinesfalls verharmlost werden. Wir wissen, dass in den ersten 14 Tagen danach die Gefahr für einen großen Schlaganfall besonders hoch ist.“
Diagnose, Behandlung und Operation
Entdeckt werden Carotisstenosen häufig zufällig, etwa bei einer Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße. Mit Abhören oder Abtasten komme man hier nicht weiter, so Kiechle, der Ultraschall sei der Standard. Zeigen sich dort Ablagerungen, wird zunächst beurteilt, ob sie hart und verkalkt oder weich und cholesterinreich sind und wie stark die Verengung ausgeprägt ist. Stark ausgeprägte weiche Plaques gelten als riskanter, da sie instabiler sein können und demzufolge leichter Partikel abgeben. Die Risikofaktoren ähneln denen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Rauchen und Diabetes mellitus. Besonders das Cholesterin spielt eine Schlüsselrolle. „Wenn jemand dauerhaft sehr hohe Cholesterinwerte hat, schauen wir gezielt auch auf die Halsschlagadern“, erklärt Dr. Kiechle.
Die Basis der Behandlung ist meist eine medikamentöse Therapie. Blutverdünner wie ASS verhindern die Bildung von Gerinnseln, Statine senken den Cholesterinspiegel und stabilisieren die Plaques. Ob zusätzlich ein Eingriff notwendig ist, hängt vom Ausmaß der Verengung, von der Beschaffenheit der Ablagerung und von individuellen Faktoren wie Alter oder Begleiterkrankungen ab. Leichte Verengungen bedeuten nur ein sehr geringes Schlaganfallrisiko, bei hochgradigen Stenosen oder instabilen Plaques steigt die Gefahr. „Hier müssen wir im Einzelfall entscheiden: Das Risiko der Operation muss kleiner sein als das Risiko des Schlaganfalls“, so Kiechle.
Kommt es zu einer Operation, wird die Halsschlagader freigelegt, kurzzeitig abgeklemmt und die Ablagerungen werden ausgeschält. „Der Eingriff ist in der Regel gut verträglich, die meisten Patienten können nach vier Tagen wieder nach Hause gehen“, erklärt Dr. Kiechle. Eine Alternative ist das Einsetzen eines Stents, eines feinen Metallgitters, das das Gefäß von innen offenhält. Dieses Verfahren spiele jedoch eher eine Nebenrolle, da die klassische Operation insgesamt sicherer sei. Auch nach einem Eingriff bleibt die medikamentöse Behandlung wichtig, um Rückfälle zu verhindern. Denn eine Carotisstenose kann sowohl erneut an der behandelten Seite als auch an der Gegenseite entstehen. Regelmäßige Ultraschallkontrollen seien deshalb unverzichtbar.
Veranstaltungshinweis
Im Vortrag „Verengung der Halsschlagader - wann wird es gefährlich?“ informiert Dr. med. Volker Kiechle, Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie und endovaskuläre Chirurgie am Klinikum Traunstein und an der Kreisklinik Bad Reichenhall, über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Carotisstenosen. Er gibt praktische Hinweise, wie Betroffene Warnsignale richtig deuten und wann eine Operation sinnvoll ist.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe „GesundheitAktiv“ der Kliniken Südostbayern (KSOB) am Donnerstag, 4. September 2025, von 16.00 bis 17.30 Uhr im Großen Seminarraum der Kreisklinik Bad Reichenhallstatt. Der Eintritt ist frei.