Wir sind für die Familien da: Frühchenversorgung mit Technik und Herz
Zum Welttag der Patientensicherheit
Unter dem Slogan „Patientensicherheit von Kind an – eine Investition fürs Leben“ steht heuer der Welttag der Patientensicherheit im September. Für Frühchen ist diese „Investition fürs Leben“ sprichwörtlich: denn sie brauchen die beste Versorgung für ihren Start ins Leben.
Es passiert unerwartet. Der Bauch spannt, die Wehen setzen ein – und plötzlich wird aus neun Monaten Vorfreude eine Entscheidung über Leben und Überleben. Frühgeburt: ein Wort, das Eltern erschreckt. Doch es ist eine Herausforderung und eine Chance – für Kind und Eltern gleichermaßen. Zum Welttag der Patientensicherheit haben wir gesprochen mit Prof. Dr. Wolf, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, und Prof. Dr. Schindlbeck, Chefarzt der Frauenklinik, über Frühchen und was sie brauchen. Die Kinderklinik und die Frauenklinik bilden das Perinatalzentrum Level I am Klinikum Traunstein.
Herr Professor Wolf, was bedeutet es eigentlich, wenn ein Baby zu früh kommt?
Wolf: Eine Frühgeburt liegt vor, wenn ein Kind vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblickt. In Deutschland sind das etwa 65.000 Babys jedes Jahr. Je früher ein Kind geboren wird, desto unreifer sind Organe und Körperfunktionen. Das bedeutet: Herz, Lunge, Darm, ja selbst die Haut müssen unterstützt werden. Aber: Medizin und Pflege haben enorme Fortschritte gemacht. Selbst die ganz Kleinen unter 500 Gramm Gewicht haben heute Chancen, gesund groß zu werden – und darauf sind wir hier im Perinatalzentrum I am Klinikum Traunstein spezialisiert. Wenn Babys und speziell Frühgeborene Babys in einem Level I Perinatalzentrum zu Welt kommen, ist die gesamte Versorgung gewährleistet. Das Baby muss nicht mehr in ein anderes Krankenhaus verlegt werden, alle Spezialisten sind bereits vor Ort.
Herr Prof. Dr. Schindlbeck, viele Eltern sind unsicher und fragen sich, warum gerade ihr Kind zu früh kommt.
Schindlbeck: Das ist ein Schmerz und Fragen, die wir oft erleben. Aber es ist ein Trugschluss: Eine Frühgeburt ist kein Versagen, da gibt es keine Schuld. Die Ursachen sind vielfältig – Infektionen, Mehrlingsschwangerschaften, Stress, manchmal auch Gründe, die wir nicht kennen. Eltern sollten in dieser Situation nicht die Schuld bei sich suchen, sondern auf die Stärke vertrauen, die wir ihnen geben können. Und das tun wir, indem wir sie von Beginn an einbinden. Wir versuchen im Perinatalzentrum Traunstein immer, so lange es geht eine Frühgeburt zu verhindern und die Schwangerschaft zu verlängern. Dabei sind wir auch sehr erfolgreich.
Was können Sie konkret tun, wenn ein Kind zu früh auf die Welt kommt?
Wolf: Bei uns im Perinatalzentrum Level I am Klinikum Traunstein arbeiten Expertinnen und Experten für Geburtsmedizin, Neonatologie, Kinderchirurgie, Anästhesie sowie Pflegekräfte, Psychotherapeutinnen und Physiotherapeuten Schulter an Schulter und Hand in Hand – rund um die Uhr. Die Technik ist auf höchstem Niveau – Inkubatoren, Beatmungsgeräte, feinste Überwachungsmonitore und auch ganz spezielle Geräte für Frühgeborene, wie der Concord Birth Trolley. Das ist ein Versorgungstisch, auf dem das Frühgeborene direkt bei der Mutter stabilisiert und ggf. beatmet werden kann, während es noch an der Nabelschnur ist. Solche Einrichtungen haben nur ganz wenige Kliniken in Deutschland. Das Entscheidende ist: Wir schaffen Nähe. Frühgeborene brauchen Wärme, Körperkontakt, Herzschlag. Deshalb setzen wir auf das sogenannte Känguruhen. Mutter oder Vater kuscheln mit dem Baby und hierbei ist wichtig: „Haut auf Haut“. Das stabilisiert Puls und Atmung – und gibt die Geborgenheit, die kein Gerät ersetzen kann und die gerade ein Frühchen dringend braucht. Wichtig ist auch die Präsenz der Kinderchirurgie in Traunstein: ein Team von fünf Kinderchirurgen, unter der Leitung von Dr. Marc J. Jorysz und Dr. Bernd Geffken, steht rund um die Uhr bereit, wenn das Frühgeborene operiert werden muss.
Viele Eltern fürchten sich: So klein, so zerbrechlich, wie kann ich meinem Baby nahe sein?
Wolf: Nähe und erster Hautkontakt sind absolut unverzichtbar! Natürlich vorsichtig, und wir in der Neonatologie sind 24 Stunden 7 Tage die Woche da, um die Eltern in genau diesen Momenten zu begleiten. Die Eltern erleben: Ich kann etwas für mein Kind tun. Nicht Pflegekraft und Arzt oder Ärztin allein, sondern auch die Mutter, der Vater sind es, die Nähe schenken können bei uns. Und diese Nähe wirkt wie Medizin. Studien zeigen: Frühchen, die viel Hautkontakt erleben, entwickeln sich oft besser, brauchen weniger Schmerzmittel und haben stabilere Kreisläufe.
Und wie früh können Eltern ihr Kind auf diese Weise unterstützen?
Wolf: Schon am Tag der Geburt. Wir versuchen, sofort die Eltern zur Erstversorgung dazu zu holen, meistens ist das der Papa, besonders wenn das Kind per Kaiserschnitt zur Welt gekommen ist. Wir versuchen dann gleich mit Kind im Inkubator noch bei der Mama vorbeizuschauen. Die Pflege spielt hier eine ganz entscheidende Rolle. Unsere Kinderkrankenschwestern und -pfleger sind rund um die Uhr da und binden die Eltern mit ein. Selbst wenn Beatmungsschläuche und Kabel da sind – die Eltern sind von Anfang an dabei. Darauf legen wir ganz großen Wert, denn diese enge Elternbindung von Anfang an ist ein Fundament. Kinder, die früh Nähe erleben, entwickeln nicht nur bessere körperliche Stabilität, sondern auch emotionale Sicherheit. Und die Eltern gewinnen Vertrauen in sich und in ihr Kind. Dieses Gefühl trägt durch die Wochen auf der Intensivstation und darüber hinaus.
Welche Rolle spielt die Versorgung schon vor der Geburt?
Schindlbeck: Wenn sich eine Frühgeburt abzeichnet, können wir am Klinikum Traunstein die Mutter aufnehmen und überwachen. Wir von der Geburtsmedizin und das Team von Prof. Dr. Wolf von der Neonatologie arbeiten ganz eng zusammen, um die beste Versorgung für Mutter und Kind sicherzustellen. So können wir die Zeit bis zur Geburt etwas weiter verlängern, Medikamente zur Lungenreifung geben oder Infektionen behandeln. Jede Stunde im Mutterleib zählt – und doch ist manchmal der frühere Geburts-Zeitpunkt der bessere. Wichtig ist: diese Entscheidungen treffen wir immer gemeinsam mit den Eltern.
Ihr Perinatal-Zentrum ist wohnortnah für die Bevölkerung in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf. Was bedeutet das für die Familien?
Wolf: Es bedeutet schlicht: Sicherheit und Gewissheit. Selbst im unerwarteten Moment sind die Spezialistinnen und Spezialisten da, die wissen, was zu tun ist – wohnortnah. Keiner muss nach München, Passau oder Salzburg fahren, das ist im Zweifelsfall viel zu weit. Wir möchten den Menschen in Südostbayern mitteilen: Auch, wenn das Leben gerade anders läuft als geplant: Wir sind da, immer.
Neonatologie und Geburtshilfe auf der TRUNA
Sie können Prof. Dr. Gerhard Wolf und Prof. Dr. Christian Schindlbeck dort persönlich treffen und Fragen stellen: Am 5. Oktober in Halle 9 auf dem Stand der Kliniken Südostbayern.
An den anderen Tagen können Sie mit Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften aus diesen anderen Fachbereichen sprechen:
01.10. Geriatrie, der Alterstraumatologie und der Schmerztherapie
02.10. Gefäßchirurgie
03.10. Viszeralchirurgie und Viszeralonkologisches Zentrum sowie der Psychologische Dienst der Intensivstationen
04.10. Innere Medizin, Lungenzentrum