22.09.2025 - Kliniken Südostbayern

Machen Sie Ihre Herzgesundheit zur Prio 1

Das Motto des Weltherztages am 29. September: „Herzgesundheit ist kein Zufall – machen Sie die ‚Big Five‘ zur Prio 1!“
Das Motto des Weltherztages am 29. September: „Herzgesundheit ist kein Zufall – machen Sie die ‚Big Five‘ zur Prio 1!“

Die „Big Five“ der Risikofaktoren sind gut zu beeinflussen

Wir planen Urlaube, kaufen das neueste Smartphone, investieren in unser Haus, oder kaufen uns ein neues Auto. Aber wie oft investieren wir bewusst in das, was uns am Leben hält – in unsere Herzgesundheit?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit die häufigste Todesursache – auch in Deutschland. Oft treffen ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall die Menschen mitten im Leben, plötzlich und unerwartet. Was viele nicht wissen: ...

Die Erkrankungen, die diesen Ereignissen zugrundeliegend, entstehen meist nicht plötzlich, sondern sie entwickeln sich über Jahre hinweg – oft unbemerkt. Erste Warnzeichen werden übersehen und die Risikofaktoren unterschätzt. Zu hohe Blutzuckerwerte gehen dabei oft Hand in Hand mit Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Übergewicht. Diese Stoffwechselstörungen werden unter dem Begriff „Metabolisches Syndrom“ zusammen gefasst.

Mit den sogenannten „Big Five“ sind die fünf beeinflussbaren Risikofaktoren gemeint, die unser Herz belasten und gefährden: Bluthochdruck, Rauchen, hohes Cholesterin, Diabetes und Übergewicht. Diese „Big Five“ lassen sich frühzeitig erkennen – und vor allem: gut beeinflussen. Wir sprechen mit Prof. Dr. Michael Lehrke, Chefarzt der Kardiologie der Kliniken Südostbayern, über diese fünf Risikofaktoren und wie man sie vermeiden kann.

Nr. 1 in der Reihe ist Bluthochdruck. Wie ist dessen Einfluss auf die Herzgesundheit?

Prof. Dr. Lehrke: Bluthochdruck ist weltweit der häufigste und relevanteste kardiovaskuläre Risikofaktor. Bluthochdruck schädigt unbemerkt die Gefäßwände und erhöht drastisch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden. Medikamente gehören zur Basistherapie von Bluthochdruck. Die Einnahme von Blutdrucksenkern, also Antihypertensiva, wird (spätestens) ab Blutdruckwerten von 140/90 mmHg empfohlen, insbesondere, wenn mit einer Lebensstil-Optimierung der Blutdruck nicht ausreichend gesenkt werden kann. Ziel ist es, damit Blutdruckwerte zwischen 120-129/70-79 mmHg zu erreichen.“

Ein großer Faktor ist das Rauchen, richtig?

Prof. Dr. Lehrke: Rauchen verengt die Blutgefäße, beschleunigt die Gefäßverkalkung und erhöht den Blutdruck – das macht dann Herzinfarkte und andere schwere Folgeerkrankungen wie COPD und pAVK wahrscheinlicher und verkürzt die Lebenszeit. Auch wenn viele Raucherinnen und Raucher es häufig nicht wahrhaben wollen: Von allen Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen und Herzinfarkt hat Rauchen die größte Bedeutung.

Die gute Nachricht:  Selbst hartnäckige Raucher, die eine jahrzehntelange Raucherkarriere hinter sich haben, profitieren vom Rauchstopp. So sinkt das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, bereits nach fünf Jahren um fast die Hälfte. Ein Nikotinverzicht ab dem Alter von 60 Jahren verlängert statistisch gesehen das Leben um drei Jahre. Ab einem Alter von 50 sind es sechs und ab 40 Jahren sogar etwa neun Lebensjahre. Und: Bereits drei Monate nach dem Aufhören kann sich die Lungenkapazität um bis zu 30 Prozent erhöhen.

Ein Umstieg auf E-Zigaretten ist dabei nicht sinnvoll, denn Nikotin wird ja ebenso inhaliert – hinzu kommt, dass die Liquids und das Aerosol einiger E-Zigaretten krebsauslösende Stoffe enthalten. Auch Pfeifen- oder Zigarrenraucher haben ein stark erhöhtes Risiko, sowohl für COPD als auch für Krebs der Mundschleimhäute, der oberen Luft- und Speiseröhre sowie des Rachens.

Der Dritte im Bunde ist hohes Cholesterin. Wie kann man diesen Risikofaktor beeinflussen?

Prof. Dr. Lehrke: Zu hohe Cholesterinwerte fördern Ablagerungen (Plaques) in den Arterien – das kann sie stark verengen. Das ist typisch bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK), der häufigsten Ursache für einen Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod. Reißen zum Beispiel die sogenannten atherosklerotischen Plaques, kann sich ein Blutgerinnsel bilden und ein Herzgefäß komplett verschließen.

Das schlechte Cholesterin, dass in so genannten LDL-Partikeln transportiert wird, lässt sich nur sehr begrenzt über eine Diät oder Lebensstilmodifikation senken (etwa 10%) und bedarf bei zu hohen Werten zumeist einer medikamentösen Therapie. Andere Lipide, wie zum Beispiel erhöhte Triglyceride, sprechen jedoch sehr gut auf eine Diät und Lebensstiländerungen an. 

Drei Tipps, wie Sie Ihr Cholesterin und andere Blutfette positiv beeinflussen und ihre Gefäßgesundheit verbessern:

1.    Stellen Sie Ihre Ernährung um – frisches Gemüse, Obst, Salate, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Fisch, Nüsse, Kräuter und gesunde pflanzliche Öle wie Olivenöl, Rapsöl oder Sonnenblumenöl.

2.    Wenn eine Therapie mit Medikamenten notwendig ist, stellen Statine die Therapie der ersten Wahl dar. Sie gehören bei einem zu hohen LDL-Cholesterinspiegel zu den wichtigsten Cholesterinsenkern. Statine hemmen die körpereigene Bildung von Cholesterin. Leber und Zellen nehmen in Folge mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut auf.

3.    Hören Sie auf zu rauchen, verzichten Sie auf Alkohol und streben Sie eine Gewichtsreduktion durch regelmäßige Bewegung an. 30 bis 45 Minuten pro Tag Nordic Walking und Fahrrad fahren, aber auch Laufen, Schwimmen oder Tanzen sind gute Betätigungen. Wenn Sie bisher nicht sehr aktiv waren, beginnen Sie mit zügigen Spaziergängen.

Übergewicht und Adipositas stehen ebenfalls in der Reihe der „Big Five“. Was raten Sie Menschen, die abnehmen wollen?

Prof. Dr. Lehrke: Vor allem jüngere Erwachsene mit Adipositas im Alter zwischen 18 bis 29 Jahren haben ein erhöhtes Risiko, am metabolischen Syndrom zu erkranken; auch mäßiges Übergewicht mit einem BMI ab 25 kann bereits zu Stoffwechselstörungen führen. Mit steigendem BMI und zunehmenden Alter wird es immer wahrscheinlicher, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln. Gewicht zu reduzieren ist daher die wirksamste Maßnahme, alle Komponenten des metabolischen Syndroms gleichzeitig zu verbessern.

Weniger Energie/Kalorien zu sich zu nehmen, als der Körper benötigt, ist für den Abnehmerfolg ein Schlüsselfaktor. Am besten ist es, sich an den Empfehlungen der Deutschen Adipositas-Gesellschaft zu orientieren. Hier heißt es, dass Abnehmwillige – um nicht zu schnell, sondern gesund abzunehmen – eine tägliche Energiereduktion um etwa 500 kcal/Tag – in Einzelfällen auch höher – anstreben sollten.

Die eigentliche Schwierigkeit ist aber, das niedrigere Gewicht zu halten, denn das nach einer erfolgreichen Diät strebt der Körper eine Rückkehr zum Ausgangsgewicht an, sodass eine anhaltend geringere Kalorienzufuhr anzustreben ist. Dies gelingt am besten mit der Formel „nicht weniger, sondern anders essen“. Und auch hier ist wieder moderater Sport, also Schwimmen, Radfahren, Gerätetraining oder Nordic Walking eine gute Ergänzung.

Diabetes ist ja ebenfalls ein Risikofaktor. Was raten Sie den Menschen, die an Diabetes erkrankt sind?

Prof. Dr. Lehrke: Diabetes mellitus, umgangssprachlich bekannt als Zuckerkrankheit, ist eine Stoffwechselstörung. Es gibt verschiedene Diabetes-Typen. Am häufigsten Diabetes mellitus Typ 2, der zusammen mit dem Metabolischen Syndrom auftritt. Davon zu unterscheiden ist der Typ-1-Diabetes, der zumeist im Kindes- und Jugendalter als Folge einer Autoimmunerkrankung auftritt, bei der die Insulin produzierenden Zellen zerstört werden. Beim Typ-2-Diabetes hingegen, früher als Altersdiabetes bezeichnet, geht die Empfindlichkeit der Zellen für das vom Körper gebildete Insulin verloren, sodass trotz vermehrter Insulinausschüttung der Blutzucker ansteigt.

Zu viel Zucker im Blut, wie es bei Diabetes typisch ist, schädigt dann auf mehreren Wegen langfristig Blutgefäße und Nerven. Dies fängt zumeist schon im Vorstadium eines Diabetes an und sollte daher frühzeitig erkannt und behandelt werden. Ein geringerer Verzehr von süßen Speisen und Getränken ist eine wichtige Maßnahme, um den Blutzucker zu senken. Zu den bedeutendsten Risikofaktoren für Diabetes mellitus Typ 2 gehören: Übergewicht (vor allem Fettgewebe im Bauchraum: viszerales Fett), Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung.

Bei Diabetikern müssen die Nierenwerte stets gut kontrolliert werden. Denn auch dieses Organ leidet bei zu hohen Zucker- und Blutdruckwerten. Eine kranke Niere wiederum begünstigt Herzerkrankungen.

Was ist Ihr Fazit?

Prof. Dr. Lehrke: Wer heute handelt, kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen aktiv vorbeugen – und gewinnt das Wertvollste zurück: mehr gesunde Lebensjahre.

Vielleicht noch ein Hinweis: Wenn die Leserinnen und Leser Fragen zur Herzgesundheit an mich haben, finden Sie mich zusammen mit meinen Kollegen von der Inneren Medizin am Samstag, 4. Oktober auf dem Stand der Kliniken Südostbayern in Halle 9 der TRUNA-Messe in Traunstein. An den anderen Tagen stehen meine Kolleginnen und Kollegen von der Geriatrie, der Alterstraumatologie und der Schmerztherapie (1.10.), der Gefäßchirurgie (2.10), der Viszeralchirurgie, des Viszeralonkologischen Zentrums und des Psychologischen Dienstes (3.10.) sowie der Kinderklinik mit Kinderintensiv und der Frauenklinik mit Brustzentrum (5.10) für die Fragen der Besucherinnen und Besucher zur Verfügung.