24.10.2025 - Kliniken Südostbayern

Kinder im Umgang mit Typ-1-Diabetes stärken

Beim 12. Diabetesdetektivcamp hatten die Kinder sichtlich Spaß.
Beim 12. Diabetesdetektivcamp hatten die Kinder sichtlich Spaß.

12. Diabetesdetektivcamp

Vom 14. bis 16. Oktober 2025 fand das 12. Diabetesdetektivcamp der Kinderklinik der Kliniken Südostbayern (KSOB) statt. Zwölf Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren, alle mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus Typ 1, verbrachten drei intensive und lehrreiche Tage auf dem Dreikanthof am Chiemsee.

Unter dem Motto „Nik und Niki – Wir werden Diabetes-Detektive“ erlebten die Kinder ein altersgerechtes Schulungskonzept, das weit über theoretisches Lernen hinausgeht. Im Mittelpunkt standen spielerische Intensivworkshops, Teamaktivitäten und praktische Alltagssituationen, in denen die Kinder ihren Diabetes aktiv managen und voneinander lernen konnten.

Spielerisch lernen – Selbstständigkeit fördern

Ziel des Camps ist es, Kinder zu stärken, die zu Beginn ihrer Erkrankung noch zu jung für strukturierte Schulungen waren. Mit dem Programm werden sie darauf vorbereitet, Alltagssituationen auch ohne ihre Eltern sicher zu bewältigen – etwa Übernachtungen bei Freunden, Wandertage oder Klassenfahrten.

Dazu gehören wichtige Fähigkeiten wie:

  • Blutzucker messen in Alltagssituationen
  • Kohlenhydrate einschätzen und Insulin berechnen
  • Hypoglykämietraining – richtig reagieren im Notfall
  • Reflexion und Austausch über das Leben mit Diabetes
  • Lernen durch Erleben – mit Spaß und Gemeinschaft

Gemeinschaftliche Aktivitäten wie Kochen mit regionalen Zutaten, Picknick am See und Lagerfeuer mit Diabetes-Detektiv-Party sowie eine Kinderolympiade und ein „Wer wird (Millionär) Diachampion“-Spiel machten das Wochenende zu einem besonderen Erlebnis. Auf dem Dreikanthof gibt es eine große, zur Turnhalle ausgebaute Tenne und eine Trampolinanlage, die gezielt genutzt wurden, um den Einfluss von Bewegung auf den Blutzucker praktisch zu erleben – mit professioneller Anleitung, aber in lockerer, spielerischer Atmosphäre.

„Drei Tage in Gemeinschaft mit Gleichbetroffenen haben oft mehr Einfluss auf die Krankheitsakzeptanz als 30 Einzelstunden Therapie.“
– Betreuungsteam der KSOB –

Medizinische Sicherheit – pädagogisch begleitet

Rund um die Uhr wurden die Kinder medizinisch betreut durch eine Diabetesberaterin, eine Kinderdiabetologin, sowie junge Coaches, die selbst mit Diabetes leben, unterstützt durch ehrenamtlich engagiertes Fachpersonal. Auch nächtliche Blutzuckerkontrollen wurden gemeinsam durchgeführt – immer mit dem Ziel, Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu fördern.

„Wir erleben in jedem Camp, wie die Kinder Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen – und wie sie dabei über sich hinauswachsen,“ sagt Dr. Marina Sindichakis, Oberärztin und Leiterin der Kinderdiabetologie am Klinikum Traunstein. „Wenn ein Kind am dritten Tag ganz selbstverständlich seine Insulinpumpe bedient oder anderen hilft, ein erstes Mal ihren Insulinkatheter ohne die Eltern zu wechseln,  dann ist das ein echter Entwicklungssprung – medizinisch und emotional. Diese Patientenschulungen sind in der S3 Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin auch ausdrücklich empfohlen und umso wichtiger sind altersgerechte Schulungskonzepte.“ Sie ergänzt: „Deutschlandweit betrachtet ist die Zahl dieser Schulungen für die Kinder jedoch besorgniserregend zurückgegangen. Umso wertvoller ist es, dass wir im Klinikum Traunstein als eine der wenigen Kinderdiabetologien in Deutschland diese Diabetescamps etablieren und weiterausbauen konnten. Das war und ist nur durch das besondere Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich, die alle mit Herzblut dabei sind.“

Stärkung von Akzeptanz und Gemeinschaft

Besonders wertvoll war für viele Kinder der Erfahrungsaustausch mit Gleichaltrigen. Das Beobachten, wie andere mit ihrer Erkrankung umgehen, stärkt nachweislich die Krankheitsakzeptanz und das Selbstbewusstsein. Die Kinder erlebten: „Ich bin nicht allein – andere erleben das Gleiche wie ich.“

„Die Kinder mit Diabetes haben jeden Tag mit Themen wie Insulin und Blutzucker zu tun. Das ist eine große Aufgabe, die zu bewältigen ist – ein ganzes Leben lang. Neue Technologien wie Insulinpumpen und Blutzuckersensoren haben hier immense Fortschritte gebracht, aber die Technologie muss auch verantwortungsvoll bedient werden. Die gemeinsamen Diabetesschulungen sind wichtig, auch weil die Kinder lernen, dass sie nicht allein mit ihrem Diabetes sind“ betont Prof. Dr. Gerhard Wolf, Chefarzt der Kinderklinik am Klinikum Traunstein.

 


Die Kinderklinik Traunstein ist eines der führenden Zentren für Kinder mit Diabetes Typ 1 in Südostbayern und engagiert sich seit vielen Jahren in innovativen Schulungs- und Betreuungskonzepten für junge Patientinnen und Patienten und deren Familien. Die Kinderklinik Traunstein bietet diese Patientenschulungen als eine der wenigen deutschen Kinderdiabetologien an. Oberärztin Dr. Marina Sindichakis, die Leiterin der Kinderdiabetologie, ist auch an einer internationalen Publikation über Folgeschulungen für Kinder und Jugendliche mit Diabetes Mellitus Typ 1 beteiligt, die gemeinsam mit der Uni Witten-Herdecke sowie den Kliniken Charite, Mergentheim, Leipzig erstellt wird. Außerdem nimmt sie teil am Innovationsfonds-Antrag GaDiaKi  („Ganzheitliche interdisziplinäre medizinische Diabetes-Gruppenschulungen für Kinder und Jugendliche mit Typ 1-Diabetes in einem kindgerechten lebenswelt-orientierten Setting“).