Sichere und umfassende Versorgung in höchster Not
Überregionales Traumazentrum mit sehr guten Ergebnissen
Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie DGU® hat das Überregionale Traumazentrum am Klinikum Traunstein unter der Leitung von Prof. Dr. Kolja Gelse, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädischen Chirurgie der Kliniken Südostbayern, bewertet und die Zahlen und Fakten des Jahres 2024 zusammengestellt.
Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der KSOB, und Jessica Koch, Klinikleiterin des Klinikums Traunstein, sind stolz auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „All die Zahlen und das sehr gute Ergebnis des Berichts dokumentieren die perfekte Teamleistung der Ärztinnen und Ärzte und der Pflegekräfte im OP, in der Zentralen Notaufnahme und auf den Intensivstationen.“
In diesem Register sind neben überregionalen Traumazentren auch lokale und regionale Zentren in Europa gelistet. Überregionale Traumazentren, wie das am Klinikum Traunstein, gibt es in ganz Deutschland nur ca. 120, verteilt auf ganz Bayern sind dies 25.
Verkehrs-, Berg- und Fahrradunfälle dominieren
Im Jahr 2024 waren für das Überregionale Traumazentrum am Klinikum Traunstein 217 Fälle von schwerstverletzten Patienten dokumentiert, was nahezu doppelt so hohe Fallzahlen bedeutet, wie beim Mittel aller bundesdeutschen Überregionalen Traumazentren. Priv.-Doz. Dr. Tom-Philipp Zucker, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und Ärztlicher Direktor des Klinikums Traunstein, erläutert: „Das Klinikum Traunstein gehört zu den zehn größten Versorgern von Schwerst- und Mehrfachverletzten (Polytraumata) in Deutschland.“ Prof. Dr. Kolja Gelse ergänzt: „Bei den Verletzungsmustern stechen besonders Verletzungen der Wirbelsäule und Becken mit ca. 40 % und Schädel-Hirn-Traumata mit einem Anteil von ca. 35 % heraus.“
Gründe für die hohen Fallzahlen sind sowohl der Standort des Rettungshubschraubers Christoph 14 am Klinikum Traunstein, mit dem Schwerstverletzte auch aus größeren Entfernungen schnellstmöglich zur Versorgung gebracht werden, als auch die hohe touristische Attraktion des Einzugsgebiets des Klinikums. Das zeigten die hauptsächlichen Unfallursachen: Verkehrsunfälle (PKW, Motorrad und Fahrrad), sowie Stürze auch aus großer Höhe (höher als 3 m), wie sie bei Berg- und Arbeitsunfällen häufig vorkommen.
Auffällig dabei: die Patientinnen und Patienten wurden in den letzten Jahren im Schnitt immer älter, in 2024 lag der Alters-Mittelwert bei 55,4 Jahren – 35 % waren sogar 70 Jahre und älter, der Anteil der Männer lag bei 71 %. Mehr als 50 % aller Menschen wurden mit dem Hubschrauber in die Klinik eingeliefert.
Schnelle Versorgung
Prof. Dr. Gelse erklärt die Grundsätze der Notfallversorgung schwerer Verletzungen: „Bei Menschen mit schweren und schwersten Verletzungen stehen lebenserhaltende Maßnahmen durch Notfalleingriffe an erster Stelle. Darunter versteht man eine operative Hirndruckentlastung, eine Stabilisation der Wirbelsäule mit ggf. Druckentlastung des Rückenmarks, das Stoppen von inneren Blutungen im Brustkorb oder der Bauchhöhle, eine Wiederherstellung der Durchblutung lebenswichtiger Organe oder Rekonstruktion großer verletzter Gefäße, die Behandlung von Verbrennungen sowie die Stabilisierung des Beckens oder der Extremitäten. Für alle diese Maßnahmen stehen bei uns im Klinikum Traunstein rund um die Uhr die Expertinnen und Experten der jeweiligen Abteilungen zur Verfügung.“
Die Dauer bis zu einer Not-OP, zum Beispiel bei penetrierenden Traumata, also offenen Wunden oder Brüchen, konnte im Klinikum Traunstein dabei durch verbesserte Prozesse in den letzten drei Jahren um 33 % reduziert werden. Die Zeitspanne von der Aufnahme im Schockraum bis zur Blut-Transfusion konnte ebenfalls in den letzten drei Jahren um fast 50 % verkürzt werden. In der Klinik wurden 65 % der Patientinnen und Patienten sofort operiert. Bei 86 % davon erfolgte eine anschließende Behandlung auf der Intensivstation.
Liegedauer auf der Intensivstation
Der Bericht zeigte, dass im Klinikum Traunstein die Menschen vergleichsweise kürzer auf der Intensivstation (ICU = Intensive Care Unit) behandelt werden mussten, als es aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen zu erwarten gewesen wäre. Die Patientinnen und Patienten konnten also früher mit weiterführenden rehabilitierenden Maßnahmen beginnen. Der Median der Liegedauer aller Patienten auf den Intensivstationen am Klinikum liegt bei 5 Tagen, was deutlich kürzer ist als es die Verletzungsschwere hätte erwarten lassen. Der Bericht nennt als Grund dafür die optimale Versorgung der Menschen auf der Intensivstation.
Die Überlebensrate schwerverletzter Personen
Mehr Menschen haben überlebt, als aufgrund ihrer Verletzung erwartbar gewesen wäre und die eigentlich eine schlechte Überlebensprognose hatten, denn alle hatten bei ihrem Eintreffen schwere oder schwerste Verletzungen. Als Grund nennt der Bericht der DGU® explizit die besonders gute interdisziplinäre Versorgung von Traumapatienten am Überregionalen Traumazentrum des Klinikums Traunstein. Priv.-Doz. Dr. Zucker erläutert: „Die Überlebensrate unserer Patientinnen und Patienten liegt überdurchschnittlich hoch, d. h. über dem Erwartungswert, gemessen am Trauma-Schweregrad und anderen Faktoren.“
Rundum gut versorgt
Wurden die Patienten entlassen, so waren laut Bericht 93,3 % der Patientinnen und Patienten des Klinikums Traunstein gut erholt und konnten in eine Reha-Klinik verlegt (34,2 %) oder direkt nach Hause entlassen werden (53,7 %).
Quelle: Alle Daten stammen aus dem offiziellen Register der Sektion NIS (Notfall- & Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung) der DGU & AUC (2025), Jahresbericht 2025 TraumaRegister DGU®.
Überregionales Traumazentrum und Wirbelsäulenspezialzentrum
Neben Sport- und Freizeitunfällen liegt ein Hauptschwerpunkt der Unfall- und Orthopädischen Chirurgie am Klinikum Traunstein auf der Behandlung von Patientinnen und Patienten, die während ihrer Arbeit oder auf ihrem Arbeitsweg Unfälle hatten. Nur besonders geeignete Kliniken, die die Kriterien des sogenannten Schwerstverletzungsartenverfahren (SAV) der Berufsgenossenschaften erfüllen, dürfen Arbeitsunfälle aller Schweregrade behandeln. Das Klinikum Traunstein ist dabei ein Schwerpunktkrankenhaus in der bayerischen Berufsgenossenschafts-Liste und ist als Überregionales Traumazentrum zertifiziert.
Seit März 2025 hat die Unfall- und Orthopädische Chirurgie, Chefarzt Prof. Dr. Kolja Gelse, zusammen mit der Abteilung für Neurochirurgie, Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Jens Rachinger, erneut die Rezertifizierung als „Wirbelsäulenspezialzentrum“ der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft erfolgreich abgeschlossen. Dieser Qualitätsnachweis bestätigt die 24/7-Verfügbarkeit spezialisierter Expertise auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie, hochmoderne Ausstattung und klar definierte Prozesse. Die Patienten profitieren hierbei auch von der Interdisziplinarität, d. h. der Verfügbarkeit von Neurochirurgen, Anästhesisten, Radiologen, Intensivmedizinern und speziell geschultem Pflegepersonal rund um die Uhr.