Koronare Herzkrankheit – Risikofaktoren, Symptome und Gefahren
Unterschiedliche Symptome bei Männern und Frauen
Unter dem Motto „Gesunde Gefäße – gesundes Herz: Den Herzinfarkt vermeiden“ informiert die Deutsche Herzstiftung während der diesjährigen Herzwochen (https://herzstiftung.de/herzwochen) über die koronare Herzkrankheit, kurz genannt KHK. Sie ist Grunderkrankung und Vorstufe des Herzinfarkts und zugleich die häufigste Herzerkrankung in Deutschland mit rund 540.000 Krankenhausaufnahmen. Und sie ist die führende Todesursache mit rund 120.000 Todesfällen pro Jahr, davon 44.000 Herzinfarkt-Sterbefälle (Deutscher Herzbericht – Update 2025). Prof. Dr. Michael Lehrke, Chefarzt der Kardiologie der Kliniken Südostbayern, und Priv.-Doz. Dr. Niklas Boeder, Leitender Oberarzt am Klinikum Traunstein, ist wichtig, die unterschiedlichen Symptome bei Männern und Frauen hervorzuheben: „In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit den generellen Alarmsignalen und den Behandlungsmöglichkeiten für alle Menschen sowie mit den Symptomen, die hauptsächlich auf Männer zutreffen.“ Ein weiterer Artikel widmet sich ganz bewusst ausschließlich den Frauen und deren Gefährdung für Herzinfarkt – denn bei ihnen sind die Symptome oft anders, aber die Herzinfarkt-Zahlen steigen auch für sie.
Wie äußert sich die koronare Herzkrankheit?
Atemnot, Brustenge oder Brustschmerzen unter körperlicher Anstrengung, das sind – vor allem bei Männern – die Alarmzeichen: Machen sich diese typischen Symptome bemerkbar, ist meist schon über viele Jahre unbemerkt eine Schädigung der Herzkranzgefäße vorangegangen. Denn damit das Herz seine lebenswichtige Arbeit rund um die Uhr leisten kann, muss es ausreichend mit nähr- und sauerstoffreichem Blut versorgt werden, was über die Koronararterien (Herzkranzgefäße) geschieht. Kommt es dort an den Innenwänden zu Ablagerungen – sogenannten Plaques – können diese Gefäße zunehmend verengen („verkalken“). Plaques bestehen hauptsächlich aus Fett, Cholesterin, entzündlichen Zellen, Bindegewebe und Kalzium („Kalk“). Dieser Prozess einer zunehmenden Verdickung der Gefäßwand mit Einengung des Gefäßinnenraums wird dann als koronare Herzkrankheit bezeichnet. Die Einengung macht sich jedoch erst bemerkbar, wenn die Arterienverengung eine kritische Schwelle von 70-80 % erreicht hat und es damit zur Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und Nährstoffen kommt.
Sie sollten in Ihren Arzt aufsuchen, wenn:
„Wer über zwei Wochen hinweg Probleme beim Treppenhochsteigen hat und sich schwach fühlt, sollte deshalb unbedingt seine hausärztliche Praxis aufsuchen. Ebenso sollte man zum Arzt bei nicht erklärbarer Luftnot – ob mit oder ohne Druck in der Brust. Auch Beschwerden wie eine schnelle Ermüdbarkeit sollten nicht einfach auf Alter oder Stress geschoben, sondern ernst genommen und zeitnah medizinisch geklärt werden“, rät Prof. Dr. Michael Lehrke. „Bei Brustschmerzen sollten die Patienten auch sagen, ob die Schmerzen durch körperliche oder psychische Belastung ausgelöst werden und ob die Schmerzen in Ruhe nachlassen.“
Um zu klären, ob tatsächlich eine KHK die Ursache der Angina-pectoris-Beschwerden bei Belastung ist, wird in der haus- oder fachärztlichen Praxis zunächst ein Ruhe-EKG (Aufzeichnen der elektrischen Aktivität des Herzens im Liegen), eine körperliche Untersuchung und eventuell eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Für weitere diagnostische Schritte, wie eine Herzkatheter-Untersuchung oder eine Computertomographie des Herzens, stehen, nach der Überweisung des Patienten durch die Praxis, am Klinikum Traunstein und in der Kreisklinik Bad Reichenhall umfassende Untersuchungsmöglichkeiten bereit. Halten die Beschwerden jeweils aber über 20 Minuten an oder treten auch in Ruhe auf, sollte im Notfall der Rettungsdienst über die Telefonnummer 112 alarmiert werden.
Behandlungsmöglichkeiten der koronaren Herzkrankheit (KHK)
Priv.-Doz. Dr. Niklas Boeder erklärt die weiteren Schritte: „Gelingt es nicht, die Beschwerden medikamentös zu kontrollieren, oder zeigt sich während der Diagnostik eine schwerwiegende KHK mit deutlichen Gefäßablagerungen und
-einengungen oder gar Gefäßverschlüssen, haben die Ärztinnen und Ärzte zwei Möglichkeiten, um die Durchblutung in den betroffenen Herzgefäßen wieder zu verbessern. So können die meisten Verengungen der Herzkranzgefäße mit Hilfe der Perkutanen Intervention (PCI) – einem Katheter-Eingriff mittels Ballon und Stent (Gefäßstütze) – zuverlässig behandelt werden. In rund zehn Prozent der Fälle ist jedoch eine Bypass-Operation notwendig, bei der eine Umgehung (engl. bypass) um den verengten Gefäßbereich gelegt wird.
Für die Behandlung eines akuten Herzinfarkts ist die PCI-Technik bei fast allen Patientinnen und Patienten die bevorzugte Methode. Sind jedoch mehrere Gefäße betroffen oder sind die Einengungen zum Beispiel an einer für einen Stent ungünstigen Stelle, sprechen sich europäische Leitlinien für die Bypass-OP aus. Über die bestmögliche Behandlungsstrategie für den individuellen KHK-Patienten entscheidet in den KSOB in der Regel ein interdisziplinäres Herz-Team. „In bestimmten Fällen reicht die Kathetertechnik nicht aus, um eine KHK adäquat zu behandeln. Das ist beispielsweise bei Patienten mit komplexer koronarer Mehrgefäßerkrankung der Fall, oder wenn chronisch verschlossene Gefäße vorliegen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Niklas Boeder, Leitender Oberarzt der Kardiologie am Klinikum Traunstein.
Vorbeugen ist besser als operieren
Die Big Five, also die 5 größten Risikofaktoren für die koronare Herzkrankheit, sind die wichtigsten Anknüpfungspunkte, um einen Herzinfarkt zu vermeiden:
Blutdruck messen, Bluthochdruck behandeln
Rauchen beenden
LDL-Cholesterin bestimmen und erhöhte Werte behandeln
Übergewicht vermeiden, Körpergewicht kontrollieren
Blutzucker messen, Diabetes behandeln
Eine wichtige Basismaßnahme für alle Menschen, um ihre individuellen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren frühzeitig zu erfassen, ist der regelmäßigen Gesundheits-Check-up bei der Hausärztin oder dem Hausarzt. Dieser kann ab 18 Jahren einmalig und ab 35 Jahren dann alle drei Jahre erfolgen. Bezahlt wird der Check-up von der gesetzlichen Krankenkasse, er kann durchgeführt werden in allgemeinmedizinischen und internistischen Praxen. Das EKG unter Belastung sowie die Ultraschalluntersuchung des Herzens können das EKG in Ruhe ergänzen. Darüber hinaus erlauben es etwa Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagadern oder der Becken- und Beingefäße, frühzeitig Gefäßverkalkungen zu erkennen, die die Betroffenen noch nicht bemerken. Außerdem ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben und Sport zu treiben, sich gesund zu ernähren und auf ausreichenden Schlaf zu achten. Denn gesunde Gefäße und ein gesundes Herz können den Herzinfarkt vermeiden.