14.11.2025 - Kliniken Südostbayern

Koronare Herzkrankheit bei Frauen – andere Symptome, genauso gefährlich

Unter das Motto „Gesunde Gefäße – gesundes Herz: Den Herzinfarkt vermeiden“ stellt die Deutsche Herzstiftung die diesjährigen Herzwochen im November und informiert über die koronare Herzkrankheit, kurz genannt KHK. Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die Grunderkrankung und Vorstufe des Herzinfarkts. Und: der Herzinfarkt ist längst keine reine „Männerkrankheit“ mehr.

Die KHK ist zugleich die häufigste Herzerkrankung in Deutschland mit rund 540.000 Krankenhausaufnahmen und die führende Todesursache mit rund 120.000 Todesfällen pro Jahr, davon 44.000 Herzinfarkt-Sterbefälle. Bei den Frauen waren es 2023 über 51.000 Sterbefälle, darunter mehr als 18.000 durch Herzinfarkt.

Prof. Dr. Michael Lehrke, Chefarzt der Kardiologie der Kliniken Südostbayern, erläutert: „Generell beobachten wir, dass aufgrund des hormonellen Schutzes Herzkrankheiten bei Frauen meist etwa zehn Jahre später auftreten als bei Männern. Aber wenn die Frauen ihre geschlechterspezifischen Symptome für die koronare Herzkrankheit kennen, hilft dies, rechtzeitig die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.“

Vor den Wechseljahren profitieren Frauen von einem schützenden Effekt der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene). Sie regulieren nicht nur den Zyklus und die Schwangerschaft, sondern sind auch an unterschiedlichen Prozessen des Stoffwechsels beteiligt. Sie beeinflussen Entzündungsreaktionen und die Blutgerinnung und sie wirken erweiternd auf die Blutgefäße. Auf diese Weise können Östrogene vor der Bildung von arteriosklerotischen Ablagerungen in den Gefäßen schützen und vor einer koronaren Herzkrankheit bewahren. Nach den Wechseljahren lässt der Hormonschutz jedoch nach: Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, steigt dann bei Frauen rascher an als bei Männern.

So erkennen Frauen die Warnsignale rechtzeitig

Bei einem Herzinfarkt entscheidet jede Minute über Leben oder Tod. Doch gerade Frauen nehmen ihre Symptome häufig nicht ernst. Und: Bei Frauen können sich Beschwerden und Risiken deutlich von denen der Männer unterscheiden. Gerade bei älteren Frauen treffen die allgemein bekannten Herzinfarktsymptome weniger zu, weiß Priv.-Doz. Dr. Niklas Boeder, Leitender Oberarzt der Kardiologie am Klinikum Traunstein: „Der typische starke Brustschmerz, der auch in verschiedene Körperregionen ausstrahlen kann, macht sich bei Frauen beispielsweise oft weniger heftig bemerkbar als bei Männern. Frauen berichten eher von einem Druck- oder Engegefühl in der Brust.“

Weitere Symptome für einen Herzinfarkt bei Frauen können sein:

  • Kurzatmigkeit / Atemnot
  • Schweißausbrüche
  • Rückenschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Ziehen in den Armen
  • Unerklärliche Müdigkeit
  • Depressionen

Die Abgrenzung zwischen Wechseljahrs-Beschwerden und den oben beschriebenen Symptomen ist nicht immer leicht. Als Richtlinie kann jedoch dienen, dass man sich sofort Hilfe über die Telefonnummer 112 holen sollte, wenn Beschwerden in einem bisher nicht gekannten Ausmaß auftreten.

Auch jüngere Frauen sollten die Gefahr einer Herzkrankheit nicht beiseiteschieben, sondern handeln, denn weitere Risikofaktoren für eine KHK, die Frauen kennen sollten, sind Komplikationen bei einer Schwangerschaft (wie Diabetes, Präeklampsie und Eklampsie sowie Fehl-, Früh- oder Totgeburten) und eine Verschiebung der Menarche (erste Menstruation) oder der Menopause (letzte Menstruation).

Wie senken Frauen ihr Herz-Risiko in der Menopause?

In der Menopause kommt es zu einer Umstellung des Körpers: die schützende Wirkung der Hormone Östrogen und Progesteron auf das Herz-Kreislauf-System sinkt. Außerdem kommt ein weiterer Faktor hinzu: Gleichzeitig steigt der Spiegel des Hormons Testosteron, was unter anderem dazu führt, dass Frauen verstärkt in der Bauchregion Fett einlagern. Die Gefahr dabei: die Gefäße verengen sich, was wiederum eine fatale Wirkung auf die Herzgesundheit hat. Prof. Dr. Lehrke rät: „In dieser Lebensphase ist es für Frauen besonders wichtig, auf ihr Herz zu achten. Dabei hilft der Besuch in der hausärztlichen Praxis: die Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern zeigt, ob die Gefäße zur arteriellen Gefäßsteifigkeit oder Plaquebildung neigen, was wiederum Rückschlüsse auf die Elastizität der Herzkranzgefäße erlaubt.“

Zum Check gehen und gesund leben

Die Vorsorge in der hausärztlichen Praxis hilft allen: Am besten gehen Frauen (vielleicht gleich zusammen mit ihren Partnern) ab 35 Jahren – bei familiärer Vorbelastung auch früher –, um regelmäßig Blutdruck, Blutzucker, Blutfette (Cholesterin) und Körpergewicht kontrollieren zu lassen.

Ein gesunder Lebensstil zum Erhalt der Gefäßgesundheit ist ein weiterer wichtiger Baustein für die Herzgesundheit. Frauen (wie Männer) sollten auf gesunde Ernährung achten sowie nicht rauchen und auf Alkohol möglichst verzichten. Besonders wichtig ist regelmäßige Bewegung sowie Ausdauer- und moderates Krafttraining für den Muskelerhalt. Frauen in den Wechseljahren und danach sollten allerdings ihr Trainingspensum deutlich steigern, je nachdem wie häufig körperlich aktiv sie vorher waren.

Der gesunde Lebensstil ist nicht einfach zu erreichen, daher gilt, es langsam und überlegt anzugehen. Prof. Dr. Lehrke empfiehlt: „Überlegen Sie, was Sie zuerst angehen möchten und versuchen Sie nicht, alles auf einmal zu ändern. Wenn Sie beispielsweise rauchen und übergewichtig sind und Sie das Rauchen aufgeben wollen, hören Sie zuerst mit dem Rauchen auf und machen Sie nicht zugleich noch eine Diät. Wenn Sie zu viel sitzen, beginnen Sie langsam, sich mehr zu bewegen, aber versuchen Sie nicht gleich, einen Halbmarathon zu laufen.“ Ein gesunder Lebensstil und Aufmerksamkeit gegenüber unüblichen Symptomen helfen Frauen, ihr Herz gesund zu erhalten.