Ein Jahr danach - Eric besucht die Kinderklinik nochmal
Nach schwersten Verletzungen aufgrund eines Skiunfalls besucht Eric am Klinikum Traunstein noch einmal die Menschen, die ihm vor einem Jahr so geholfen haben.
Als Eric im Februar 2026 die Kinderstation am Klinikum Traunstein betritt, schauen manche Pflegekräfte und Ärzte der Kinderstation ungläubig. Denn der große Elfjährige kommt auf eigenen Beinen und schaut mit wachem Blick in die Runde. Vor einem Jahr hätte das niemand für möglich gehalten. Er trägt eine Mappe mit Bildern unter dem Arm: „The Best of Eric“ steht darauf. Seine Eltern, Jenny und Robert Jablonski aus Berlin, haben einen Kloß im Hals, als sie die Station betreten. „Wieder hierher zu kommen“, sagt die Mutter leise, „das war nicht leicht.“ Der Vater nickt. Ein Schicksalsschlag, sagt er, war das, „hoffentlich nur einmal im Leben“.
Ein Skiunfall mit schwersten Folgen
Am 2. Februar 2025, dem ersten Skitag der Winterferien, die die Familie in Obertauern verbringen will, passiert ein schwerer Skiunfall. In seiner ersten Stunde auf der Piste wird Eric schwer verletzt und wird beatmet mit dem Hubschrauber in die Kinderintensivstation des Klinikums Traunstein eingeliefert. Prof. Dr. Gerhard Wolf, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Traunstein, erinnert sich ganz genau: „Eric hatte Verletzungen an mehreren lebenswichtigen Organen gleichzeitig. Wir sprechen dabei von einem Polytrauma. Vorderste Aufgabe war, ihn erstmal so gut wie möglich zu stabilisieren und uns dann um die Verletzungen zu kümmern. Hier war echtes Teamwork gefragt, alles musste vom Timing her perfekt ablaufen.“ Der Vater ergänzt: „Die Ärztinnen und Ärzte und die Pflegekräfte haben sich rührend um Eric gekümmert während der ganzen Zeit: er war ja drei Wochen in Traunstein. So lange hat es gedauert, bis er aus dem Koma aufgewacht ist.“ Die Familie ist während der ganzen Zeit vor Ort und führt Tagebuch. Eine WhatsApp-Gruppe hält Freunde und Verwandte zuhause auf dem Laufenden. Jeder post ein kurzer Bericht der Mutter, kleine Siege werden geteilt. „Erstes Mal im Stehständer“, schreibt sie. „Schnell wieder ganz hinlegen, sonst hält er das nicht aus.“ Die Hoffnung bemisst sich in Zentimetern.
Neun Monate in der Reha
Dann der Flug im Hubschrauber zurück nach Berlin. Eric kann nach dem Klinikaufenthalt dort in die Reha gehen. Er fängt an zu üben, mit dem Liegerollstuhl, mit dem Sitzrollstuhl, Schritte werden gezählt wie früher seine Handball-Tore. Dann, Ende März 2025, hat er einen epileptischen Anfall. „Alle dachten, wir wären schon weiter“, sagt die Mutter. Vieles ist zu diesem Zeitpunkt unklar und erst mit einer antiepileptischen Therapie geht es Eric langsam besser. Er kann seine Reha wiederaufnehmen.
Dort ist er insgesamt neun Monate und entdeckt das Wasser für sich, früher war er beim TSC Berlin im Schwimmverein. „Sobald er das Wasser gespürt hatte, konnte er binnen kurzem wieder schwimmen“, erinnert sich die Mutter. Heute ist Eric seit Mitte Januar wieder im Unterricht auf einer Schule für Körperbehinderte und wurde in die dortige Schwimmgruppe aufgenommen. „Ich kann schnell kraulen“, sagt er stolz. Er dreht sich zu Prof. Dr. Wolf: „Wir können mal ein Wettrennen schwimmen, wenn du auch gerne schwimmst. Später möchte ich vielleicht auf die Sportschule. Mein Ziel sind die Paralympics.“ Wie gut es ihm wieder geht, zeigt Eric bei einem kurzen Kicker-Match mit Prof. Dr. Wolf während des Rundgangs auf der Station, bei dem beide lachen und lustig sind.
Eric will sich bedanken
Dann öffnet Eric die Mappe, die er mitgebracht hat: Er zeigt Prof. Dr. Wolf die Collage, die er angefertigt hat und die das vergangene Jahr zeigt. „Da sitze ich im Rollstuhl“, sagt Eric und zeigt auf das Bild. „Und da kann ich schon meinen Kopf ganz alleine halten.“ Ein Pferd ist mit abgebildet, es heißt Pinos. Ein Hund, Chico, ist auch dabei. Außerdem hat Eric noch weitere Bilder gemalt, in Schwammtechnik, in Spritztechnik, in verschiedenen Farben: „The Best of Eric.“ Er überreicht Prof. Dr. Wolf die Collage als Dankeschön. Der Arzt betrachtet sie lange. Die Eltern schauen sich an: „Was hier geleistet wurde, das ist nicht selbstverständlich.“ Der Grund, warum die Familie nochmals nach Traunstein gekommen ist: Eric möchte die Menschen sehen, die ihn versorgt haben und die Familie will sich bei allen bedanken, die ihrem Sohn damals so geholfen haben.
Dafür hat Eric selbst zu Spenden für seine Lebensretter aufgerufen: Über einen Link auf GoFundMe, geteilt in der WhatsApp-Gruppe. Freunde, Arbeitskollegen, Arbeitgeber, sogar Menschen, die die Familie gar nicht persönlich kannten, haben gespendet. Insgesamt sind so 11.000 Euro zusammengekommen. Davon gehen 4.000 Euro an die Pistenrettung Obertauern, 4.000 Euro an die Kinderklinik am Klinikum Traunstein und 3.000 Euro an Erics Reha-Einrichtung.
Prof. Dr. Wolf blickt auf die Eltern. „Aber ohne diese außergewöhnlich starke Familie – ohne diese Zuversicht – wäre es nicht gegangen. Sie haben auch in schwierigen Situationen immer nach vorne geblickt. Das hat mich sehr beeindruckt“. Am Schluss des Besuchs steht Eric mit hoch erhobenem Kopf zwischen seinen Eltern und Prof. Dr. Wolf, bereit für die nächsten Schritte in sein neues Leben.