25.11.2025 - Kreisklinik Bad Reichenhall

Damit aus einem Bruch kein Notfall wird

KSOB-Vortragsreihe „Gesundheit AKTIV“ zum Thema 4. Dezember 2025

Weichteilbrüche zählen zu den häufigsten Erkrankungen der Allgemeinchirurgie und treten oft lange Zeit ohne deutliche Beschwerden auf. Moderne Leitlinien empfehlen inzwischen eine frühzeitige operative Versorgung. Welche Risiken ein Abwarten mit sich bringen kann und welche zeitgemäßen Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen, erläutert Stefan Buchholz, Oberarzt an der Kreisklinik Bad Reichenhall und Leiter des neuen Hernienzentrums Berchtesgadener Land.

Weichteilbrüche entstehen dort, wo die Bauchwand oder andere Gewebeschichten geschwächt sind. Besonders häufig treten sie in der Leiste, am Nabel, an der Bauchwand oder an früheren Operationsnarben auf. Viele Betroffene bemerken zunächst nur eine kleine Vorwölbung oder ein Ziehen unter Belastung, manche spüren über Jahre hinweg gar nichts. „Genau das trägt dazu bei, dass Brüche häufig unterschätzt werden“, sagt Dr. Buchholz. Problematisch wird es vor allem dann, wenn sich Gewebe in der Bruchlücke einklemmt, etwa Fettanteile oder sogar eine Darmschlinge. Tritt dieser Zustand ein, kann er sich innerhalb kurzer Zeit zu einem chirurgischen Notfall entwickeln. „Ist der Darm betroffen und die Durchblutung gestört, bleibt nur ein enges Zeitfenster für die Operation, um einen dauerhaften Schaden zu verhindern“, so der Oberarzt.
Um mögliche Risiken frühzeitig einschätzen zu können, bietet die Kreisklinik Bad Reichenhall eine spezialisierte Herniensprechstunde an. Dort werden Patientinnen und Patienten zunächst ausführlich befragt und untersucht. Anschließend erfolgt eine Ultraschalluntersuchung, bei komplexeren Befunden wie größeren Narbenhernien oft auch eine Computertomographie. Auf dieser Grundlage wird individuell entschieden, ob eine Operation notwendig ist und welches Verfahren am besten geeignet erscheint. „Wichtig ist, dass wir die Situation für jede einzelne Person bewerten. Das Risiko einer Einklemmung hängt nicht nur von der Größe des Bruchs ab, sondern vom gesamten Befund“, erklärt der Oberarzt.

Schonend operieren, schnell erholen

Leistenbrüche sowie kleinere Nabel- und Bauchwandhernien können heute häufig ambulant versorgt werden. Patienten kommen am Vormittag zur Operation, der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose und nach einigen Stunden im Aufwachbereich können sie die Klinik wieder verlassen. Spezielle Verbandswechsel sind meist nicht erforderlich, die verwendeten Fäden lösen sich selbst auf und nach zwei Tagen ist in der Regel wieder Duschen möglich.

Bei minimalinvasiven Leistenoperationen beträgt die empfohlene Schonzeit in der Regel etwa zwei Wochen. „Schweres Heben, intensiver Sport oder körperlich fordernde Tätigkeiten sollten in dieser Zeit vermieden werden“, sagt Dr. Buchholz. Deutlich aufwendiger ist die Behandlung größerer Narbenhernien. In diesen Fällen wird oft die gesamte Bauchwand rekonstruiert, es werden Netze eingelegt. Der Eingriff erfolgt immer stationär, häufig kommen Drainagen und ein Schmerzkatheter zum Einsatz. Die anschließende Phase der körperlichen Schonung kann vier bis sechs Wochen dauern.

Neben den klassischen Brüchen der Bauchwand behandelt die Kreisklinik Bad Reichenhall auch Zwerchfellhernien, die häufig mit chronischem Sodbrennen, Entzündungen der Speiseröhre, Atemproblemen oder auch Herzrhythmusstörungen einhergehen. Diese Eingriffe sind zwar weniger häufig, können für die Betroffenen aber eine große Entlastung bedeuten. In Zusammenarbeit mit der gastroenterologischen Abteilung werden entsprechende Voruntersuchungen durchgeführt und geprüft, ob eine Operation sinnvoll ist. Die Versorgung erfolgt minimalinvasiv und kann den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre dauerhaft unterbinden, so dass Patienten keine Medikamente mehr gegen Sodbrennen einnehmen müssen.

Zertifizierte Qualität

Die Kreisklinik Bad Reichenhall führt jährlich rund 400 Hernienoperationen durch und wurde zum 1. Januar 2025 von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein und Viszeralchirurgie als Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie zertifiziert. Für diese Auszeichnung müssen unter anderem feste Mindestmengen, definierte Qualitätskriterien und niedrige Komplikationsraten nachgewiesen werden. Zudem werden alle Eingriffe in die Qualitätssicherungsstudie Hernia Med eingebracht, deren Nachbefragungen ein, fünf und zehn Jahre nach der Operation erfolgen. Patientinnen und Patienten erhalten außerdem ein Merkblatt mit Verhaltenshinweisen und eine direkte dienstliche Telefonnummer, über die sie bei Fragen jederzeit Rücksprache halten können. Zentrumsleiter ist Stefan Buchholz, gemeinsam mit Chefarzt Dr. Langwieler stehen zwei zertifizierte Hernienchirurgen zur Verfügung.