Kreisklinik Trostberg, Allgemein- und Vizeralchirurgie

Anatomie und Funktion der Schilddrüse

Schilddrüsenzentrum

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Das kleine schmetterlingsförmige Organ ist ein wichtiger hormoneller Schrittmacher im menschlichen Körper. Schilddrüsenerkrankungen können daher weitreichende Folgen für die Gesundheit haben.

Nachfolgend finden Sie ausführliche Informationen rund um die Schilddrüse.

Wo befinden sich Schilddrüse und Nebenschilddrüse?

Die Schilddrüse (Lateinische Bezeichnung: Glandula thyreoidea) liegt an der Vorderseite des Halses unterhalb des Schildknorpels des Kehlkopfes, wodurch sich auch ihr Name erklärt. Sie besteht aus zwei Hauptlappen, die durch eine schmale Gewebebrücke (Isthmus) vor der Luftröhre miteinander verbunden sind. Dieser Aufbau zeigt das für die Schilddrüse typische Bild eines Schmetterlings.

Ein gesundes Organ ist etwa daumengroß und wiegt bei einem Erwachsenen im Schnitt zwischen 18 Gramm (Frauen) und 25 Gramm (Männer). Die Schilddrüse befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Strukturen, die an der Stimm- und Sprachbildung beteiligt sind. Besonders bedeutsam ist der zarte Stimmbandnerv (Nervus laryngeus recurrens), der hinter der Schilddrüse zur Kehlkopfmuskulatur verläuft.

Hinter jedem Schilddrüsenlappen liegt am jeweils oberen und unteren Pol in der Regel eine Nebenschilddrüse, die ihren Namen ihrer anatomischen Lage im Körper verdankt. Es handelt sich dabei um etwa reiskorngroße Drüsen, die das Hormon Parathormon bilden. Dieses Hormon steuert über verschiedene Mechanismen die Blutkonzentration von Kalzium und anderen Spurenelementen im Körper. Kalzium wiederum beeinflusst die Nerven- und Muskelfunktion sowie den Knochenstoffwechsel. Etwa 90 Prozent der Menschen besitzen vier Nebenschilddrüsen. Die anderen haben entweder weniger oder mehr Nebenschilddrüsen. Manche Menschen haben sogar mehr als zehn Nebenschilddrüsen.

Welche Aufgaben hat die Schilddrüse?

In der Schilddrüse werden aus Jod und anderen Substanzen die Schilddrüsenhormone gebildet. Diese Botenstoffe sind Bestandteile eines hormonellen Regelkreises und steuern als solche fast alle wichtigen Körperfunktionen. Sie wirken auf Herz und Kreislauf, erweitern die Blutgefäße, beschleunigen den Herzschlag und regeln den Blutdruck. Sie aktivieren aber auch den Fett- und Bindegewebsstoffwechsel, die Schweiß- und Talgdrüsen der Haut und die Nieren- und Darmtätigkeit. Außerdem sind die Schilddrüsenhormone wesentlich für viele Wachstumsprozesse verantwortlich und steigern den Grundumsatz und Energieverbrauch des gesamten Organismus.

Schilddrüsenhormone wirken vor allem auf…

  • Herzaktivität und Blutdruck
  • Energiestoffwechsel, Körpergewicht
  • Kohlehydratstoffwechsel, Insulinproduktion
  • Fett- und Eiweißstoffwechsel, Cholesterinwerte
  • Gehirnaktivität, Psyche
  • Muskelstoffwechsel, Muskelkraft
  • Darmtätigkeit, Verdauung
  • Wachstum und Reifung von Ungeborenen im Mutterleib und von Kindern

Welche Schilddrüsenhormone gibt es?

Die zwei bekanntesten Hormone, die in der Schilddrüse gebildet werden, heißen Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Beide haben einen Jodanteil. Das Thyroxin besitzt vier Jod-Atome (T4), das Trijodthyronin entsprechend nur drei (T3). Durch die Abspaltung eines Jod-Atoms kann im Körper aus dem weniger wirksamen, aber dafür langlebigeren T4 das kurzlebigere, aber wirkungsstärkere Hormon T3 gebildet werden.

Der überwiegende Teil von T3 und T4 wird im Blut an spezielle Eiweiße gebunden (Thyroxin bindendes Protein). Diese dienen als Transportmittel zu den entsprechenden Organen. Nur ein geringer Anteil liegt als freies, also ungebundenes Hormon vor. Man spricht dann von freiem T3 und freiem T4. Die freien Hormone sind die einzigen, die auf den Stoffwechsel einwirken. Darüber hinaus wird in der Schilddrüse in den sogenannten C-Zellen auch noch das Hormon Calcitonin gebildet. Dieser Botenstoff beeinflusst z.B. den Calcium- und Knochenstoffwechsel.

Wie wird die Hormonproduktion konkret gesteuert?

Eine gesunde Schilddrüse produziert pro Tag etwa 80 bis 100 Mikrogramm T4 und 10 bis 50 Mikrogramm T3. Wann und in welcher Menge die Schilddrüse die eingespeicherten Hormone dem Körper zur Verfügung stellt, wird vom Gehirn gesteuert: Und zwar vom Hypothalamus (ein Teil des Zwischenhirns) und der Hypophyse (Hirnanhangdrüse).Die Hirnanhangdrüse ist sozusagen die erste übergeordnete Zentrale. Sie ist die Dirigentin des hormonellen Regelkreises, in den die Schilddrüse eingebunden ist. Denn sie bildet das Hormon TSH (Thyroid Stimulating Hormone), das die Schilddrüse in ihrer Hormonproduktion stimuliert. Befinden sich zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut wird die TSH-Produktion erhöht und damit die Schilddrüse zu mehr Arbeit angeregt. Ist die Schilddrüse dagegen zu aktiv, wird die Hirnanhangdrüse TSH vermindern und damit die Schilddrüsenfunktion reduzieren.

Die kontrollierte Abgabe von TSH wiederum erfolgt mit Hilfe von TRH (Thyreotropin Releasing Hormone), einem Hormon, das vom übergeordneten Hypothalamus freigesetzt wird. Dieser komplexe Rückkoppelungsmechanismus macht es der gesunden Schilddrüse möglich, die Konzentration der Hormone im Blut auf einem konstanten Niveau zu halten.

Vereinfacht ausgedrückt, wirkt die Schilddrüse wie das Gaspedal unseres Körpers: Bei zu viel an Hormonen (Hyperthyreose) laufen Körper und Seele übertourig, bei zu wenig Hormonen (Hypothyreose) entsprechend untertourig. Die Schilddrüse ist Teil eines komplizierten Regelkreises, durch den die Hormonausschüttung im Gleichgewicht gehalten werden soll. Ist der Hormonhaushalt gestört, kann schnell der gesamte Organismus aus dem Lot geraten.

Warum ist Jod so wichtig?

Ohne Jod kein Schilddrüsenhormon. Es wird als Grundstoff für die Produktion der Schilddrüsenhormone benötigt, die unter anderem für die Regulierung von Stoffwechselprozessen verantwortlich sind und das Körper- und Organwachstum anregen.

Der menschliche Körper kann Jod nicht selbst produzieren und auch nur sehr begrenzt speichern. Jod ist ein essentielles Spurenelement. Das heißt: Das vom Körper benötigte Jod muss regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. Es gelangt über den Magen-Darm-Trakt passiv ins Blut und von dort aktiv in die Schilddrüse. In der Schilddrüse werden bis zu 80 Prozent des täglich aufgenommenen Jods verbraucht.

Wo liegt unser täglicher Jodbedarf?

Um genügend Schilddrüsenhormone bilden zu können, liegt der tägliche Jodbedarf für Erwachsene bei etwa 150 bis 200 Mikrogramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. hat je nach Alter und Geschlecht einer Person bestimmte Empfehlungen der Jodzufuhr formuliert.

Der tägliche Jodbedarf beträgt für:

 Säuglinge  40 - 80 Mikrogramm
 Kinder, 1 bis 9 Jahre  100 - 140 Mikrogramm
 Kinder, 10 bis 12 Jahre  180 Mikrogramm
 Jugendliche und Erwachsende  200 Mikrogramm
 Erwachsende über 50 Jahre  180 Mikrogramm
 Schwangere  230 Mikrogramm
 Stillende  260 Mikrogramm

Jod ist für den Menschen unentbehrlich und lebensnotwendig – und zwar in jedem Lebensabschnitt – beginnend mit der Entwicklung des Kindes im Mutterleib. Daher ist eine ausreichende Deckung des Jodbedarfs vor allem während einer bestehenden oder geplanten Schwangerschaft wichtig, denn jetzt müssen zwei Schilddrüsen mit Jod versorgt werden.

Während bei der Mutter ein erhöhtes Risiko für eine Struma besteht, hängen beim Baby die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems von einer guten Jod-Versorgung ab. Auch in Stillzeiten ist der Bedarf erhöht, weil das Jod mit der Muttermilch abgegeben wird.

Welche Risiken birgt ein Jodmangel?

Deutschland zählt zu den jodärmsten Regionen Europas. Vor Tausenden von Jahren schwemmte die Gletscherschmelze das Spurenelement fort. Bis heute kommt Jod nur in sehr geringen Mengen in unseren Böden, Acker- und Weideflächen sowie im Trinkwasser vor und fehlt somit größtenteils in der tierischen und menschlichen Nahrung. Das Gebiet der heutigen Bundesrepublik wurde viele Jahre lang zum Jodmangelland erklärt und der Kropf das sichtbarste Zeichen dieses Defizits.Zwar hat sich die Jodversorgung der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten stark verbessert. Die Jodaufnahme hat sich gegenüber 1975 nahezu verdoppelt, vor allem Neugeborene und Kinder haben heutzutage einen ausgeglichenen Jodhaushalt. Doch gehen Experten davon aus, dass mindestens ein Drittel wenn nicht gar die Hälfte der deutschen Bevölkerung nach wie vor nicht optimal mit Jod versorgt ist. Das tägliche Defizit liegt bei schätzungsweise einem Drittel der Menge Jod, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt.

Als Folge können krankhafte Veränderungen oder Störungen der Schilddrüse auftreten. Jeder dritte Deutsche ist betroffen, ab dem 45. Lebensjahr sogar jeder Zweite, Frauen etwa gleich häufig wie Männer. Am meisten verbreitet ist die Jodmangel-Struma, eine extreme Vergrößerung der Schilddrüse mit und ohne Knoten. Die Symptome eines Jodmangels zeigen sich jedoch meist schleichend, so dass man anfangs kaum Beschwerden wahrnimmt. Erst bei einer stärkeren Unterfunktion sendet der Körper klare Warnsignale.

Als typische Anzeichen gelten:

  • Antriebsschwäche
  • Extreme Müdigkeit
  • Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei Kindern
  • Konzentrationsstörungen
  • Kälteempfindlichkeit
  • Enge- und Druckgefühl im Hals
  • Atem- und Schluckbeschwerden
  • Hautveränderungen (feuchte bzw. trockene Haut)

Wie kann ein Jodmangel ausgeglichen werden?

Einem akuten Jodmangel lässt sich am einfachsten über die Nahrung entgegenwirken: Die wichtigsten Jodlieferanten sind Seefische und Meerestiere. Sie sollten wenigstens zweimal wöchentlich auf dem Speiseplan stehen. Besonders jodhaltig sind Seelachs, Kabeljau und Scholle.

Auch die konsequente Verwendung von jodiertem Speissalz kann helfen, Defizite auszugleichen und Kröpfen vorzubeugen. Nennenswerte Jodmengen können zudem in Milch und Eiern vorkommen, allerdings ist hier die Fütterung der Tiere ausschlaggebend.

Jodgehalt verschiedener Nahrungsmittel im Überblick:

 

 Jodmittelwert in µg
 pro 100 g
 essbarem Anteil

 Erforderliche tägl.
 Verzehrmenge (g)
 für 100 µg Jod

 FISCH
 Schellfisch
 
 74,0
 
 135
 Hering  66,5  150
 Krabben  34,1  300
 Scholle  10,5  950
 FLEISCH (mittelfest)
 Schweinefleisch
 
 3,0
 
 3.300
 Rindfleisch  3,0  3.300
 GETREIDE
 Roggenbrot
 
 8,5
 
 1.200
 Weißbrot  5,8   1.700
 Haferflocken  4,0  2.500
 Reis  2,2  4.500
 EIER
 Hühnerei
 
 9,7
 
1.050
 GEMÜSE
 Spinat

 20,0

 800
 Radieschen  8,0  1.250
 Kartoffeln  3,8  2.650
 Gurke  2,5  4.400

Während in einigen Ländern das Problem durch Jodzufuhr im Trinkwasser gelöst wurde oder das Jodsalz schlicht zum Regelsalz gemacht wurde wie etwa in der Schweiz seit den 1920er Jahren, passierte hierzulande lange nichts. Hilfe kam schließlich aus der Nahrungsmittelindustrie, die verstärkt jodiertes Speisesalz einsetzte.

Das Gleiche gilt für Kantinen, Restaurants, Bäckereien und Metzgereien. Durch ein wachsendes Angebot an mit Jodsalz hergestellten Lebensmitteln und Speisen hat sich die Jodversorgung der Bevölkerung wesentlich verbessert. Allerdings kann eine zusätzliche Jodaufnahme für Patienten mit bestimmten Schilddrüsenerkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer Schilddrüsenentzündung vom Typ Hashimoto auch schädlich sein.

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