Kreisklinik Trostberg, Allgemein- und Vizeralchirurgie

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Schilddrüsenzentrum

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Schilddrüse und Kinderwunsch

Macht eine Schilddrüsenstörung unfruchtbar?

Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch unternehmen nicht selten eine wahre Behandlungsodyssee. Die Ursachen für eine mögliche Unfruchtbarkeit müssen aber nicht zwingend im weiblichen oder männlichen Unterleib liegen. Wenn die Schwangerschaft ausbleibt, kann auch eine Störung der Schilddrüse vorliegen.

Sowohl eine Überfunktion (Hyperthyreose) als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) können die Empfängnis negativ beeinflussen und bewirken, dass das lang ersehnte Wunschkind ausbleibt. Denn die Schilddrüsenhormone steuern alle wichtigen Vorgänge im Körper, auch die Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Schilddrüsen- und Sexualhormone wie das Östrogen stehen miteinander in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Geraten die Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, hat dies Auswirkungen auf die Eizellreifung und den Zyklus. Die betroffenen Frauen werden seltener schwanger. Kommt es trotzdem zur Empfängnis, führt insbesondere eine Überfunktion in den ersten Monaten häufig zu einer Fehlgeburt.

Insgesamt sind etwa zehn Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen von einer Schilddrüsenstörung betroffen.

Meist handelt es sich dabei um eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose). Auch schon diskrete oder schlafende Unterfunktionen (latente Hypothyreose) können sich negativ auswirken auf die Fruchtbarkeit auswirken. Schilddrüsenantikörper und Hashimoto-Thyreoiditis können bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch signifikant häufiger festgestellt werden als bei Frauen, die problemlos schwanger werden.

Ungewollte Kinderlosigkeit (Infertilität) liegt vor, wenn …

… nach 1 Jahr ohne Verhütung keine Schwangerschaft eintritt (bei Frauen unter 35 Jahren).
… nach 6 Monaten ohne Verhütung keine Schwangerschaft eintritt (bei Frauen über 35 Jahren).
… eine Schwangerschaft nicht ausgetragen werden kann.


Eine Schilddrüsenuntersuchung ist angezeigt, wenn …

… in der Familie Schilddrüsenprobleme bekannt sind.
… eine unregelmäßige Periode besteht.
… nach 6 Monaten keine Schwangerschaft eintritt.


Eine Schilddrüsenuntersuchung sollte einen festen Platz in der Fertilitätsdiagnostik haben.

Welche Behandlungsmethoden bieten sich an?
Bei einer latenten Unterfunktion der Schilddrüse wird von den meisten Endokrinologen eine großzügige Einstellung der Schilddrüsenhormone propagiert, deren Wert inzwischen auch wenig umstritten ist, da ein Zusammenhang zwischen subklinischer Hypothyreose und Infertilität bei Frauen nach Studiendaten wahrscheinlich ist und ein Zusammenhang mit Fehlgeburten gesichert. Die angestrebten Grenzwerte sind jedoch umstritten und in keiner Richtlinie eindeutig geregelt, empfohlen wird jedoch oft ein Grenzwert für das TSH von 2,5 mU/l. Im Falle von Schilddrüsenantikörpern gilt der weiter oben erwähnte Wert von 1,0 mU/

Die Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) wird durch die medikamentöse Gabe von Schilddrüsenhormonen behandelt. Die anzustrebenden Grenzwerte für die genaue Dosierung der Medikamente sind in der Fachwelt zum Teil umstritten. Normalerweise wird für das TSH ein Grenzwert zwischen etwa 1.0 bis 2,5 mU/l empfohlen.

Die Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) wird zunächst durch Thyreostatika behandelt. Diese Medikamente können bei einer Schwangerschaft sehr schädlich für Mutter und Kind sein. Daher sollte vor einer möglichen Schwangerschaft eine definitive Sanierung der Schilddrüsenerkrankung erwogen werden, wobei sich bei den einzelnen Erkrankungen (Morbus Basedow, Autonomie) unterschiedliche Gesichtspunkte ergeben.

Schilddrüse und Schwangerschaft

Welchen Einfluss hat eine Schwangerschaft auf die Schilddrüse?

In der Schwangerschaft erfahren werdende Mütter viele hormonelle Veränderungen. Der Körper befindet sich in Umstellung. Auch die Schilddrüse passt sich der neuen Situation an.

Durch die erhöhten Stoffwechselvorgänge kommt es zu einem um bis zu 50 Prozent gesteigerten Bedarf an Schilddrüsenhormonen. Um eine ausreichende Produktion der Schilddrüsenhormone zu gewährleisten, liegt der Jod-Bedarf mit 200 Mikrogramm pro Tag deutlich höher liegt als bei Nicht-Schwangeren.

Die normale Funktion der kindlichen Schilddrüse setzt eine hinreichende Jodzufuhr durch die Mutter voraus. Dies gilt vor allem für die Frühschwangerschaft: Ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft ist die kindliche Schilddrüse zwar in der Lage Jod aufzunehmen und selbst Schilddrüsenhormone zu produzieren. Bis dahin ist der Fötus allerdings vollständig auf die Hormone der Mutter angewiesen. Eine ausreichende Jodzufuhr sowie eine gute Einstellung des Schilddrüsenstoffwechsels sind für eine normale körperliche und geistige Entwicklung des Babys daher unbedingt erforderlich.

Eine gestörte mütterliche Schilddrüsenfunktion kann dem Ungeborenen großen Schaden zufügen, vielleicht sogar zu gesundheitlichen Problemen führen, die das gesamte Leben anhalten. Zudem ist das Risiko für Fehl- und Totgeburten sowie Frühgeburten durch eine unbehandelte Erkrankung der Schilddrüse erhöht. Schilddrüsenerkrankungen der Mutter können im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft zum ersten Mal auftreten. Besonderes Augenmerk muss jedoch auf Schilddrüsenerkrankungen gelegt werden, die bereits vor der Schwangerschaft bestanden.


Welche Schilddrüsenprobleme gibt es?

Die häufigsten Schilddrüsenerkrankungen während und unmittelbar nach einer Schwangerschaft sind:

  • Kropf und/oder knotige Schilddrüsenvergrößerung
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Schilddrüsenentzündung nach der Geburt („Post-Partum-Thyreoiditis“)

Kropf:
Zu einer relevanten Kropfbildung (Struma) zum Ausgleich eines akuten Jodmangels kommt es heutzutage nur noch selten. Die meisten Schwangeren sind durch die Einnahme von Jodtabletten gut versorgt.

Knoten:
Häufiger ist dagegen die Entstehung neuer oder die Vergrößerung bekannter Knoten (Schilddrüsenknoten). Diese Veränderungen sollten mit Ultraschall engmaschig kontrolliert und bei Verdacht auf Bösartigkeit mit eine feinen Nadel punktiert werden. Diese Untersuchung ist absolut harmlos für das Ungeborene. Eine Szintigrafie darf aufgrund der Strahlenbelastung während Schwangerschaft und Stillzeit nicht durchgeführt werden.

Unterfunktion:
Eine Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse kann während einer Schwangerschaft neu auftreten oder bereits behandelt sein. Eine Hypothyreose kann zu schweren geistigen und körperlichen Schäden des Fötus führen (Kretinismus). Häufig steckt eine Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto dahinter. Im Blut können dann typische Antikörper nachgewiesen werden. Bei dieser Erkrankungen können auch vermehrt Schwangerschaftskomplikationen wie Fehl- oder Frühgeburten auftreten. Unabhängig von der Ursache wird die Schilddrüsenunterfunktion der Mutter mit Schilddrüsenhormon-Tabletten (L-Thyroxin ) behandelt. Die Schilddrüsenhormondosis wird im Verlauf der Schwangerschaft an den steigenden Bedarf angepasst und nach der Geburt entsprechend reduziert. Schilddrüsenhormone können von der Mutter ohne Bedenken eingenommen werden, da sie – richtig dosiert – keine Nebenwirkungen erzeugen. Wenn diese Therapie sofort begonnen wird, besteht meist auch keine Gefahr für das Baby.

Überfunktion:
Eine milde (latente) schwangerschaftsbedingte Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist nicht selten und normalisiert sich meist im Verlauf der Schwangerschaft von selbst. Eine manifeste, d.h. deutliche und relevante Hyperthyreose kann sich allerdings dramatisch auf eine Schwangerschaft auswirken und Fehlgeburten, Frühgeburten oder Missbildungen des Kindes zur Folge haben. Die häufigsten Ursachen für eine mütterliche Schilddrüsenüberfunktion während der Schwangerschaft sind die Basedowsche-Krankheit oder die funktionelle Autonomie. Wenn solche Erkrankungen vor einer Schwangerschaft bekannt sind, ist gut zu überlegen, ob es nicht besser ist, diese Erkrankungen vor Eintritt der Schwangerschaft durch eine sogenannte ablative Therapie, d.h. Operation oder Radiojod, zu sanieren. Hierzu wird vor einer geplanten Schwangerschaft in der Regel wegen der Strahlenbelastung eher eine Operation befürwortet.

Post-Partum-Thyreoiditis:
Die wichtigste Ursache für eine Schilddrüsenstörung im Wochenbett ist die „Post-Partum-Thyreoiditis“. Etwa vier Prozent der Frauen leiden im Anschluss an die Entbindung an einer Entzündung der Schilddrüse. In den meisten Fällen verursacht sie keine Schmerzen und wird daher auch als „stille Schilddrüsenentzündung“ bezeichnet. Bei dieser Sonderform kommt es typischerweise zu einer Überfunktion. Im Allgemeinen heilt sie ohne Folgen aus. Sie kann jedoch auch in eine Phase der Unterfunktion übergehen. Manchmal lassen sich auch Antikörper gegen die Schilddrüse nachweisen wie bei der Hashimoto-Thyreoiditis.

Schilddrüse und Psyche

Was haben Psyche und Schilddrüse miteinander zu tun?

So klein das Organ Schilddrüse auch sein mag, so groß ist doch sein Einfluss auf den Körper. Die dort produzierten Hormone beeinflussen nicht nur organische Vorgänge wie Herz, Kreislauf, Verdauung oder Wachstum, sondern aktivieren auch den Stoffwechsel der Nervenzellen und die Gehirntätigkeit. Somit hat die Schilddrüse auch einen erheblichen Einfluss auf die Psyche und das seelische Gleichgewicht des Menschen.

Sowohl die Unterfunktion (Hypothyreose) als auch die Überfunktion (Hyperthyreose) sind mit psychischen Symptomen gekoppelt. Beide Funktionsstörungen führen zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität. Ist das psychische Gleichgewicht gestört, wirkt sich dies erheblich auf das körperliche Wohlbefinden aus. Das Spektrum der Symptome ist dabei ausgesprochen vielfältig.

Schilddrüsenüberfunktion:
Bei der Schilddrüsenüberfunktion befinden sich schlicht gesagt zu viele Hormone im Regelkreis. Betroffene sind häufig nervös oder aggressiv, sie sind irritierbar, ängstlich oder extrem schreckhaft. Es fällt ihnen schwer, sich zu entspannen, sie schwitzen schnell, haben Schlafstörungen, Herzrasen oder Vorhofflimmern. Oftmals zittern die Patienten auch stark. Viele klagen über Durchfälle, starken Gewichtsverlust, Müdigkeit und Schwäche.

Diese Symptome wie auch das Schwitzen, können leicht mit den Anzeichen der Wechseljahre verwechselt werden. Nur sehr milde ausgeprägte Funktionsstörungen der Schilddrüse können außerdem mit vermehrtem Angstempfinden einhergehen. Im schlimmsten Fall tritt zusätzlich eine Psychose auf, und es kommt bei falscher Diagnose zur Einweisung in die Psychiatrie.

Schilddrüsenunterfunktion:
Im Fall einer Schilddrüsenunterfunktion klagen Betroffene häufig über depressive Verstimmungen, Apathie, schnelle Erschöpfung, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Die Gefühlslage kann sehr schwankend sein und im Extremfall über Wahnvorstellungen bis hin zu Suizidgedanken reichen. Zu den körperlichen Symptomen zählen Gewichtszunahme, langsamerer Herzschlag, verlangsamte Reflexe und eine verminderte Libido.
Da sich die Hypothyreose oft sehr langsam und schleichend entwickelt, werden die Symptome leicht übersehen und die Diagnose meist auch erst spät gestellt. Außerdem wird die Hypothyreose – meist als Folge der Autoimmunthyreoiditis Typ Hashimoto – mit zunehmendem Lebensalter immer häufiger, weshalb die Symptome nicht selten fälschlicherweise dem Alter zugerechnet werden. Nach dem 60. Lebensjahr leiden etwa zwei Prozent der Bevölkerung an einer Unterfunktion der Schilddrüse.

Post-Partum-Thyreoiditis:
Eine weitere Risikogruppe stellen auch Frauen nach der Geburt eines Kindes dar. Bei zirka vier Prozent entwickelt sich durch die hormonellen Umstellungen nach der Entbindung eine so genannte Post-partum Thyreoiditis mit erhöhten Schilddrüsenantikörperwerten und Funktionsstörungen der Schilddrüse. Diese können von Depressionen begleitet sein. Bei anhaltender Abgeschlagenheit und starken Stimmungsschwankungen sollte daher auch an die Schilddrüse als mögliche Ursache gedacht werden.

Experten haben außerdem einen jahreszeitlichen Zusammenhang zwischen depressiven Störungen und der Funktion der Schilddrüse nachgewiesen. Nicht nur Stimmungsschwankungen treten in der Herbst- und Winterzeit häufiger auf. Auch die Produktion von Schilddrüsenhormonen unterliegt saisonalen Schwankungen.

Bei starken Stimmungsschwankungen und anderen Symptomen sollte deshalb immer auch die Schilddrüse als Auslöser in Betracht gezogen werden. Patienten mit psychischen Problemen sollten unbedingt untersuchen lassen, ob ihre Beschwerden organische Ursachen haben. Eine rechtzeitige und richtige Behandlung kann Betroffenen einen langen Leidensweg ersparen. Schilddrüsenfunktionsstörungen gehören zu den heilbaren Krankheiten. Durch die richtige Einstellung mit Hormonersatzpräparaten kann es durchaus wieder zu einer Normalisierung der seelischen Vorgänge kommen. Eine Normalisierung der Schilddrüsenwerte führt meist zum raschen Abklingen der Symptome und zur Verbesserung des psychischen Wohlbefindens.

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